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Irak-Experte erwartet Fragmentierung der Macht

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Die Fahne des Irak. Hat das Land als einiger Nationalstaat eine Zukunft? Foto: Mohammed Jalil Foto: dpa

London (dpa) - Die Krise im Irak wird nach Meinung des renommierten Londoner Experten Fawaz Gerges zwangsläufig zu einer Macht-Aufsplittung zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden führen.


«Ganz egal, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert - wir werden eine Fragmentierung der Macht erleben», sagte Gerges in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Der im Libanon geborene Politik-Professor lehrt Internationale Beziehungen an der London School of Economics (LSE).

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Die Chance, dass der Irak als Staat erhalten werden könne, schätzt er auf 50:50. «Ich würde im Moment auf nichts wetten», sagte Gerges. «Wenn die Iraker den Bund beibehalten wollen, dann müssen sie jetzt Lösungen finden», sagte der Professor. Es komme darauf an, ob die einzelnen Kräfte in der Lage seien, miteinander zu reden. Die Kurden, die im ölreichen Kirkuk im Nordirak regionale Macht ausüben, könnten als einer der Sieger aus dem Konflikt hervorgehen.

Gerges, der die US-Intervention im Irak gegen Saddam Hussein kritisiert hatte, macht auch die irakische Regierung für die Misere verantwortlich. «Ja, die Amerikaner haben die Tore zur Hölle geöffnet», sagte er. Aber die Iraker hätten auch Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise habe die Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki die weitere Hilfe der US-Truppen abgelehnt und sie geradezu außer Landes gedrängt.

Einer der gefährlichen Aspekte des Konfliktes sei der Vorbildcharakter. Die Terrororganisation Isis stelle alleine keinen entscheidenden Machtfaktor dar. Sie habe aber gezeigt, wie erfolgreich Terrorgruppen ihre Ziele im Irak verfolgen können. Dies helfe Isis und anderen Islamisten bei der Rekrutierung von Kämpfern.

CNN-Interview mit Gerges vom Mai