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»Kinder sind das Feuer der Grippe«

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So sah die Deutschlandkarte in der dritten Woche des Jahres aus. Blau bedeutet »normal«, was die Ausbreitung der Grippe betrifft. (Quelle: Robert Koch-Institut)
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In der neunten Woche ist die Grippewelle auch über das Berchtesgadener Land geschwappt, wie auf dieser derzeit aktuellsten Karte zu sehen ist. Grün bedeutet »erhöht«.

Berchtesgaden – Eine laufende Nase, Bronchitis, Fieber und Co.: Die Grippewelle schwappt momentan über den Landkreis. Besonders Eltern und Kinder erwischt es häufig, da im Kindergarten ein regelrechter »Austausch« von Viren und Bakterien stattfindet, wie der Berchtesgadener Kinderarzt Dr. Michael Horn bestätigt. Dr. Horn gibt daher Tipps, wie man sich und seine Liebsten schützen kann und wo der Unterschied zu einer Erkältung liegt.


Zu Beginn des Gesprächs macht der Kinderarzt deutlich: Man muss unterscheiden zwischen dem echten Influenza-Virus, von dem es vier Typen gibt, und einer Erkältung. »Eine Erkrankung mit dem echten Influenza ist eine schwere Infektionskrankheit«, weiß der Kinderarzt. Das habe nichts mit einer Erkältung zu tun, bei der man eine laufende Nase und Gliederschmerzen habe. »Die Grippe ist schwerwiegend. Man liegt mindestens eine Woche mit Fieber und Bronchitis im Bett, es geht einem richtig dreckig. Außer, man ist geimpft.« Da Dr. Michael Horn die Grippe jedes Jahr »direkt ins Gesicht kriegt«, wie er es formuliert, lässt er sich jedes Jahr impfen.

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Diejenigen, die jetzt während der Grippewelle in seine Praxis kommen und geimpft sind, denen »fehlt nicht viel«, sie benötigen eventuell eine Vorsorgeuntersuchung, so Dr. Horn. »Die anderen hat es heuer alle voll erwischt.«

Der Kinderarzt bezeichnet die Grippe als eine der typischen Kindergarten-Krankheiten. »Man sagt immer, Kinder sind das Feuer der Grippe. Denn die Viren verbreiten sich durch die Tröpfcheninfektion wie ein Lauffeuer unter den Kindern.« Im Kindergarten seien die Kleinen zum ersten Mal fremden Keimen ausgesetzt. Für das Immunsystem ist das gut. Es kann sich so gut entwickeln, damit die Kinder später gegen vieles gewappnet sind, weiß der Arzt. Allerdings kann es gefährlich werden, wenn die Buben und Mädchen die Krankheiten heimbringen und gefährdete Personen, wie zum Beispiel Oma, Opa oder andere Familienmitglieder, die etwa ein schwaches Herz haben, anstecken. Dies kann unter Umständen tödlich enden. Die Zahl der durch die Influenza bedingten zusätzlichen Todesfälle, die Exzess-Mortalität, ist eine statistische Größe, die das Robert Koch-Institut ausrechnet. »Man geht davon aus, dass jährlich während einer Grippeinfektion 1 000 bis 5 000 Menschen sterben«, erklärt Dr. Horn.

Es gibt verschiedene Stämme des Influenza-Virus. Derzeit ist vor allem das Virus H1N1 im Umlauf. Wie schützt man sich und seine Kinder am besten davor? »Es wird empfohlen, sich jedes Jahr impfen zu lassen«, so Dr. Horn. Allerdings ist es nicht zwingend notwendig. »Man kann das Auffrischen einer Grippeimpfung vergleichen mit dem Wiederholen von Vokabeln«, so der Kinderarzt.

Wenn es nun ein Kind erwischt hat, steht natürlich zu allererst der Besuch beim Kinderarzt an. Wenn dieser eine Infektionskrankheit feststellt, sollte das Kind nicht mehr in den Kindergarten gehen dürfen. Und ab wann ist es dann wieder erlaubt, ohne dass die Gefahr besteht, andere Kinder anzustecken? Laut Dr. Horn sollte das Kind erst wieder in den Kindergarten gehen, wenn es mindestens 24 Stunden fieberfrei ist.

Dem sollten Eltern im Übrigen nicht auf die Sprünge helfen. Denn Fieber hat eine Funktion. »Oft kommen Eltern zu mir und sagen, sie hätten dem Kind schon fiebersenkende Medikamente gegeben und wundern sich dann, dass das Fieber immer wiederkehrt«, erzählt Dr. Horn. Der Körper habe nämlich einen sehr guten Grund dafür, dass er fiebert. »Das ist die einzige Abwehrkraft, die unser Körper gegen die Grippe hat«, erklärt er. Deshalb sei es nicht so schlimm, wenn das Kind mit zwei, drei oder vier Jahren 40 Grad Fieber habe. »Das Fieber ist keine Erkrankung, dadurch wird das weitere Eindringen des Virus in den Körper gestoppt.« Die Temperatur erhöhe sich deswegen immer wieder, weil der Körper von sich aus damit die Krankheit bekämpfen will. Abschließend verweist Dr. Horn auf die Internetseite der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert-Koch-Instituts, influenza.rki.de. Hier kann jeder die Daten zur Grippewelle abrufen und auch auf der Deutschlandkarte genau sehen, wann es wo wie viele Influenza-Infektionen gab. Annabelle Voss

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