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Jeder fährt mit dem Auto – aber keiner will den Verkehr vor seiner Tür

Traunstein. Die zunehmende Verkehrsbelastung auf den Straßen in und um Traunstein war auch in der zweiten Bürgerversammlung am Mittwochabend im Gasthaus Sailer-Keller ein zentrales Thema. Immer mehr Anwohner stark befahrener Straßen klagen über immer mehr Lärm und Abgase. Sie fordern Lärmschutzmaßnahmen und Geschwindigkeitsbeschränkungen. In der Regel bestehen dafür aber nicht die rechtlichen Voraussetzungen.

Bereits in der Bürgerversammlung am Montag hatten Anwohner der Salzburger Straße darüber geklagt, dass seit Fertigstellung der Nordumfahrung die Belastung in ihrem Bereich stark zugenommen habe (wir berichteten ausführlich). Im Sailer-Keller trugen nun Anwohner der Daxerau, der Wolkersdorfer Straße und des sogenannten Empfinger Hohlweges ähnliche Klagen vor.

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In der Daxerau wurde die Geschwindigkeit auf der Blaue-Wand-Straße erst vor kurzem durchgehend auf Tempo 70 begrenzt. Im Bereich der Einmündung der Südspange warnt zusätzlich ein auffällig beleuchtetes Schild vor der gefährlichen Einmündung der Südspange. »Man kennt aber eigentlich keine Besserung«, kritisierte eine Anwohnerin. Und: »Wir können kein Fenster mehr aufmachen«. Das Ausfahren auf die Blaue-Wand-Straße vom Schwimmbad her sei oft nur nach langer Wartezeit möglich. Ebenso wie auf der Salzburger Straße wünschen sich die Anlieger eine Lärmschutzwand.

Eine solche werden sie aber weder hier noch dort bekommen, weil die rechtlichen Voraussetzungen dafür fehlen. Diese besagen, so Oberbürgermeister Manfred Kösterke, dass nur dort Lärmschutzwände finanziert werden, wo auch Straßen neu gebaut wurden. Das war zum Beispiel zwischen Tunnel und der Einmündung Salinenstraße der Fall, wo eine dritte Fahrspur gebaut wurde. Deshalb konnte die Stadt dort auch auf den Bau der Lärmschutzwand pochen. Weder an der Salzburger Straße noch in der Daxerau gebe es derartige Voraussetzungen. »Ich kann die Anliegen verstehen, aber keine Abhilfe versprechen«, bedauerte der Oberbürgermeister. Er warb für eine »Politik der kleinen Schritte«, die im Fall Daxerau mit der Beschränkung auf Tempo 70 erste Erfolge gezeigt habe. Nun strebe man an, ein solches Tempolimit auch auf der Salzburger Straße zu erreichen. Andrea Hüller hatte alternativ zu einer Lärmschutzwand zumindest eine Bepflanzung in diesem Bereich angeregt.

Hans Kainz beklagte, die Wolkersdorfer Straße sei zu einer reinen Rennstrecke geworden. Deshalb sollte man die Geschwindigkeit bis zur Einmündung in die Wasserburger Straße auf 30 km/h beschränken. Dazu musste er sich sagen lassen, dass es sich um eine sogenannte Haupterschließungsstraße handelt und deshalb ein solches Tempolimit »rechtlich unhaltbar« ist.

Auch andere Anliegen von Hans Kainz stießen auf wenig Zustimmung. Eine Verlegung des Fußgängerüberweges an der Wasserburger Straße 50 Meter bergauf Richtung Herzog-Wilhelm-Straße brächte nur Nachteile für die Autofahrer, weil die Abbiegespur wegfiele. Die relativ langen Wartezeiten für Fußgänger an der Bedarfsampel beim Gefängnis begründete der Oberbürgermeister damit, dass der Verkehrsfluss berücksichtigt werden müsse; schließlich sei die Rosenheimer Straße eine Staatsstraße.

Weitere Themen betrafen die Sporthallen in Traunstein. Der 3. Vorsitzende des SBC Traunstein, Armin Brunner, würdigte das Entgegenkommen der Stadt, welche ihre Hallen kostenlos den Vereinen überlässt und zwei Drittel der Gebühren für die Nutzung der Hallen des Landkreises trägt. Oberbürgermeister Kösterke verdeutlichte, dass es sich dabei jährlich um einen hohen fünfstelligen Betrag handle. Ärgerlich sei, dass es Vereine gebe, welche die Hallen in den ihnen zugewiesenen Zeiten nicht nutzen, sie in dieser Zeit aber auch nicht anderen Vereinen zur Verfügung stellen.

Gedulden muss sich auch noch der TV Traunstein, der sich gerne an der geplanten neuen Sporthalle des Landkreises für das Annette-Kolb-Gymnasium beteiligen will. Erika Reidl wollte wissen, ob sie den Bau dieser Halle noch erleben werde. Laut der Prioritätenliste des Landkreises kommen nach Angaben des Oberbürgermeisters zuvor noch einige andere Schulprojekte an die Reihe.

Im ersten Teil der Bürgerversammlung hielt Manfred Kösterke einen eineinviertelstündigen Streifzug durch die Stadtpolitik. Die neueste Information dabei war, dass der Landkreis für 2014 offenbar keine Erhöhung der Kreisumlage plane. Das hieße, dass die Stadt nächstes Jahr 10,5 Millionen Euro Umlage an den Landkreis zahlen muss. -K.O.-