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Islamisten setzen deutsche Botschaft im Sudan in Brand

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Proteste in Khartum
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Sudanesische Polizisten stehen vor der deutschen Botschaft in Khartum einer wütenden Menschenmenge gegenüber. Foto: Ashray Shazly Foto: dpa

Addis Abeba/Berlin (dpa) - Erstmals seit Beginn der Proteste gegen ein islam-feindliches Video ist auch eine deutsche Botschaft zum Ziel von gewaltsamen Angriffen geworden.


In der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde Deutschlands diplomatische Vertretung von einer Menschenmenge gestürmt und in Brand gesetzt. Verletzt wurde niemand, weil alle Diplomaten das Gebäude vorsichtshalber schon verlassen hatten.

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Auch die britische Botschaft wurde attackiert. Später zogen mehrere hundert Demonstranten vor die US-Botschaft. Dort kam es zu schweren Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabija wurde ein Demonstrant getötet, als Sicherheitskräfte mit Tränengas auf die Menschenmenge vor der US-Botschaft in Khartum feuerte. Auch ein Kameramann von Al-Arabija sei verletzt worden.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte den Angriff in Khartum aufs Schärfste. Als Zeichen des Protests wurde der sudanesische Botschafter in Berlin ins Auswärtige Amt einbestellt. Zugleich äußerte Westerwelle aber auch Verständnis für den Unmut in der islamischen Welt, der sich gegen ein in den USA produziertes Video richtet. «Ich verurteile dieses schändliche Video. Aber das ist keine Rechtfertigung für Gewalt.»

Aus Sorge vor weiteren Übergriffen wurden auch in anderen islamischen Ländern die Sicherheitsvorkehrungen rund um die deutschen Auslandsvertretungen verschärft. Am Freitag sind dort die Botschaften aber in der Regel ohnehin geschlossen. Auch die deutsche Botschaft in Khartum hatte Ruhetag. Von den 22 Mitarbeitern war zum Zeitpunkt der Angriffe niemand im Gebäude.

Die Demonstranten legten Feuer, rissen die deutsche Flagge herunter und ersetzten sie durch eine schwarze Fahne. Zur Höhe des entstandenen Sachschadens gab es zunächst keine genauen Angaben. Die Polizei setzte Tränengas ein, konnte die Angreifer aber nur mit Mühe abwehren. Auch die britische und die amerikanische Botschaft wurden von mehreren hundert Demonstranten attackiert. Nach Informationen des TV-Senders Al-Arabija gab es mindestens einen Toten.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes hatte es zuvor schon Hinweise gegeben, dass die Proteste in Gewalt umschlagen könnten. Deshalb wurde der sudanesische Botschafter in Berlin schon am Vormittag einbestellt. Westerwelle verlangte von der sudanesischen Regierung, die Sicherheit der Botschaft und deren Integrität wiederherzustellen

Der Minister ließ sich von Botschafter Rolf Welberts per Telefon über die Angriffe informieren. Anschließend sagte er, glücklicherweise habe es keinen «Personenschaden» gegeben. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Sicherheit.» Westerwelle ließ jedoch offen, wann die Botschaft wieder geöffnet wird. Für Sonntag haben islamistische Gruppen zu neuen Protesten vor der deutschen Botschaft aufgerufen.

Das Youtube-Video aus den USA hatte anti-westliche Proteste in vielen islamischen Ländern mit mindestens zehn Toten ausgelöst. Ein Mensch kam am Freitag in der libanesischen Stadt Tripoli ums Leben. 25 Menschen wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen verletzt.

Die sudanesische Regierung hatte den Internet-Film nach einem Bericht der Zeitung «Sudan Tribune» am Donnerstag scharf verurteilt. Islamistische Gruppen hatten daraufhin zu gewaltsamen Protesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen. Sie forderten zudem die Ausweisung des amerikanischen und des deutschen Botschafters.

In den auf Youtube veröffentlichten Sequenzen von «Innocence of Muslims» («Unschuld der Muslime») wird der Prophet als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. Drahtzieher ist laut US-Medienberichten eine dunkle Figur mit kriminellem Hintergrund. Justizbeamte hätten bestätigt, dass es sich um Nakoula Basseley Nakoula handele, berichtet das Magazin «Time». Er bediene sich Decknamen und sei unter anderem wegen Bankbetrugs 2010 zu 21 Monaten Haft verurteilt worden.