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Italiens Fußball am Boden - SSC Neapel: «absurder» K.o.

Rom (dpa) - Nach dem Schlusspfiff konnte Gonzalo Higuain seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Das bittere Aus seines Clubs SSC Neapel in der Gruppenphase der Champions League ließ ihn hemmungslos weinen.

Erschüttert
Gonzalo Higuain geht den Tränen nahe vom Spielfeld. Foto: Cesare Abbate Foto: dpa

Als erstes Team in der Geschichte des Wettbewerbs stehen die Süditaliener trotz zwölf Punkten nicht im Achtelfinale - das 2:0 über den FC Arsenal war zu wenig. «So auszuscheiden ist unglaublich. Absurd. Ich kann es nicht glauben», klagte Higuain. Wenige Stunden zuvor war auch Italiens Meister Juventus Turin beim Schneechaos von Istanbul in der Vorrunde gescheitert. Übrig bleibt nur der AC Mailand - so schlecht stand Italien im aktuellen Königsklassen-Format nie da.

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«Ohne Selbstmitleid oder Scheinheiligkeit: Das ist Krise», analysierte die «Gazzetta dello Sport» verbittert das miserable Abschneiden. Während England und Deutschland mit je vier und Spanien mit drei Teams im Achtelfinale antreten, ist der Rückstand der Italiener kaum noch zu übersehen. Erstmals, seit in der Königsklasse seit der Saison 1999/2000 wieder eine Runde der besten 16 Teams ausgespielt wurde, ist nur ein Club aus Italien dabei.

Vor allem Neapel war über seinen historischen K.o. geschockt. «Der Traum löst sich plötzlich auf. Die Todesgruppe kennt kein Pardon», schrieb die «Gazzetta dello Sport», nachdem das späte Siegtor von Borussia Dortmund bei Olympique Marseille alle Hoffnungen der Italiener zerstört hatte. «Es ist ungerecht, dass wir ausscheiden, das haben wir nicht verdient», bilanzierte Torschütze Higuain. «Wir gehen mit erhobenem Haupt», sagte Präsident Aurelio de Laurentiis.

Während der SSC mit seinem Schicksal haderte, beklagte Juventus Turin die Umstände der 0:1-Niederlage bei Galatasaray Istanbul, die dem italienischen Rekordmeister das Aus brachte. «Merci Michel! Juve auch wegen der UEFA von Platini ausgeschieden», titelte die Zeitung «Tuttosport». Nachdem die Partie wegen Schneefalls am Dienstag unterbrochen werden musste, wurde das Spiel nach einer Entscheidung der UEFA am Mittwoch trotz schlimmer Platzverhältnisse fortgesetzt.

«Das war kein Fußballspiel, wir haben es nicht einmal geschafft, zu schießen», schimpfte Verteidiger Giorgio Chiellini. Juve hatte beantragt, das Spiel zu verschieben, doch ohne Erfolg. «Der Schiedsrichter hat mich wütend gemacht. Es gab den festen Willen zu spielen, aber das ist kein Sport», monierte Trainer Antonio Conte. «Es tut weh, so aus einem so wichtigen Wettbewerb auszuscheiden. Ich bin sicher, dass es auf einem besseren Platz ein anderes Spiel gewesen wäre.»

Vor allem der deutsche UEFA-Delegierte Bernd Barutta wurde in den italienischen Medien heftig kritisiert. «Er hat das offizielle Siegel auf die türkische Schande gesetzt», schrieb «Tuttosport». Die Zeitung vermutete eine weitere Verschwörung: Die Hälfte, in der Juventus für 45 Minuten lang angreifen musste, sei absichtlich stärker ruiniert worden. «Die Posse war, dass man in der Hälfte, in der wir angegriffen haben, nicht wirklich spielen konnte», schimpfte Conte.

Nun will sich Juve auf die Europa League konzentrieren und das Finale im eigenen Stadion erreichen. Weiteres Trostpflaster für die arg gebeutelten Italiener: In Roberto Mancini (Galatasaray Istanbul), Carlo Ancelotti (Real Madrid), Massimiliano Allegri (AC Mailand) und Luciano Spalletti (Zenit St. Petersburg) sind zumindest vier italienische Trainer im Königsklassen-Achtelfinale dabei.