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Ist Straße glatt, nimm Stalinrad

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Es gibt zwei Radler-Typen: den rücksichtsvollen und den Rowdy. So ein Radl-Rowdy machte mir neulich zu schaffen. An einem friedlichen Vormittag fuhr ich zum Einkaufen Richtung Panorama-Park. Nach der Baustelle in Bischofswiesen sollte am Ortsausgang der wohl nervigste Streckenabschnitt vorbei sein. Falsch gedacht! Direkt in der Kurve beim Riedherrn tauchten unerwartet zwei Radler am Seitenstreifen auf. Nur mit einer starken Bremsung konnte ich Schlimmeres verhindern. Wer rechnet denn bei Minustemperaturen mit Radfahrern auf der Bundestraße? Aber gut: Wenn es ihnen Spaß macht. Aber warum nerven sie mich statt den nebenliegenden Radweg zu benutzen. Immerhin hat sich die Gemeinde diesen breiten wie makellosen Weg viel Geld kosten lassen. Nachdem ich die Radfahrer endlich überholt hatte, wollte ich dieses Erlebnis vergessen.

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Aber Sekunden später war ich auf 180 – und ich spreche nicht von der Geschwindigkeit. Schon wieder zwei Rowdy-Radler. Sie fuhren neben- statt hintereinander. Überholen war aufgrund des Gegenverkehrs nicht möglich. Hinter mir staute es sich bereits und in mir die Aggressionen. Mehrfaches Hupen war bei ihnen zwecklos. Erst nach einer Minute konnte ich endlich an ihnen vorbeiziehen.

Zufällig entdeckte ich kurz darauf beim Einkaufen einen der Rowdys. In seinem knallroten Outfit war leicht wiederzuerkennen. Ich stellte ihn zur Rede. Es war ein Mann mittleren Alters. Als ich ihn fragte, warum er die Straße und nicht den Radweg benutzt hatte, antwortete er genervt: „Ich habe ein hochwertiges Bike. Auf dem Radweg liegen viele Steine, dadurch mache ich es kaputt.“ Der böse Weg will also mit spitzen Steinen seine Benutzer traktieren. Und überhaupt: Fahrräder haben doch auf Radwegen nichts verloren.

Dann wollte ich wissen, warum die beiden nebeneinander gefahren sind. Der Herr rechtfertigte sich damit, dass er den anderen Fahrer überholen wollte. Doch kann ein Überholvorgang so lange dauern? Erneut wies ich auf den Radweg hin, zumal beide dort problemlos nebeneinander radeln könnten. „Dann musst Du halt vorsichtiger fahren. Das ist doch meine Entscheidung, wie ich zu radeln habe“, erwiderte der Depp trotzig. Und wieder stimmte ich ihm zu. Schließlich zwingen die Rowdys mich dazu, in den Kurven vorsichtiger zu fahren. Das verringert das Unfallrisiko. Eigentlich sollte ich ihm dankbar sein. Erbost haute der Straßen-Rowdy ab.

Hier will ich nicht alle Radler schlecht reden. Doch manche entwickeln eine Art Allmachtsfantasie. Man meint schon fast, sie haben eine eigene Ideologie und streben mit ihrem Stalinrad die alleinige Straßenherrschaft an. Deswegen drehe ich am Rad.

Patrick Vietze

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