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Kampfabstimmung um die Spitzenposition

Traunstein. Nun steht es fest: Sepp Hohlweger besetzt auf der Kreistagskandidatenliste von Bündnis  90/Die Grünen den ersten Platz. Bei der Aufstellungsversammlung im Gasthaus Sailer-Keller hatte der Landratskandidat aus Ruhpolding mit dem Wonneberger Bürgermeisterkandidat Alexander Reinmiedl allerdings einen Mitstreiter um den Spitzenplatz. In einer Kampfabstimmung setzte sich Hohlweger aber schließlich mit 53:34 gegen Reinmiedl durch.

Mit 53:34-Stimmen setzte sich Landratskandidat Sepp Hohlweger in einer Kampfabstimmung um den ersten Listenplatz durch.

Eigentlich hätte eine Frau auf Platz eins stehen sollen

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Die Gegenkandidatur von Reinmiedl war aber nicht das einzige Hindernis, das Hohlweger für seinen Spitzenplatz zu überspringen hatte. Da laut Parteistatuten die ungeraden Plätze, und damit auch der Listenplatz eins, Frauen vorbehalten sind, musste zunächst darüber abgestimmt werden, ob man von dieser Praxis abweichen wollte.

In der Diskussion darüber meinte Willi Geistanger, es wäre gut, wenn der Landratskandidat auf Platz eins stehen würde. »Wir Bündnis 90/Die Grünen sind die einzige Partei mit einem Frauenstatut. Das zeichnet uns aus«, widersprach ihm Burgi Mörtl-Körner und fragte: »Warum sollten wir das aufgeben?« Wogegen Marianne Penn meinte, die Partei zeichne aus, dass sie flexibel damit umgehe. Mit Hohlweger an erster Stelle setze man ein klares Signal. Für Margret Winnichner war das Frauenstatut dagegen ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, an dem man festhalten sollte. »Wenn er nicht auf dem ersten Platz steht, schmälert dies keineswegs die Stellung vom Sepp«, war ihre Meinung.

In weiteren Beiträgen wurde angeführt, dass der Landratskandidat und die Kreistagskandidatenliste nichts miteinander zu tun hätten. Der Landratskandidat bekäme auf Platz zwei noch genug Häufelstimmen. Eine andere Meinung war, dass es die Wähler nicht verstehen würden, wenn der Landratskandidat nicht an erster Stelle stehe. Dies sei schlecht für die Außenwirkung. Der Antrag für Hohlweger den vordersten Listenplatz freizumachen ging schließlich mit 14:12 Stimmen knapp durch. Als einige die Gültigkeit des Wahlgangs bezweifelten, weil die meisten Delegierten vergessen hatten, die Wahlgangsnummer auf den Stimmzettel zu schreiben und damit ihre Stimmen ungültig waren, drohte Uli Genghammer sogar erbost, die Versammlungsleitung niederzulegen.

Wahlgänge zogen sich über mehrere Stunden

Im weiteren Verlauf des Wahlmarathons, der mit über 30 Abstimmungen bis weit nach Mitternacht dauerte, wurden nur die Kandidaten für die ersten 20 Listenplätze in Einzelabstimmung festgelegt. Im Folgenden die Reihenfolge der ersten Zehn: 1. Landratskandidat Sepp Hohlweger (Ruhpolding), 2. Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner (Traunstein), 3. Bürgermeisterkandidat Alexander Reinmiedl (Wonneberg), 4. MdL Gisela Sengl (Sondermoning), 5. Kreisrat und Bürgermeisterkandidat Willi Geistanger (Siegsdorf), 6. Stadträtin Marianne Penn (Trostberg), 7. Pfarrer Andreas Herden (Trostberg), 8. Margret Winnichner (Übersee), 9. Bürgermeisterkandidat Sebastian Heller (Chieming) und 10. Marlies Neuhierl-Huber (Siegsdorf).

Genghammer freute sich, dass sich wieder so viele Kandidaten zur Verfügung gestellt haben, »mit allen Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen«. »Es braucht Mut zu kandidieren, aber auch zu verlieren«, betonte er. Die packendste Bewerbungsrede hielt Andreas Herden aus Trostberg, der Abteilungsleiter Migrationsdienste der Inneren Mission München ist. Er hatte bis kurz vor der Aufstellungsversammlung entscheidend mitgewirkt, die Situation von jugendlichen Flüchtlingen, die unbegleitet in Bayern gestrandet sind, entscheidend zu verbessern. Seine engagierte Rede verhalf ihm nach einer mit 54 zu 20 Stimmen gewonnen Stichwahl auf den begehrten siebten Listenplatz.

Über die Listenplätze 21 bis 70 wird die Kreisvorstandschaft in den kommenden Wochen einen Vorschlag erarbeiten. Die endgültige Abstimmung über die gesamte Liste erfolgt am 10. Januar in einer eigenen Aufstellungsversammlung. Bjr