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Irish-steirische Eskapaden wie aus 1001 Nacht

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Mit Temperament und lustvollem Crossover zwischen steirischer Volksmusik und irische Folklore ließ die Gruppe »IRISHsteirisch« den Funken schnell auf das Publikum überspringen. (Foto: Mergenthal)

Ihre Wurzeln sind im Salzkammergut, da haben sie sich beim gemeinsamen Musizieren im Wirtshaus vor zehn Jahren gefunden. Ihre musikalische Wahlheimat ist Irland, und ihre Leidenschaft ist es, mit irischen Musikanten zusammen zu spielen. Die paar Tausend Kilometer haben sie mit Leichtigkeit mit einem Wortspiel überbrückt und in ihrem Ensemble frech irische, steirische und rockige Instrumente kombiniert: die Gruppe »IRISHsteirisch«. Das Publikum bei ihrem jüngsten Auftritt im »Nuts« in Traunstein war von den unkonventionellen, jungen Vollblutmusikanten begeistert.


Mit einem kehligen, gemütlichen, gerade heraus und natürlich gesungenen Jodler eröffneten die temperamentvolle Sängerin Astrid Eder, die rothaarige, fast irisch wirkende, gewandte Ziachspielerin Kathrin Mayer mit ihrer herrlich tiefen Stimme und Gitarrist Ernst Gottschmann das Programm. Mitten drin griff Astrid zur Tin Whistle und stimmte eine Ballade von der grünen Insel an. Auf einmal rockte die Band los, mit Andi Frömmel am genussvoll dröhnenden E-Bass, Roland Mayer an den farbenreichen Drums und Alois Marchner an der virtuosen E-Fiddle. Der fetzige, etwas verrockte, irische Volkstanz mutierte am Ende wieder zum schlichten, gefühlvollen Jodler.

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Schnell brachten die Fünf ihr Publikum zum Mitwippen und Mitklatschen. Ernst Gottschmann verriet in seiner verschmitzten, trocken-humorigen Moderation so manche Hintergründe, zum Beispiel, dass er mit Kathrin im Hauptschulchor das bayerische Lied »Wos is heit für Dog« singen musste. Quasi als »Selbsttherapie« habe man dieses Lied nun für die Band arrangiert, erklärte Gottschmann.

Nicht schlecht staunte das Ensemble, dass zahlreiche Traunsteiner Zuhörer das Lied kannten, im Gegensatz zu vielen anderen bayerischen Konzertbesuchern. Das »Juchhe« zogen die Musikanten wie eine Sirene nach oben und warfen ein wildes Zwischenspiel ein, bevor die akrobatisch schnell sprechende Astrid die nächste, teils zungenbrecherartige Strophe anstimmte. Behände wechselte der Gitarrist zwischen diversen Akustik- und E-Gitarren und erzeugte auf den Bongos zusätzliche Verfremdungseffekte. Urmusikantisch und spielfreudig zog Kathrin ihre Steirische weit auseinander. Mit dem »Arabischen Landler« machte das Ensemble einen Ausflug in den Orient. Beim lustvoll zelebrierten, pentatonischen Zwiegespräch zwischen E-Gitarre und Geige wähnte man sich in einem türkischen Bazar und hörte förmlich die Stimme des Muezzins durch die Gassen hallen. Bass und Schlagzeug woben dazu einen geheimnisvollen Klangteppich wie aus Tausend und Einer Nacht. Dann nahm das frei dahin stromernde Spiel Rhythmus und Form an, und im Nu zauberten die Weltmusik-Magier einen typischen Landler aus dem Salzkammergut mit gesungenen Gstanzln daraus, der am Ende mit irischem Gefiedle ausklang.

Manchmal steckten auch skurrile und typisch irish-steirische Begebenheiten hinter den Liedtexten: Ein Song erzählte auf Englisch, wie ein steirischer Bursch in Irland um die Hand eines netten irischen Mädchens anhielt, doch leider mochte deren Vater keine Steirer. Da kehrte der Bursch in seine Heimat zurück und verliebte sich in eine fesche Steirerin. Er dachte sich: Diesmal gehe ich nicht zum Vater, sondern zur Mutter. Die Pointe warf Kathrin in breitem Salzkammergut-Dialekt auf köstlich g’schnappige Weise am Ende ein: »Oiso Bua, wann’st mei Dirndl mechst, muaßt erst bei mir vorbei schaun’g!«

Rein instrumental war die Nummer »Highland Rhythm«, mit originellen Percussion-Instrumenten wie Bongos, »Waterdrums« (mit Wasser gefüllten Trommeln) oder »Rainstick«. Im Hintergrund bliesen Astrid und Kathrin Melodien auf Flöten, Schwegelpfeife und Dudelsack, die im bacchantischen Getöse – vielleicht gewollt – etwas untergingen. Viel Groove und E-Gitarren-Power begleitete die swingende Sängerin Astrid bei der makabren Erzählung von einem Iren, der seine Frau betrogen hat, worauf sie ihn abmurksen will. »Doch es geht noch einmal gut aus«, ist die Moral von der Geschichte, was in Irland bedeutet, dass der Mann die Frau abmurkste.

An den Schleinigen, Landlern, »Cross-over-Steirern« und irischen Tänzen, darunter viele Nummern vom neuen Album »Dedritt«, konnte man sich kaum satt hören. Mit einer Zugabe und einer Lehreinheit des Bassisten in »Irish-Steirischem Yoga« bedankte sich die Gruppe beim kräftig applaudierenden Publikum. Veronika Mergenthal

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