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Jäger und Waldbesitzer im Dialog

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Die Referenten und Ehrengäste des Abends (v.l.): Franz Schwab, Georg Baumgartner, Andreas Tyroller, Werner Schmölzl, Hans Berger, Alfons Leitenbacher, Matthäus Michlbauer, Matthias Kringer und Andreas Soyter. (Foto: Horn)

Berchtesgadener Land – Es war das erste Mal, dass sich Jäger, Mitglieder von Jagdgenossenschaften, Waldbesitzer sowie Behörden- und Ämtervertreter zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung getroffen haben.


Ausgehend von den gegenseitigen Erwartungen und dem jagdrechtlichen Rahmen sollten anhand positiver Beispiele Wege aufgezeigt und diskutiert werden, wie es im Berchtesgadener Land gelingen kann, ein besseres Verständnis und ein Miteinander von Grundeigentümern, Jagdgenossenschaften und Jägern zu erzielen. »Denn nur so werden wir auf großer Fläche zukunftsfähige Wälder für die kommenden Generationen aufbauen können«, sagte der leitende Forstdirektor des AELF Traunstein, Alfons Leitenbacher.

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Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Traunstein hatte gemeinsam mit der Bauernverbandsgeschäftsstelle und dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften (ARGE) Berchtesgadener Land, Franz Schwab dazu eingeladen. »Unser Ziel muss es sein, einen zukunftsfähigen Wald für die nächsten Generationen aufzubauen«, so das abschließende Fazit nach fast drei Stunden Information und Diskussion. Mit Blick auf die Entwicklung der Abschusszahlen beim Rehwild kein leichtes Unterfangen. Denn gerade das Schalenwild ist hauptverantwortlich für den Verbiss an den jungen Tannentrieben. Und im Landkreis steigt die Zahl jener Reviere, die als »nicht tragbar« eingestuft werden können.

Wie sich die Situation im Landkreis Berchtesgadener Land sowohl von Jäger- als auch Waldbesitzerseite darstellt, das kristallisierte sich aus den einzelnen Vorträgen der Referenten heraus. Kreisobmann Georg Baumgartner führte durch den Abend im gut gefüllten Aufhamer Neuwirtssaal und unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung der Jagd. Er machte aber auch deutlich, das Jagdmanagement gemeinsam in die Hand zu nehmen: »Wenn wir uns nicht einig sind, dann entscheiden andere über unsere Belange.«

Weniger als ein Hektar

ARGE Vorsitzender Franz Schwab erklärte, dass es im Landkreis Berchtesgadener Land rund 40 000 Hektar Waldfläche gibt, davon sind 35 Prozent Privatwald. »55 Prozent der Waldbesitzer davon haben weniger als einen Hektar.« Gerade durch diese Kleinstrukturierung sei es schwierig, einen funktionierenden Schutzwald aufzubauen. »Wir brauchen den Schutzwald, koste es, was es wolle, denn der Klimawandel zwingt uns dazu. Deshalb nehme er die Jagdvorstände in die Pflicht, dass sie die Interessen der Jagdgenossen vertreten. »Der Rehwildbestand muss so weit wie möglich gedrückt werden«, forderte Schwab.

»Der Umgang der Jäger mit Behörden, Verbänden und Interessensgruppen begründet sich auf Respekt, Fachwissen und Toleranz«, hob der Pächter des Gemeinschaftsreviers Bayerisch Gmain, Werner Schmölzl, hervor. »Der Jäger ist ein Dienstleister. Nicht nur für die Grundeigentümer sondern auch für die Gesellschaft. Die Jagd kann nur ausgeübt werden wie es die Rechtssprechung vorgibt.«

Der Vertreter der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt Berchtesgadener Land, Matthias Kringer, informierte über die Vermittlungs- und Beratungstätigkeit der Behörde. »Im Jagdbeirat gibt es ein gutes Miteinander, bisher wurden alle Beschlüsse einstimmig gefasst«, sagte Kringer und ergänzte: »Wenn gewünscht, kommen wir auch zu Versammlungen.« Er wies die Jagdgenossen darauf hin, auf die Aktualität ihrer genossenschaftlichen Satzung zu achten. »Die Satzung ist verpflichtend. Auf unserer Internetseite ist eine Mustersatzung eingestellt«, erklärte Kringer weiter. Er stellte außerdem Verbesserungen in den Dienstleistungen vor, wie ein online-Portal für Steckenlisten, das in Kürze aktiviert wird.

Der Vorsitzende der Jäger-Kreisgruppe Berchtesgadener Land, Hans Berger, zeigte die Entwicklung der Rehwildstrecken im Landkreis auf. Im Jahr 2017/18 sind 2 781 Rehe erlegt worden, das bedeutet ein Plus von 550 Stück Rehwild innerhalb der vergangenen acht Jahre. »Unser Ziel muss sein, einen waldverträglichen Wildbestand auf möglichst ganzer Fläche zu erhalten«, sagt der Kreisvorsitzende. »Gesetzliche Abschusspläne und Streckenlisten, die nichts ausgesagt haben, waren das Problem. Ziel ist deshalb, in den Revieren ohne behördlichen Abschussplan zu jagen.« Er appellierte, Probleme gleich mit den Beteiligten zu regeln. »Die waldbaulichen Ziele müssen dem Jäger bekannt sein.« Berger sprach auch über grundsätzliche Punkte, wie Fütterung und Jagdmethoden.

Multifunktional und gesund

Leitenbacher stellte waldbauliche Ziele vor. »Ein idealer Wald soll multifunktional, gesund, widerstandsfähig und wirtschaftlich sein«, so der Grundsatz. Durch kluge Steuerung, der Balance zwischen konsequentem Handeln und gezielter Geduld sowie angepassten Schalenwildbeständen könne dieses Ziel erreicht werden. Leitenbacher fasste zusammen: »Der einzig vernünftige Maßstab ist die sorgfältige Beurteilung der Verbisssituation und von Fege- sowie Schälschäden. Die Jagdmethoden müssen mit der großen Anpassungsfähigkeit des Wildes mithalten.« Mit dieser Aussage ging er konform mit den Aussagen von Kreisjägervorstand Hans Berger, der dies ebenfalls angesprochen hatte. Der letzte Referent des Abends war Jagdberater Andreas Soyter. Er sprach Entwicklungen im Hochwildbereich des inneren Landkreises an, thematisierte die Problematik durch witterungsbedingte Verhältnisse sowie unsachgemäße Kirrungen und Fütterung. Die daraus entstandene Situation habe zu Konfrontation und Vertrauensverlust geführt. Ein Fütterungs- und Kirrkonzept sei ein erster Ansatz. Soyter zitierte auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die sich zum Ziel gesetzt hat, Forst, Jagd und Landwirtschaft mehr zusammenzuführen.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass Jägerschaft, Jagdgenossen und Grundstückeigentümer auf einem guten gemeinschaftlichen Weg sind. Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller sagte, dass die Verbisszahlen nicht zu hoch bewertet werden sollen. »Dem Landkreis würde es gut zu Gesicht stehen, beim nächsten Vegetationsgutachten eine Trendwende festzulegen.« Im Frühjahr soll bei individuellen Waldbegängen wieder die vor Ort Situation beurteilt und im Dialog Maßnahmen in die Wege geleitet werden. Einmal jährlich soll auch eine ähnliche Veranstaltung stattfinden, um die gemeinschaftlich eingeschlagene Richtung weiter zu verfolgen. Maria Horn