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Kammerspiele: Der Shakespeare-Jugendclub am Salzburger Landestheater

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Rapheala Kordovsky (von links), Anna Astner, Felix Lichtmannegger und Caspar Schulenburg überzeugten in ihren Rollen. (Foto: Janoschka)

»Der Spiegel lügt«, diese erste Zeile aus dem Sonett XXII von Shakespeare hat den Titel für den szenischen Ausflug in die Welt des elisabethanischen Theaters des Shakespeare-Jugendclubs bei den Kammerspielen am Salzburger Landestheater abgegeben.


In einer collagenartigen Zusammenstellung verschiedener Shakespeare-Texte widmeten sich die 15 jugendlichen Darsteller der schillernden Welt und den poetischen Texten des großen Dichters. Sonette, Bühnenkampf, Liebeserklärungen und Verwechslungsmomente – all dies brachte die junge Shakespeare-Company mit Esprit und Verve auf die Bühne. Im Zentrum standen Ausschnitte aus »Troilus und Cressida«, »Wie es euch gefällt« und »Was ihr wollt«. Um die Helden spann sich ein Netz zwischen Treue, Verrat, einem Rausch der Hormone und dem Sinn der Macht und des Lebens – den großen Grundthemen Shakespeares.

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Bei einem Casting hatten sich 15 Bewerberinnen und Bewerber zwischen 13 Jahren und dem jungen Erwachsenenalter durchgesetzt, die bereit waren, in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen und authentisch, mit Mimik, Gestik, Körpersprache und vor allem einer differenzierten Stimmgebung Gestalten zum Leben zu erwecken, die zwar einstmals von dem Genie Shakespeare erdacht wurden, die aber wegen ihres universellen Menschseins auch sehr gut in die heutige Zeit passten.

Da standen junge Menschen auf der Bühne wie Raphaela Kordovsky, die die Worte der wahnsinnigen Seherin Kassandra aus dem selten gespielten »Troilus und Cressida« wahrhaft überzeugend-hysterisch hinausschrie. Oder Anna Astner mit ihrem komödiantischen Talent, mit dem sie Olivia in »Was ihr wollt« oder ihren Part im Prolog spielte. Leander Seißler gab ebenso den Troilus ab, wie in anderen Szenen Julian Kroske und Caspar Schulenburg, der mit seinem komödiantischen Charme nicht geizte, als er den Stimmen der zwei Geister in seiner Brust, die im Sonett 144 sehr poetisch als Mann und Frau mit entsprechenden Eigenschaften dargestellt werden, zwei Handpuppen verlieh.

Alle Darsteller erzeugten mit der Deklamation ihrer Sonette jeweils eine besondere Stimmung, die bei jedem Auftritt aufs neue staunen machte. »Wir alle sind Shakespeare«, hatten die jungen Schauspieler ihren Prolog begonnen. »Vielleicht ist alles nur Fassade«, warnten sie augenzwinkernd am Schluss des Prologs und rückten damit ihr Schauspielen ins Reich der Metaphern und Symbole. Eine weitere Aufführung gibt es heute, Dienstag, um 11 Uhr. Brigitte Janoschka