weather-image

Kammermusik zu viert, zu fünft, zu acht

0.0
0.0
Bildtext einblenden

Das österreichische Acies Quartett, das russische Atrium Quartett und der russische Pianist Jascha Nemtsov spielen Werke von Anton Webern, Felix Mendelssohn Bartholdy und – eine Traunsteiner Erstaufführung – Musik vom Porträtkomponisten Mieczyslaw Weinberg. Der Abend beginnt mit Weberns »Langsamer Satz für Streichquartett« (1905). Es ist eine Musik, die sich ganz in der Tradition der spätromantischen Schaffensperiode seines Lehrers Arnold Schönberg bewegt (wie z. B. in dessen »Verklärte Nacht«) – bezeichnend sind die klassische Anlage als Sonatensatz, die der Tonalität verpflichtete Harmonik sowie die wuchernde »Fülle des Wohllauts«. Der Adagio-Satz ist also weit entfernt von Weberns späteren, auf deutliche Kürze und Verdichtung reduzierte Kammermusikwerke, die ihn dann als Vertreter der Neuen Wiener Schule ausweisen.


Es schließt sich ein weiteres Frühwerk an – allgemein anerkannt und beliebt als absoluter Geniestreich: das Streichoktett op. 20 des 16-jährigen Felix Mendelssohn. Diesen einfallsreichen, in spritzige Töne gesetzten Geisterspuk hat sein damaliger Lehrer Carl Friedrich Zelter in aller Nüchternheit seinem Freund Goethe angekündigt: »Mein Felix fährt fort und ist fleißig, er hat so eben ein Octett für acht obligate Instrumente vollendet das Hand und Fuß hat.« Eine gönnerhaft dahingesagte, allerdings grobe Fehleinschätzung: »Hand und Fuß«, d. h. recht solide – ein größeres Qualitätsmerkmal wollte der knapp 70-jährige musikalische Autodidakt Zelter der genialen Komposition nicht beimessen.

Anzeige

Mendelssohn hat sich erst sieben Jahre später zur Publikation des 1825 entstandenen Werkes entschlossen. »Es ist mir nämlich eingefallen, daß das Octett und das Quintett [Streichquintett op. 18] recht gut in meinen Werken figurieren könnten und sogar besser sind als manches Andere, was schon darin figurirt.« Einer Bemerkung im Autograph zufolge trägt das Oktett geradezu symphonische Züge: »Dieses Octett muß von allen Instrumenten im Style eines symphonischen Orchesters gespielt werden. Pianos und Fortes müssen genau eingehalten und schärfer betont werden als gewöhnlich in Werken dieses Charakters.« Das Acies Quartett und das Atrium Quartett werden die gewünschte Spielanweisung zu beherzigen wissen.

Mit dem Klavierquintett (1944) von Mieczyslaw Weinberg beginnt die Reihe der sechs Kammermusikwerke, die die Traunsteiner Sommerkonzerte für die »Weinberg-Woche« ausgesucht haben. Man darf davon ausgehen, dass Weinberg durch die neue Bekanntschaft mit Schostakowitsch 1943 von dessen Klavierquintett aus dem Jahr 1940 zu dieser Gattung angeregt wurde. Allerdings hat sich der 13 Jahre jüngere Weinberg dann ganz eigenständig darin bewegt. Jascha Nemtsov, russischer Pianist und Musikwissenschaftler, ist großer Weinberg-Kenner und führt mit seinen jungen Landsleuten aus dem Atrium Quartett heute Abend in die Musiksprache des noch weitgehend unbekannten Mieczyslaw Weinberg ein.

Karten in der Touristinformation und an der Abendkasse Imke von Keisenberg

Anzeige