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Ja, so schaut’s aus

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Mit skurrilen Kurzgeschichten, witzigen Sketchen und mitreißenden Songs überzeugte Stephan Zinner bei seinem Gastspiel in der Traunsteiner Kulturfabrik. (Foto: M. Heel)

Unter den vielen bayerischen Kabarettisten ist er einer der vielseitigsten, der 1974 in Trostberg geborene Stephan Zinner. So war er nach einer Ausbildung zum Schauspieler Ensemblemitglied am Salzburger Landestheater und bei den Münchner Kammerspielen und spielte in zahlreichen Fernseh- und Filmproduktionen mit wie zuletzt in »Winterkartoffelknödel«.


Neben seinen schauspielerischen Engagements macht er seit 2000 aber auch Kabarett, wobei er sowohl solo als auch zusammen mit seiner Band auftritt. Jetzt war er mit seinem dritten Soloprogramm »Wilde Zeiten« in der ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS zu Gast, wo er sich erneut als Unterhaltungskünstler ersten Ranges präsentierte, mit skurrilen Kurzgeschichten, witzigen Sketchen und mitreißenden Songs, in denen er die Vollpfosten, die uns das Leben schwer machen, treffsicher aufs Korn nahm.

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So erzählte er von einem Italien-Urlaub mit Hindernissen, vom Autofahren in München, von 16 Jahren Ehe, in denen er sich gewisse Superkräfte erarbeitet habe, vom Schlittschuhlaufen (»für manche Sachen ist man nicht geschaffen«) und wie gut es tut, hin und wieder den Hobby-Revolutionär zu spielen, d. h. in der U-Bahn zu singen oder sein Auto nicht zu waschen. Schöne, lustige und absurde Geschichten aus dem Alltag, die jeder so oder ähnlich schon mal erlebt hat, leicht und charmant ans geneigte Publikum gebracht, das sich seiner kraftvollen Bühnenpräsenz kaum entziehen konnte. Treffend und witzig waren auch seine Spitzen gegen Live-Rollenspiele, marokkanischen Schweinebraten, Silbereisen & Co. und unsere Zeit, in der »d’Leit drauf san wia a Schnellkochtopf ohne Ventil«. Und hätten Sie gewusst, dass man sich für 36 000 Euro den Mount Everest hinauftragen lassen kann?

Aber auch als Sänger und Instrumentalist begeisterte Stephan Zinner die Zuschauer, nicht umsonst hatte er gleich drei Gitarren mitgebracht. Da beherrschte er den scheppernden Blues eines Robert Johnson ebenso wie die lustige Schlagerparodie (»I brauch a heile Welt«), sang mit leiser Wehmut von den Träumen, die »nix sind für ein Leben hinterm Gartenzaun« und tanzte umwerfend beim »Worksong« (»I hoff, dass i bald hoamgeh ko«) a cappella und mit Body-Percussion. In der zweiten und letzten Zugabe »So schaut’s aus« philosophierte er: »Die oan gengan nach Compostela, die anderen zum Neuen Wirt. Egal, Hauptsach’, es funktioniert.«

Kurzum, ein tolle Show und ein sehr schöner Abend. Wolfgang Schweiger