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Karten für einen Platz im Haus des Herrn: Neues System für Gottesdienste in der Adventszeit

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Wer eine Platzkarte für die Gottesdienste in der Advents- und Weihnachtszeit will, sollte sich an das jeweilige Pfarrbüro wenden. Eine Karte gilt für zwei Personen und ist kostenlos. (Foto: Birgit Hauber)

Berchtesgaden – Hunderte Gläubige, die sich vor der Kirchentüre drängeln, dicht zusammenstehen und sich dabei gegenseitig anstecken – ein Horrorszenario, das das Stiftsland Berchtesgaden in der kommenden Weihnachtszeit unbedingt verhindern möchte. Damit es erst gar nicht zu Drängeleien vor den Gottesdiensten an den Adventssonntagen und an den Weihnachtsfeiertagen kommt, gibt es nun etwas Neues. Ein Platzkarten-System. Wie das funktioniert, weiß die Berchtesgadener Gemeindereferentin Birgit Hauber.


Die Weihnachtszeit lockt üblicherweise mehr Talkesselbewohner in die Kirchen, als es sonst der Fall ist. Dessen sind sich auch die Verantwortlichen des Stiftslands Berchtesgaden bewusst. Im Hinblick auf die derzeitige Corona-Situation ist dies jedoch nicht nur erfreulich, sondern bringt Probleme mit sich. So entstand im Oktober die Idee, Platzkarten auszugeben.

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»Jemand sagte während einer Besprechung des Kindergottesdienst-Teams »Platzkarten«, und da fing es in meinem Hirn zu rattern an«, berichtet Birgit Hauber. Sie ist seit 1988 Gemeindereferentin in Berchtesgaden. So begann das Stiftsland-Team, das System zu entwickeln.

Der Sinn dahinter ist, vor den jeweiligen Gottesdiensten die Anzahl der Besucher zu wissen und so Diskussionen zu vermeiden – denn aufgrund der Abstandsregeln ist nur ein Teil der sonstigen Plätze verfügbar. »Man muss das vorher klären«, betont Hauber. Ins Auge gefasst werden vor allem die Gottesdienste, die »recht voll werden«, wie zum Beispiel die an den Adventssonntagen, Rorate, an den Feiertagen und am Jahresschluss sowie Neujahr.

Das System läuft insgesamt ab dem kommenden Sonntag, voraussichtlich bis 6. Januar. Es wurde bereits im Kirchenanzeiger in der Ausgabe vom Samstag, 21. November, bekannt gegeben. »Die Karten haben wir schon im Pfarrbüro«, informiert die Gemeindereferentin. In Bischofswiesen, Strub und Winkl sind sie nur im Pfarrbüro zu bekommen, in Berchtesgaden unter der Woche im Büro und am Wochenende nach den Gottesdiensten, »entweder beim Ordner oder bei einem pastoralen Mitarbeiter, wenn einer da ist«. In den sonstigen Kirchengemeinden im Talkessel gibt es ebenfalls Informationen beim jeweiligen Pfarrbüro.

Am vergangenen Sonntag hat das Team bereits Karten für die Adventssonntage angeboten. »Eine Karte ist für zwei Personen gültig«, erklärt Hauber und fügt hinzu, dass zum Beispiel in der Stiftskirche vorne links und rechts kurze Bänke stehen. Auf diesen haben aufgrund der Abstandsregeln jeweils nur zwei Menschen Platz. In der Kirche insgesamt sind es in etwa 80 Plätze, so ist es auch in der Kirche St. Andreas. Nicht für jeden Sitz werden vorab Karten verteilt. »Wir haben einen Puffer vorgesehen, falls doch noch der ein oder andere ohne Karte zum Gottesdienst kommt«, so Hauber.

Man dürfe nicht vergessen: Die Ordner, die vor der Kirche die Karten einsammeln, tun dies ehrenamtlich. Daher hofft die Kirchengemeinde, dass es nicht zu unnötigen Diskussionen kommt. Aber wie will die Kirche verhindern, dass am 24. Dezember trotz des Systems Hunderte von Menschen zum Gotteshaus strömen und es zu einem Gedränge kommt? »Einfach, in dem wir das im Vorfeld gut kommunizieren«, sagt Birgit Hauber mit Nachdruck. »Das System sollen alle befolgen. Es kann keiner brauchen, dass es zu Tumulten kommt.« Daher wird diese Regelung auch im Stiftsboten veröffentlicht.

Eine besondere Ausnahme gibt es: Die Kindermetten. Dafür gibt es derzeit noch keine Karten. Die genauen Informationen dazu verteilen zuerst die Schulen direkt an Eltern und Kinder. »Es wäre nämlich unfair, wenn jetzt schon Leute bei uns die Karten kaufen und dann kein Platz mehr für die Kleinen ist.«

Die Messe selbst sieht auch anders aus, als in den Vorjahren. So gibt es aus bekannten Gründen kein Krippenspiel zu sehen. »Wie hätte man das einstudieren sollen?« Man sei froh, dass die Schulen überhaupt offen haben können. Da wolle man die Ansteckung bei so einer Probe dringend vermeiden. Der Gottesdienst dauert dann komplett etwa 15 bis 20 Minuten. Hauber fasst zusammen: »Lied, Gedicht, Weihnachtsgeschichte, fertig.« Die genauen Zeiten und Daten werden den Kindern in den Schulen mitgeteilt.

Zum Aussehen der bunten Karten informiert Birgit Hauber noch: »Auf der Rückseite steht, man soll seine Daten eingeben. Noch gibt es dafür keine offizielle Anordnung vom Gesundheitsamt, aber das haben wir vorsichtshalber schon einmal aufgedruckt.«

Abschließend gibt Birgit Hauber den Gläubigen noch eine wichtige Information: »Die Karten sind kostenlos.« Denn sie dienen dem Schutz der Gesundheit der Kirchenbesucher.

Annabelle Gabriel