Jennerbahn-Vorstand: Schockiert über Unglück

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Zentimeterdick ist das Stahlseil. Hier: Während des Baus der neuen Jennerbahn. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Franz Moderegger, Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG und somit zuständig für die Jennerbahn, ist schockiert: »Das Seilbahnunglück in Italien ist unvorstellbar«, sagt er am Telefon. Moderegger weiß aber: Die beiden Bahnen unterscheiden sich in wesentlichen Punkten. Erst am Freitag war die Jennerbahn in die Saison gestartet.


Die verunglückte Seilbahn am Lago Maggiore sei eine Pendelbahn, sagt Moderegger. Die Kabinen werden dabei auf einem Tragseil geführt und über ein Zugseil fortbewegt. Jenes Zugseil sei gerissen. Im Normalfall greift dann, im Laufwerk an der Gondel, ein hydraulisches Bremssystem. Auch dieses versagte. Die Gondel raste talwärts und stürzte an der Stütze ab. Dies alles sei eine »Verkettung unglücklicher Umstände« gewesen, schlussfolgert Franz Moderegger.

Die Jennerbahn sei eine Einseilumlaufbahn. Die Kabinen sind über spezielle Sicherheitsklemmen am Seil befestigt. »Sie sind mehrfach abgesichert und werden in einem regelmäßigen Intervall überprüft und dokumentiert«, so der Bergbahnen-Vorstand.

Hinzu kommt: »Wir lassen regelmäßig Sichtprüfungen und elektronische Untersuchungen am Seil durchführen.« Ein Bahnexperte steht dann an der Umkehrrolle, überprüft das mehrere Zentimeter dicke Führungsseil, das wiederum aus unzähligen dünnen Drähten gefertigt ist. Die elektronische Überprüfung käme einer Röntgenuntersuchung gleich: »Dabei schauen wir in das Seil hinein, können feststellen, ob Brüche vorliegen.«

In einem Betriebsbuch werden alle periodisch stattfindenden Untersuchungen vermerkt. Die Kontrollen der Seile gehören für die Berchtesgadener Bergbahn AG mit zum Wichtigsten überhaupt: Sicherheit gehe im Bahnbetrieb über alles. In der EU sind die Schutzmaßnahmen für Bahnbetreiber strikt, ein jeder unterliege strengsten Kontrollen. Ein »einfaches Reißen eines Seils« bei einer Einseilumlaufbahn hält Moderegger für ausgeschlossen.

Die Jennerbahn, die auf den 1 800 Meter hohen Hausberg des Tourismusortes Schönau am Königssee führt, hatte erst 2017/18 ein neues Seil erhalten. Anfang des Frühjahrs rückte eine Spezialfirma an, kürzte das Seil. Dieses wurde an jedem Seilende über eine Länge von 50 Metern aufgetrennt und neu verspleißt. »Im Laufe der Zeit dehnt sich ein Seil durch Belastung aus«, weiß Franz Moderegger. Das Kürzen sei ein gewöhnlicher, aber notwendiger Vorgang. Denn: Die Sicherheit für Besucher stehe an erster Stelle.

Dass das Unglück mit 14 Toten nun ein Schlaglicht auf Bergbahnen werfen könnte, davon geht man in Schönau am Königssee nicht aus. Am Jenner erwartet sich Moderegger einen guten Sommer. »Sobald das Wetter besser wird, sollten auch die Gäste kommen«, prophezeit er.

Bei der Jennerbahn sind Zehner-Gondeln im Einsatz. Die Kapazität liegt bei rund 1600 Personen pro Stunde. In der ersten Sommer- und Wintersaison 2019/2020 konnte die Jennerbahn 265.000 Fahrgäste verzeichnen – für die Schönauer das erfolgreichste Jahr in der Geschichte.

Kilian Pfeiffer