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Keine Übernachtungen mehr in Wellblechhütten – Hilfe für südosteuropäische Dörfer

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AWO Bischofswiesen-Berchtesgaden will Infrastruktur in südosteuropäischen Dörfern verbessern
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Ein bewegender Moment: Die rumänischen Kinder tanzen und singen zum Dank der Geschenke etwas vor.

Berchtesgaden – Die meisten Roma-Familien in Südosteuropa leiden unter Armut, Diskriminierung und Perspektivlosigkeit. Dieter Kühnel will helfen. Der Leiter der Auslandshilfe des Ortsvereins »AWO Bischofswiesen-Berchtesgaden« fährt seit fünf Jahren regelmäßig nach Rumänien und Bosnien Herzegowina, um die Infrastruktur in den ärmeren Gegenden zu verbessern. Erreicht hat er einiges – ihm genügt das aber nicht.


Aufmerksam auf das Ehrenamt wurde der 57-Jährige durch seinen Vorgänger Adi Renoth, der das Projekt von Beginn an begleitet hatte. Renoth startete die »AWO«-Auslandshilfe im Jahr 1997. Sein Ziel war es, die Schulen und Kindergärten in ärmeren Gegenden aufzubauen. »Ich habe öfters mit ihm über die Auslandshilfe gesprochen. Es ist eine tolle Aktion«, lobt Kühnel.

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Schockierende Lebensumstände

2015 war es dann soweit: Dieter Kühnel fuhr erstmals gemeinsam mit Adi Renoth nach Satu Mare in Rumänien. Damals blickte er seinem Vorgänger über die Schulter. Renoth versorgte die Schule mit einer Kleiderkammer. Die Kleidung kam aus Berchtesgaden und Fridolfing. Helfer luden sie in einen Transporter. Rund 1000 Kilometer später war der Bischofswieser schockiert. Der Lebensstandard der Roma unterschied sich extrem zu dem, was Kühnel gewohnt war.

Viele Familien des Ortsteils Satmarel hätten in Wellblechhütten oder flachen Gruben genächtigt. »Sie leben in ärmlichsten Verhältnissen, die Infrastruktur ist schlecht. Man muss ihnen helfen«, betont er. Über Geldspenden sollte Baumetarial für neue Häuser bereit gestellt werden. Der Bischofswieser fand großen Gefallen an der Aktion. Seitdem fuhr er fast jedes Mal mit. Drei Jahre später übernahm Kühnel die Leitung der Auslandshilfe. Einmal im Jahr ist er in Bosnien unterwegs, drei- bis viermal in Rumänien.

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Dieter Kühnel (Mitte) bereitet mit Päckchen den rumänischen Schülern große Freude. (Fotos: privat)

Für Satmarel nimmt der 57-Jährige verschiedene Projekte in Angriff. So schenkt er Romakindern Winterschuhe, die er über einen Großhändler erwirbt. Er richtet auch ein Winterquartier für Obdachlose ein. Dort erhalten sie Kleidung, Matratzen und Decken. »Sie dürfen nicht erfrieren.« Im Kampf gegen die Armut hilft Kühnel beim Aufbau der Schulen und Kindergärten. »Je besser die Bildung ist, desto eher bekommen die Schüler einen aussichtsreichen Beruf. Wir müssen ihnen eine Perspektive schaffen«, so der 57-Jährige.

Perspektive schaffen

Der Bischofswieser stattet die Kinder mit Heften und anderen wichtigen Unterrichtsmaterialien aus. Auch die Einrichtungen sollen dank regelmäßiger Geldspenden verbessert werden.

Im Winter dürfen sich die Schüler über eine besondere Aktion freuen: Kühnel sammelt mit der »AWO«-Auslandshilfe jährlich rund 350 Weihnachtspäckchen für die Kinder in Rumänien. Darin befinden sich neben Hygieneartikel auch Kleidungsstücke, Spielsachen und Süßigkeiten.

Unterstützt werde diese Aktion von den Kindergärten Insula und Bischofswiesen-Winkl. Die Bescherung an der Schule von Satmarel und dem nahe gelegenen Kindergarten sei für alle Beteiligten rührend. »Die Schüler zeigen sich dankbar.« Immerhin seien die Vorbereitungen und der Transport der Geschenke ziemlich kräftezehrend. Nach der Geschenkübergabe präsentieren die Schüler unterschiedliche Tanz- und Gesangseinlagen. »Diese Strapazen sind schnell vergessen, wenn die Kinder zeigen, was sie können«, sagte der 57-Jährige stolz.

Neue Bäder, neue Küche

Stolz mache ihn auch die neue Kleiderkammer im Kindergarten sowie die Gründung eines »AWO«-Ortsvereins in Satu Mare. »Wir haben schon einiges erreicht. Doch wir stehen noch am Anfang«, so der Bischofswieser.

Kühnels großes Ziel ist der Aufbau einer intakten Gegend. Hygienemaßnahmen stehen zunächst im Vordergrund. Kinder sollen die Chance haben, sich zu waschen: »In den nächsten drei Jahren sollen in einem ehemaligen Kindergarten neue Bäder und Toiletten entstehen.« In einem weiteren Raum soll eine Küche eingebaut werden. Dadurch hätte man die Gelegenheit, den Kindern gegen Mittag eine warme Mahlzeit zuzubereiten.

Nicht nur in Rumänien, sondern auch in Bosnien Herzegowina ist der 57-Jährige tätig.

Die »AWO« versorgt ein Krankenhaus in Sanski Most mit Verbandsmaterialien, Rollstühlen, Medikamenten und weiteren medizinischen Geräten. Im Herbst soll das Krankenhaus in Sanski Most ein neues Inventar erhalten, denn das »AWO«-Seniorenzentrum in Freilassing zieht um. »Vermutlich bleiben beim Ausräumen viele Betten und weitere Möbelstücke übrig. Die werde ich dann nach Bosnien transportieren.«

Patrick Vietze