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Jugendhilfe: Kosten steigen weiter

Traunstein. Der Kreisjugendhilfeausschuss verabschiedete gestern einmütig die Budgetanforderung an den Haushaltsausschuss und den Kreistag mit einem Volumen von fast 17,09 Millionen Euro. Personalkosten sind darin nicht erfasst. Nach Abzug der Einnahmen mit gut 1,78 Millionen Euro geht es um einen Finanzbedarf von knapp 15,31 Millionen Euro aus Kreismitteln – netto 861 500 Euro mehr als im Etatansatz für dieses Jahr.

861 500 Euro mehr muss der Landkreis im nächsten Jahr für die Jugendhilfe in die Hand nehmen – so sieht zumindest die Budgetanforderung aus, die der Jugendhilfeausschuss nun verabschiedet hat.

Viele Gründe stehen hinter den stetig steigenden Kosten in der Jugendhilfe, darunter neue Gesetze, mehr Fachkräfte, rasches und intensiveres Eingreifen der Behörden, Veränderungen in der Gesellschaft, steigende Fallzahlen und mehr psychische Erkrankungen bei jungen Menschen.

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Flüchtlingswelle betrifft auch Kreisjugendamt

Insgesamt habe sich die Kinder- und Jugendhilfe hinsichtlich Qualität und Quantität in den vergangenen Jahren sehr verändert. Das betonte Franz Feil, Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familie, gestern in der Sitzung unter Leitung von Vize-Landrat Josef Konhäuser. Wie schwierig eine Prognose für das kommende Jahr sei, erläuterte Feil anhand eines Beispiels aus den Landkreisen Ansbach und Donau-Ries: »Beide Kreise mussten von heute auf morgen 40 Kinder einer Sekte in Pflegefamilien und Heimen unterbringen.« Bei einem Tagessatz von 150 Euro je Kind würde das für die 40 Kinder eine Mehrbelastung von 180 000 Euro pro Monat oder 2,1 Millionen Euro im Jahr nach sich ziehen.

Auch im Landkreis Traunstein habe es in der Vergangenheit mehrmals Fälle gegeben, in denen für sechs oder sieben Kinder einer Familie Maßnahmen nötig wurden – bis hin zur stationären Unterbringung aller Kinder. Auch die aktuelle Flüchtlingswelle schlage sich auf die Arbeit des Kreisjugendamts nieder. Der Landkreis müsse damit rechnen, »unbegleitete minderjährige Flüchtlinge« zugewiesen zu bekommen. Nach derzeitigem Stand müsse der Landkreis im nächsten Jahr 29, im Folgejahr 37 Jugendliche aufnehmen. Unter 16-Jährige seien dabei noch nicht mitgezählt.

Die Jugendsiedlung Traunreut richtet nach Feil schon zwölf Plätze her und könnte sie ab Januar 2014 belegen. Diese Unterbringungskosten erstatte der Freistaat, die Personalkosten für die Vormünder und die pädagogische Betreuung trage jedoch der Kreis. Dazu sei für 15 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eine Vollzeitstelle erforderlich.

Auf viele Details der Budget-anforderung ging Feil ein. Die Jugendsozialarbeit an Schulen laufe ab 2014 voraussichtlich an 14 Schulen – zehn Mittelschulen, einer Förderschule und an zwei Berufsschulen. Für die Förderschule Traunreut habe man kürzlich die Genehmigung erhalten. Der Haushaltsansatz müsse von 320 000 Euro in 2013 um 80 000 Euro auf 400 000 Euro erhöht werden.

Die heuer vom Kreistag beschlossene »Regionalisierung der ambulanten Hilfen« solle ab 1. Januar 2014 umgesetzt werden. Der Landkreis werde dazu analog der Sozialräume für die Familienstützpunkte in sechs Sozialräume eingeteilt. In jedem Sozialraum werden nach Worten des Jugendamtschefs zwei bis drei freie Träger für die Durchführung der ambulanten Hilfen tätig sein. Für die Familienstützpunkte habe man den Ansatz von 75 000 Euro in diesem Jahr angehoben auf 90 000 Euro.

2013 sei die kontinuierlich seit 2005 in die Höhe gegangene Zahl der Heimunterbringungen erstmals wieder gesunken. Nach jetzigem Stand liege die Zahl der Betroffenen bei 71 jungen Menschen gegenüber 84 im Jahr 2012. Von einer Trendumkehr könne man aber noch nicht sprechen, da es in den letzten Monaten wieder mehr Fälle gab. Den Etatansatz habe er bei 3,4 Millionen Euro wie im Vorjahr belassen, betonte Feil.

Bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte oder davon bedrohte Kinder ab dem Schulalter seien steigende Fallzahlen im teilstationären Bereich zu registrieren. Die Zahlen würden weiter in die Höhe gehen – wegen der Einrichtung einer neuen sozialpädagogischen Tagesstätte in Trostberg und der erst seit kurzem bestehenden Heilpädagogischen Tagesstätte des HPZ Ruhpolding. Mit Mehrausgaben von 300 000 Euro sei zu rechnen.

Kreisjugendring möchte höheren Zuschuss

Der Jugendamtsleiter informierte über die Forderung des Kreisjugendrings Traunstein nach einem höheren Jahreszuschuss – statt 185 000 Euro jetzt 200 000 Euro. Die Mehrkosten würden begründet mit einem Vollzeit-Geschäftsführer anstelle der bisherigen ehrenamtlichen Leitung. Wie viel der Kreisjugendring letztlich erhält, ist Sache von Haushaltsausschuss beziehungsweise Kreistag. Suchtprävention war ein weiteres Kapitel in Feils Ausführungen. Entsprechende Maßnahmen habe man bei »Chiemsee rockt« ebenso verwirklicht wie bei Kursen für polizei- oder gerichtsauffällige Jugendliche, bei Aktionen an vielen Schulen, Elternkursen und vielem mehr. Auch 2014 sollten die Aktivitäten intensiv fortgesetzt werden. Alter und seit 1. Januar 2014 neuer Betreiber der Erziehungsberatungsstelle sei das Caritas-Zentrum Traunstein.

Wie der Landkreis die Jugendhilfekosten steuern und stoppen kann, auch dazu lieferte Feil Vorschläge und erste Fakten. Vieles allerdings wie die Fallzahlen sei nicht steuerbar. Sein Fazit: Hilfen sollten noch schneller und effektiver erfolgen, um stationäre Unterbringungen nach Möglichkeit zu vermeiden. Die kurze Diskussion galt zumeist diesem Ziel. kd