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Kirchenmusikalisches Schatzkästlein zum Festtag geöffnet

Seit 21 Jahren ist es Tradition, dass die Salzburger Bachgesellschaft ihre Konzertsaison an Mariä Himmelfahrt in der Wallfahrtskirche Maria Plain eröffnet. Ebenso traditionell ist die Verbindung mit dem Musiksommer zwischen Inn und Salzach, der mit »Mozart & Haydn in Maria Plain« gleichzeitig sein 28. Konzert verzeichnete.

Eine Symbiose von Musik, Architektur und Landschaft zu finden, ist ein wesentliches Kriterium für die Programme des Musiksommers zwischen Inn und Salzach. Kaum einen stimmigeren Ort konnte es dafür geben als die Wallfahrtskirche Maria Plain an diesem hochsommerlichen Feiertag zu Mariä Himmelfahrt. Und den musikalischen Edelstein, der sich wunderbar in die Fassung von Kirche und Landschaft fügte, brachte Albert Hartinger mit seinem Collegium Vocale der Salzburger Bachgesellschaft und dem Salzburger Barockensemble gehörig zum Funkeln. Mozart und Haydn war das Kirchenkonzert gewidmet, das mit einer Orgeltoccata von Johann Ernst Eberlin eröffnet wurde. Mozarts Vorbilder und Vorgänger gaben mit ihren Gedenktagen den Anlass zur Programmgestaltung: 2012 jährt sich der 225. Todestag von Leopold Mozart, der 275. Geburtstag von Michael Haydn und der 250. Todestag von Johann Ernst Eberlin.

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Nach der Orgeleinstimmung hatte aber zunächst Josef Haydn mit dem Salve Regina in g-Moll das Sagen: »O dulcis Virgo Maria« erklang zum Marienfesttag, und unter Albert Hartingers empfindsamer Leitung ließen die Vokalsolisten Barbara Frandl, Yvonne Douthat, Virgil Hartinger und Christoph Schöffmann ihre Stimmen mit feierlicher Andacht in den Kirchenraum schwingen, umhüllt vom delikaten Klang des Barockensembles mit den Geigern Frank Stadler und Martin Hebr, dem Bratscher Herbert Lindberger, dem Kontrabassisten Martin Hinterholzer und Michaela Aigner am Orgelpositiv.

Mit leuchtendem Geigenton von Frank Stadler angeführt, umschmeichelten die Instrumentalsolisten klangfein die Sänger. Stadler und Lindberger brillierten sodann in zwei Duos für Violine und Viola, einem gefühlvollen Adagio von Mozart und einem virtuosen Stück von Michael Haydn in lieblicher Melodik und flinker Bewegung. Bei den Duos hatte Mozart einst dem erkrankten Michael Haydn unter dessen Namen ausgeholfen. Vor allem die Violine ist dabei mit Bravour ausgestattet und flotte Agilität ist beiden Instrumenten abverlangt.

Ein ansprechendes Frühwerk ist die Missa G-Dur, die Mozart im Alter von 12 Jahren geschrieben hat. Das Collegium Vocale im Verein mit dem Instrumentalensemble unter Hartingers Leitung machte die Messe, fein ausgewogen, zur festlichen Klangfeier. Jubilierend im Gloria, formten sie das Credo auch zum musikalischen Glaubensbekenntnis. Mit ganzem Herzen gestalteten sie Musik und ließen die musikalische Aussage zu ihrem persönlichen Anliegen werden. Mit filigraner Durchsichtigkeit stiegen die Stimmen auf, wetteiferten in den silbrigen Sopranlichtern mit dem Silberglanz der Altar- Ornamentik, und das Gesamt -Klanggefüge bildete mit dem Ambiente der Kirche eine erhabene Einheit.

Zum Graduale fügte sich Mozarts Kirchensonate Es -Dur KV 67 in ihrer berührenden Melodie wunderbar ein, vom Streichtrio Stadler, Lindberger, Hinterholzer innig gespielt. Zum Offertorium machte Michael Haydns »Tres sunt« guten Eindruck, und zur Communio kam noch Leopold Mozart in »Parasti mensam« mit jubilierendem Alleluja klingend zu Wort. Albert Hartinger hatte damit eine Kombination zusammengestellt, die als Einheit und wie aus einem Geist wirkte und die Missa in einer Form komplettierte, bei der es keinen stilistischen Bruch gab. Wer genau was komponiert hatte, ließ sich beim Zuhören eigentlich nicht abgegrenzt ausmachen. Sänger und Instrumentalisten ließen das die Kirche füllende Auditorium in feine, feierlich dargebotene Klanggewebe eintauchen, die anhebende und festlich-frohgemute Stimmung hinterließen. Mit der Zugabe des »Ave Verum« klang der Konzertabend innig aus. Elisabeth Aumiller