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Jazz ist Freiheit

4.5
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Jermaine Landsberger (von links), Roby Lakatos, Joel Locher, Sandro Roy und Meinhard »Obi« Jenne sorgten für ein begeisterndes »Gypsy-Gipfeltreffen«. (Foto: Heel)

Gypsy-Jazz ohne Gitarre! Geht das überhaupt? Es geht. Wie gut, haben die Zuschauer jetzt im gut besuchten Studiotheater des Traunreuter k1 erlebt, wo ein »Gypsy-Gipfeltreffen« stattfand – mit Ergebnissen, von denen Politiker bei ihren Treffen dieser Art nur träumen können. Denn hier gab es nur Gewinner und lachende Gesichter: auf der einen Seite das renommierte »Jermaine Landsberger Trio« mit Landsberger am Klavier, Joel Locher am Kontrabass und Meinhard »Obi« Jenne am Schlagzeug, auf der anderen Seite zwei Geiger der Extraklasse, der noch recht junge Sandro Roy aus Augsburg und der ungarische Altmeister Roby Lakatos.


Die fünf herausragenden Musiker entführten das Publikum zweieinhalb Stunden lang mit unbändiger Spielfreude in die Weiten der ungarischen Puszta, aber auch in das Paris eines Django Reinhardt oder Edith Piaf und sogar zu Henry Mancini (»Two For The Road«).

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Dass das übliche Kern-Instrument des Gypsy-Jazz, die Gitarre, bei dieser Besetzung fehlte, machte dabei den besonderen Reiz des Konzerts aus. Zumal sich Sandro Roy und Roby Lakatos mit seiner speziellen Pizzicato-Technik immer wieder die Bälle zuwarfen und aufeinander eingingen, der eine eher herausfordernd, der andere vergleichsweise abgeklärt, aber beide stets temperamentvoll und technisch auf höchstem Niveau.

Ein virtuoses Wechselspiel, das an Dichte und Schnelligkeit keine Wünsche offenließ, von Tastenvirtuose Landsberger so kraftvoll wie aufmerksam begleitet und perfekt unterstützt von Locher und Jenne, die an ihren Instrumenten nicht nur souverän die Rhythmen lieferten, sondern auch mit spannenden Soli beeindruckten.

So entstand keine Minute Stillstand oder gar Langeweile, es ging rasant swingend von Sandro Roys melancholisch gehaltenem »Souvenir De Paris« über Edith Piafs »La Vie En Rose« bis zu Django Reinhardts »Them There Eyes«, verknüpft mit Ausflügen in die ungarische Puszta-Musik, zu denen Roby Lakatos mit  seinem Stück »Post Phrasing« einlud.

»Souvenir De Paris« lautet auch der Titel des zweiten, ungemein hörenswerten Albums von Sandro Roy, der einer süddeutschen Sinti-Familie entstammt und schon mit 13 Jahren beim bundesweiten Wettbewerb »Jugend musiziert« für Aufsehen sorgte. Was ihn am Jazz so begeistert, hat er einmal so erklärt: »Bei der klassischen Musik ist jeder Bogenstrich vorgegeben und damit perfekt. Beim Jazz ist man selbst Komponist – und deshalb ist Jazz Freiheit.« Wolfgang Schweiger