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Die Band »Cara« begeistert im Bad Reichenhaller Magazin 4 mit Balladen und irischen Tänzen

Irische Leichtigkeit und schottischer Horror

Mit eindringlichen Dudelsacktönen beginnt Hendrik Morgenbrodt solistisch das Konzert der deutsch-schottischen Musikgruppe »Cara« im Bad Reichenhaller Magazin 4. Gudrun Walther mit ihrem magischen Lächeln und ihrer feuerroten Mähne gesellt sich mit einem atmosphärischen Intro auf der Geige dazu. Schwebend-leichte Akkorde auf der Gitarre (Jürgen Treyz) und am Klavier (Kim Edgar) lösen das Anfangsduo ab. Daraus entspinnt sich ein spannendes musikalisches Gespräch zu dritt und am Ende zu viert.

Kim Edgar (von links), Hendrik Morgenbrodt, Gudrun Walther und Jürgen Treyz spielten irisch-schottische Musik im Magazin 4. (Foto: Mergenthal)

Gudrun Walther steckt mit ihrer Lockerheit, Leichtigkeit und Spielfreude an. Jürgen Treyz ist nicht nur von der barocken und klassischen Gitarrenliteratur, sondern auch von der traditionellen und mittelalterlichen Musik geprägt – er spielt mit Temperament und Facettenreichtum. Da Rolf Wagels mit seiner irischen Rahmentrommel in Bad Reichenhall nicht dabei ist, übernimmt Treyz mit der oft percussionähnlich eingesetzten Gitarre auch diesen Part. Ein andermal zupft er sein Instrument wie eine Zither – faszinierend.

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Eine märchenhafte, intensive, wegen ihrer Horror-Begeisterung auch etwas unheimliche Note verleiht die Schottin Kim Edgar der Performance – mit ihren mystischen Pianoklängen und ihrer perfekt mit Gudrun Walthers Gesang harmonierenden dunklen Stimme. Zum Staunen bringt der erst 24-jährige Hendrik Morgenbroth mit seinen Flöten und Dudelsäcken die Besucher. Alle seine Instrumente hat der Instrumentenbauer selbst gefertigt. Exzellent beherrscht er selbst den sehr schwer zu spielenden irischen Dudelsack mit der anspruchsvollen Koordination von Arm-, Hand- und Fingerbewegungen beim Betätigen von Blasebalg, Windsack, Melodiepfeife, Regulatoren und Bordunpfeifen.

Gudrun Walther und Kim Edgar moderieren sympathisch im Wechsel und erklären die Lieder: In »A warning for all married women« nach einer 1650 in England entstanden Weise geht es um eine Frau, die mit einem Zimmermann verheiratet ist. Als sie ihren ehemaligen Liebhaber wiedertrifft, folgt sie ihm nach Italien. Unterwegs entpuppt sich der Liebhaber als Teufel und nimmt sie direkt mit in die Hölle.

Eine weitere Ballade handelt von »einer sehr hübschen Lady«, die einen älteren Lord nur wegen des Geldes geheiratet hat. Sie verliebt sich in einen jungen, galanten Ritter. Das Schäferstündchen im Turmgemach, während der Lord auf der Jagd ist, wird von einem Pagen belauscht. Der alarmierte Lord ertappt beide in flagranti. Er tötet den Ritter im Duell und danach seine Lady, als sie freimütig bekennt, sie liebe den Ritter auch als Toten mehr als den Lord mit all seinem Geld. Die Stimmungsmalerei in der Begleitung zu dieser Ballade ist einmalig: Feine, glockige Akkorde des Pianos und der Gitarre kündigen das Morgengrauen an.

Dazwischen spielen die Musiker rassige irische Tänze und mischen temperamentvolle Lieder wie das von der schönen jungen Maid, die Seeleute ausraubt, unter die ruhigeren. Mit »Isn't it time to be worried« präsentiert die Band ein Stück Gesellschaftskritik, um mit »Blood, ice and ashed« wieder in schönstem schottischen Horror zu schwelgen. Mit mehreren Zugaben verabschiedet sich von »Cara« den begeisterten Zuhörern. Veronika Mergenthal