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John Crankos Ballett «Onegin» in Hamburg gefeiert

Hamburg (dpa) - Als Tatjana Onegin das erste Mal erblickt, rennt sie davon in die Arme ihrer Amme: So als wüsste sie bereits, welches Schicksal sie mit diesem Mann erleiden muss.

'Onegin'
Die Tänzer Silvia Azzoni und Alexandre Riabko auf der Fotoprobe des Balletts "Onegin". Foto: Markus Scholz Foto: dpa

Augenblicklich hat sich das scheue Mädchen in den stattlichen jungen Mann verliebt. Doch der hochmütige Onegin, gelangweilter Städter und zukünftiger Erbe eines reichen Landgutes, lässt die junge Frau links liegen und weist ihre Liebe von sich. Jahre später wird er diesen Schritt zutiefst bedauern, doch dann ist es bereits zu spät.

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Zum 40. Jubiläum des Hamburg Balletts hat am Sonntagabend John Crankos Ballett «Onegin» eine umjubelte Premiere an der Hamburger Staatsoper gefeiert. In dem Klassiker des Handlungsballetts nach dem 1830 erschienenen Versroman «Eugen Onegin» von Alexander Puschkin überzeugten Alexandre Riabko und Silvia Azzoni als unglückliches Liebespaar. Mit dem 1965 uraufgeführten Ballett will Ballettintendant John Neumeier an seine Anfangszeit als Tänzer im Stuttgarter Ensemble von John Cranko (1927-1973) erinnern. «Wegen Cranko bin ich überhaupt nach Deutschland gegangen», sagte der gebürtige Amerikaner nach der Premiere. Die Choreographie für die Hamburger Neuproduktion haben Jane Bourne und Tamas Detrich einstudiert.

John Cranko begann 1962 in Stuttgart mit «Romeo und Julia», bei der Uraufführung von «Onegin» 1965 tanzten Marcia Haydée und Ray Barra die Hauptrollen. Seine Choregrafien trugen maßgeblich zum «Deutschen Ballettwunder» bei, das 1969 mit einem Gastspiel von «Onegin» an der Metropolitan Opera in New York begann. Geschichten nuanciert zu erzählen, seine klaren dramatischen Strukturen und die gefühlvollen Pas de deux eroberten das Publikum. «Onegin» wurde eines der erfolgreichsten Handlungsballette überhaupt und von Compagnien weltweit mehr als 500 Mal aufgeführt.

Bei Cranko hat die tänzerische Bewegung «allein der Wahrheit zu dienen». Bei ihm sind Tatjana und Onegin keine Marionetten, sondern echte Menschen mit leidenschaftlichen Gefühlen. Besonders deutlich wird dies im Vergleich der Ensemble-Szenen mit den Pas de deux und Soli. Überwiegt bei den Ensemble-Szenen (Bauerntänze, Bürgerfest und Ballsaal des Fürsten) noch das klassische Repertoire, wird dieses in den stillen Momenten der Protagonisten durchbrochen: So wirbelt Onegin Tatjana in der Traumszene durch die Luft, tanzt sich Lenksi (Thiago Bordin) vor dem Duell seine Verzweiflung von der Seele und legt sich Onegin im letzten Pas de deux Tatjana zu Füßen.

«John Crankos Art, den literarischen Stoff in Tanz zu verwandeln, hat mich tief geprägt. Noch heute ist Crankos klare und verständliche Sprache für mich beispielhaft», sagt Neumeier. Viele seiner Handlungsballette der Anfangszeit in Hamburg zeigen eine ähnliche choreografische Handschrift, etwa «Romeo und Julia», «Illusionen - wie Schwanensee» und «Die Kameliendame», für die ebenfalls Jürgen Rose das Bühnenbild und die Kostüme entwarf. Ein Wiedersehen mit diesen Klassikern wird es während der Jubiläums-Spielzeit und der Jubiläumsballett-Tage vom 9. bis 30. Juni 2013 geben - und so einen Vergleich mit Neumeiers späteren Werken wie «Nijinsky», «Tod in Venedig» oder «Die kleine Meerjungfrau» ermöglichen.

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