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Johann Bohnert wurde in den Ruhestand verabschiedet

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Johann Bohnert (Zweiter von links) wurde als Leiter der Traunreuter Polizei verabschiedet. Sein Nachfolger ist Alfred Fiedler (Zweiter von rechts). Es gratulierten Hubertus Andrä (links), Polizeipräsident in München und früherer Chef des scheidenden Leiters, und Polizeipräsident Robert Kopp. (Foto: P. Mix)

Traunreut – Die Polizeistation Traunreut ist unter neuer Führung: Der bisherige Dienststellenleiter Johann Bohnert wurde in einer kleinen Feierstunde am Freitag in den wohl verdienten Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger, Alfred Fiedler, wurde zeitlich ins Amt eingeführt.


Johann Bohnert stand der Traunreuter Polizeistation, die nach seinen Worten zu den am höchsten belasteten Dienststellen in Oberbayern Süd gehört, annähernd 14 Jahre vor. Dies tat er, wie er in seiner Abschiedsrede betonte, zu jeder Zeit sehr gern. Seine Entscheidung vor 40 Jahren, zur Polizei zu gehen, sei goldrichtig gewesen. Traunreut als größte Stadt im Landkreis habe immer wieder mit einem schlechten Image zu kämpfen, »was in meinen Augen meistens nicht begründet ist«. Der hohe Ausländeranteil und die Tatsache, dass die meisten Asylbewerber des Landkreises hier sind, sowie der Ballungscharakter aufgrund der Größe der Stadt führten immer wieder zu polizeilichen Einsätzen.

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»Einsätze vorbildlich und professionell erledigt«

Besonders berührt hätten ihn in all den Jahren der Felssturz in Stein und der Doppelmord im vergangenen Jahr. Aber es habe auch viele positive Erlebnisse gegeben, die Zusammenarbeit mit den Behörden und Rettungsdiensten habe auf eine vertrauensvolle und offene Art stets gut funktioniert. Ein besonderes Lob hatte Bohnert für seine Kollegen: »Ihr habt alle Einsätze vorbildlich und professionell erledigt.« Dies sei umso mehr beachtenswert, da die Station jahrelang an der Kapazitätsgrenze gearbeitet habe und dringend mehr Personal brauche. Auch das beengte Dienstgebäude sei nicht unbedingt von Vorteil. Umso wichtiger erachte er es, dass der Neubau an der Porschestraße mit Nachdruck vorangetrieben wird.

Auf diese beiden Punkte ging der Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp, ein. Er gab bekannt, dass ab 1. Januar 2019 der Dienstbereich Traunreut um die Gemeinde Palling erweitert wird. Das Personal werde aufgestockt und ab März gebe es einen Polizeijugendbeamten in Traunreut, um Prävention quasi »von Kindesbeinen an« betreiben zu können. Für den Neubau gebe es noch in diesem Jahr ein erstes Gespräch mit dem Architekten und in der ersten Hälfte des kommenden Jahres sollte die Planung erfolgen.

Als Pressesprecher in Traunstein tätig gewesen

Der Polizeipräsident ging auch auf den Werdegang des scheidenden Dienststellenleiters ein. Johann Bohnert war zunächst bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei im mittleren Dienst in der Inspektion Berchtesgaden und kam nach dem Studium an der Beamtenfachhochschule zur Polizeidirektion Traunstein, wo er als Führungsbeamter und Pressesprecher tätig war. Als Leiter der Polizeistation Traunreut seit 2005 war er laut Kopp »für die Gewährleistung der Sicherheit in der einwohnerstärksten Stadt verantwortlich«. Neben seinem Dienst habe sich Johann Bohnert auch persönlich engagiert, »dafür gebührt ihm der Dank der Bevölkerung«. Er ist ehrenamtlicher Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Traunstein und als Gemeinderat in der Pallinger Kommunalpolitik tätig.

Sein Nachfolger Alfred Fiedler ist seit August 2017 in der Traunreuter Polizeistation und hat die Leitung schon seit acht Monaten kommissarisch inne. Er wohnt in Seeon und kennt von daher »Land und Leute« sowie auch die Besonderheiten der Station in Traunreut, so Kopp weiter. Polizeihauptkommissar Alfred Fiedler geht nach eigenen Angaben mit großer Freude an die Aufgabe als Leiter der Polizeistation Traunreut heran. An seine Mitarbeiter gerichtet, betonte er: »Nur als gemeinsam agierendes Team können wir die Aufgaben bewältigen und professionelle Polizeiarbeit leisten.«

Der Personalratsvorsitzende des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Wolfgang Ligotzky, griff ebenfalls die Personalsituation der bayerischen Polizei auf. Bis zum Jahr 2023 sollen 3500 neue Stellen geschaffen werden. Laut Ligotzky sind das aber noch immer zu wenig: »Insgesamt fehlen 7000 Leute. Wenn das Programm nach 2023 weitergeführt wird, bis diese Zahl erreicht ist, hätten wir endlich, was wir brauchen, um unsere Aufgaben bewältigen zu können«.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte. Der Personalratsvorsitzende führte aus, dass es im vergangenen Jahr 7334 Fälle davon gegeben hat, bei denen 16 528 Polizeibeamte betroffen waren. Bei 40 000 Beamten insgesamt sei somit fast jeder Zweite in so einen Fall involviert gewesen. »Wir erwarten uns hier Rückhalt von der Politik«, erklärte Wolfgang Ligotzky und sprach dabei auch Landtagspräsident a. D. Alois Glück an, der unter den Festgästen weilte. Dieser war maßgeblich daran beteiligt, dass 1998 die Polizeiinspektion Trostberg durch die Polizeistation Traunreut ergänzt wurde. Zunächst gab es hier nur eingeschränkten Dienst, der aber bald auf 24 Stunden ausgeweitet wurde.

Zur Untermalung der Amtseinführung und Verabschiedung spielte das Klarinettenquartett des Polizeiorchesters Bayern unter der Leitung von Dr. Robert Erdt. mix

 

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