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Aktionstag für Mittelschüler zum Thema Datensicherheit im Traunreuter Jugendzentrum

»Jeder eurer Schritte wird verfolgt«

Traunreut – Smartphones und Soziale Medien nutzt heutzutage beinahe jeder, Schüler sowieso. Sie genießen die Vorteile, sich mit ihren Freunden zu vernetzen, Fotos und Nachrichten zu teilen. Genau da setzt die Themenwoche des Netzwerks Medienfachberatung Bayern an: Unter dem Motto »Big Dates vor Big Data« wird in verschiedenen Aktionen darauf hingewiesen, wie unsensibel ein jeder mit seinen Daten umgeht – und was für Folgen das haben kann. Im Jugendzentrum Traunreut führte die Medienfachberatung des Bezirksjugendrings Oberbayern einen Thementag mit dem Schwerpunkt Datensicherheit durch.

Mit Hilfe eines interaktiven Spiels auf Tablets absolvierten die Schüler verschiedene Stationen im Juz, bei denen sie zum Beispiel Fragen über sichere Passwörter, Messenger und Soziale Medien beantworten mussten.

Aufgrund von Diensten wie Google, WhatsApp und Facebook werde ein jeder Nutzer gläsern, so Danilo Dietsch von der Fachstelle der Medienfachberatung. »Jeder eurer Schritte wird verfolgt, darüber müsst ihr euch bewusst sein«, erklärte er den Schülern der Klasse 8a von der Mittelschule Traunreut. Bei dem Aktionstag erfuhren die Achtklässler, wie Internetdienste von ihren Daten profitieren. »Ihr müsst wissen, dass Anbieter wie Google und Facebook alles aufzeichnen: Wo ihr seid, nach was ihr im Internet sucht und was ihr dort einkauft. Das ermöglicht Auswertungen über euch, die vielleicht gar nicht zutreffen. Aber Google und Co. können damit vor allem herausfinden, wie ihr denkt, und was ihr in Zukunft machen werdet.« Die Schüler erzählten von Apps wie Snapchat und Instagram. »Ich fotografiere sehr viel mit meinem Handy und stelle die Fotos online«, erzählte eine Schülerin. Dass ihr dabei jeder online zusehen kann, darüber mache sie sich keine Gedanken. »Das macht ja jeder so.«

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Tatsächlich könne diese Unwissenheit Folgen haben: »Wenn ihr Bilder öffentlich online stellt, können Internetdienste ganz leicht ein Bewegungsprofil von euch erstellen«, gab Mia Schwarzenböck vom JUZ Traunreut zu bedenken. Große Augen machten die Schüler bei der Demonstration einer Live-Verfolgung: Mit GoogleMaps und öffentlich geposteten Instagram-Bildern ist es heutzutage kinderleicht, jemanden aufzuspüren. »Denkt darüber nach, ob ihr das wollt«, so Mia Schwarzenböck.

Das interaktive Tablet-Spiel »Do not track« verdeutlichte den Schülern Überwachungsstrukturen und gab ihnen Anregungen mit auf den Weg, ihr eigenes Internetnutzungsverhalten zu überdenken, Passwörter sicher zu gestalten und persönliche Daten nicht im Internet zu veröffentlichen. Ein Schüler erzählte, dass er seine Passwörter auf einen Zettel schreibt, den er im Geldbeutel aufbewahrt. »Macht das bitte auf gar keinen Fall«, lautete Dietschs Appell an die Schüler. Ein Passwort besteht idealerweise aus zwölf Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen und sollte oft gewechselt werden: »Idealerweise so oft, wie eure Unterhose.« Der Medienpädagoge empfahl den Schülern für jeden Dienst ein eigenes Passwort. Eine Möglichkeit wäre, einen Satz zu bilden, Leerzeichen wegzulassen und einzelne Buchstaben durch Zahlen zu ersetzen. »So könnt ihr euch die Passwörter besser merken.«

Das Thema Datensicherheit zu vermitteln, sei immens wichtig, aber auch eine große Herausforderung, stellt Danilo Dietsch immer wieder fest. Das habe auch der Projekttag wieder deutlich gezeigt. »Obwohl es jeden betrifft, erscheint es so weit weg von der Realität der Jugendlichen. Man darf nicht mit dem erhobenen Zeigefinger handeln, sondern muss die Thematik den Schülern auf Augenhöhe weitergeben.« fb