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Kampfeswütiger Krieger und Frauenheld

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Der herausragende junge griechische Countertenor Nicholas Spanos, der seit 2009 in Wien lebt, übernimmt die Partie des Cuchulinn. (Fotos: privat)
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Anna Elisabeth Hempel, die 2015 bei den Salzburger Festspielen als Sopransolistin in Schuberts »Lazarus« debütierte, singt die Rolle der Emer.

Anlässlich der konzertanten Uraufführung der Kammeroper »Cuchulinn« von Patrick Pföß am 9. April um 20 Uhr in der Traunsteiner Klosterkirche stellt unsere Zeitung in einer dreiteiligen Serie die zugrunde liegende keltische Sage um die Figur des »Cuchulinn« sowie die Mitwirkenden vor.


So geht die Geschichte weiter: Eines Tages lauschte der siebenjährige Cuchulinn zufällig dem Druiden, der seine Schüler in der Kunst der Vogelflugdeutung unterwies, und erfuhr dabei, dass er als junger Krieger berühmt werden könne, wenn er offiziell die Waffen empfange. Sofort lief er zu seinem Onkel, dem König Conchobar, und verlangte von ihm, dass er ihm die Waffen übergeben solle.

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Der König händigte ihm die Waffen aus. Der Junge bestieg den Streitwagen und fuhr aus der Stadt hinaus, um den vier Grenzen des Königreiches einen Besuch abzustatten, wie es Brauch für einen neuen Krieger war. Dort erschlug er vier feindliche Grenzposten und hängte ihre Köpfe an seinen Wagen. Auf dem Rückweg fing er drei Schwäne und band sie an Seilen am Wagen fest. Auch zwei Hirsche kettete er an seinen Wagen. Als er wieder zur Stadt kam, erschauderten die Bewohner beim Anblick des grausigen Wagens vor dem kampfeswütigen Jungen.

Zur Abkühlung drei Fässer mit kaltem Wasser

Nur mit einer List konnten sie Cuchulinn beruhigen: Sie schickten ihm 40 nackte Mädchen entgegen. Vor Scham getraute sich der neunjährige Junge nicht mehr, aufzublicken. So konnten ihn die Stadtwachen ergreifen. Man steckte ihn in ein Fass mit eiskaltem Wasser, doch dieses zerbarst sofort. Das Wasser im zweiten Fass fing unter seiner Körperhitze sofort zu kochen an und erst das Wasser des dritten Fasses konnte Cuchulinn abkühlen.

Es war in einem fruchtbaren Sommer, da Cuchulinn zum ersten Mal Emer erblickte. Beide verliebten sich ineinander. Doch gab es viele Frauen, die Cuchulinn begehrten. Auch der Vater Emers versuchte, die Liebe zu unterbinden, und arrangierte durch eine List, dass Cuchulinn ins Lande Alba (Schottland) geschickt wurde, um dort durch beim gefürchteten Fechter Domnall weiter in der Kriegskunst ausgebildet zu werden. Vor der Abfahrt tauschten der junge Krieger und Emer Schwüre und Gelöbnisse aus. Doch Cuchulinn brach sie später alle. Bald konnte er von Domnall nichts mehr lernen und zog weiter zur Amazone Scathach. Er wurde in einen Krieg zwischen Scathach und Aife, einer der wildesten Frauenkrieger dieser Zeit, verwickelt. Er besiegte Aife und zeugte mit ihr einen Sohn. Diesen sollte Aife zu gegebener Zeit nach Irland schicken. Seinen Namen sollte er niemand verraten; nur der Stammesring würde ihn als seinen Sohn auszeichnen. Auch sollte er sich durch niemand vom Weg abbringen lassen und keinem den Kampf verweigern.

Die Partie des Cuchulinn singt er erfolgreiche junge griechische Countertenor Nicholas Spanos, der in Wien studiert hat und bereits mehrere Preise erhielt. Seine Stimme und Bühnenpräsenz erhielt in der griechischen und internationalen Presse stets ein sehr positives Echo.

Die Rolle von Cuchulinns Sohn Conlai übernimmt der in Trostberg geborene und in Tacherting aufgewachsene Schauspieler Patrick Brenner. 2015 hatte er sein Debüt am Traunsteiner Chiemgau Theater zu dessen Eröffnung mit dem Stück »Shakespeares sämtliche Werke – leicht gekürzt«. Er ist auch als Regisseur und Theaterpädagoge tätig. Seine Inszenierung von »Rotkäppchen« läuft zurzeit sehr erfolgreich auf der Burghauser Märchenalm.

Als die Frau des Helden, Emer, fungiert die in Rostock geborene Sopranistin Anna Elisabeth Hempel, die seit 2007 im Mozarteum in Salzburg studiert. Seit 2015 wirkt sie regelmäßig solistisch im neu gegründeten BachWerkVokal Salzburg mit. Bei den Salzburger Festspielen, wo sie 2015 mit dem Sopransolo in Schuberts Oratorium »Lazarus« debütierte, singt sie diesen Sommer in Gounods »Faust«. Die Partie von Emers Gegenspielerin, der Elfe Fann, die in der nächsten Folge unserer Serie auftritt, übernimmt die ausdrucksstarke, junge Eggenfelder Altistin Teresa Schnellberger.

Der Salzburger Bariton Benjamin Sattlecker verkörpert die Rolle des Lichtgottes »Lug mac Ethnend«, der eigentliche Vater von Cuchulinn, der durch eine Jungfrauengeburt zur Welt kam. Seine Gesangsausbildung begann er bei den Salzburger Domkapellknaben und -mädchen. Beim Gesangswettbewerb »Prima la musica« erhielt er 2012 den ersten Preis. Seine Leidenschaft gilt dem Kunstlied. Regelmäßig ist er als Solist bei der Salzburger Bachgesellschaft zu hören. Diesen Januar trat er mit dem Jungen Sinfonieorchester Berlin in Mozarts Zauberflöte als »Papageno« auf. Veronika Mergenthal