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Investor plant Großprojekt am Königssee

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Foto: Rendering: Snøhetta/Mir
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Das Interesse am neuen Ortsbild war groß. (Foto: Pfeiffer)
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Investor und Unternehmer Martin Harlander möchte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag am beliebten Touristensee investieren.

Schönau am Königssee - Mehrere Hotels mit insgesamt 520 Betten und ein Investitionsvolumen im hohen zweistelligen Millionenbereich hat die Resort Königssee GmbH am Donnerstagabend bei der Bürgerversammlung vor voll besetztem Saal angekündigt. Das Großprojekt, das federführend vom österreichischen Unternehmer Martin Harlander initiiert wird, soll das Ortsbild rund um die Seelände grundlegend ändern.


Es war die Nachricht des Tages: Martin Harlander, jener österreichische Investor, der in den vergangenen Jahren bei vielen Projekten im Talkessel die Finger im Spiel hatte und auch einer der Investoren der 50-Millionen-Euro-Jennerbahn ist, zeigte sich nach der Präsentation mehr als zufrieden. Denn die Zustimmung in der Bevölkerung ist groß. »Wenn das so kommt, wie gerade angekündigt, können wir uns alle gegenseitig gratulieren«, sagte Alt-Bürgermeister Stefan Kurz, der als Besucher unter den rund 250 Anwesenden saß und selbst noch vor fünf Jahren mit einem ähnlichen Hotelprojekt aufgrund massiver Gegenwehr aus der Bevölkerung gescheitert war.

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In der Tat ist das vom in Oslo gegründeten Architekturbüro Snøhetta entwickelte Konzept ein Rundumschlag in Sachen Neugestaltung. Unter anderem entwarf das Büro die Alexandria-Bibliothek in Ägypten, die norwegische Nationaloper in Oslo und mehrere Erweiterungsbauten für die Swarovski-Kristallwelten in Wattens in Tirol. »Als eines der beliebtesten touristischen Ausflugsziele in Deutschland zieht der Königssee über eine Million Tagesgäste pro Jahr an – dementsprechend muss er sich auch präsentieren«, sagte Architekt Patrik Lüth bei der Vorstellung des Konzeptes, für das man eigens ein maßstabsgetreues Modell angefertigt hatte, das den Königssee samt der umliegenden Neubebauung zeigt. Das Gewinnerprojekt eines 2016 stattgefundenen Städtebau-Wettbewerbs sieht anstatt eines abgeschlossenen Hotelkomplexes die Schaffung eines neuen Ortszentrums vor, das von Einheimischen, Hotelgästen, aber auch Tagestouristen gleichermaßen genutzt werden kann. »Dadurch soll die Konkurrenzfähigkeit im internationalen Tourismus sichergestellt und gleichzeitig die Attraktivität des Ortsteils für die einheimische Bevölkerung gesteigert werden«, sagte Lüth.

Tatsächlich sind weite Teile der Bebauung rund um den Königssee verfallen und kaum genutzt. Die rund ein Dutzend Gebäude stammen aus den 70er-Jahren, darunter ein altes Casino, ein ehemaliges Asylbewerberheim und mehrere in die Jahre gekommene Hotelgebäude, die seit Langem verwahrlosen und auf Urlauber seit Jahren abschreckende Wirkung haben.

Ökonomisches Potenzial

Architekt Lüth: »Für den Tourismus ist das ein furchtbares Bild«, gegen das man etwas tun müsse. »Weil der Ortsteil aber stark im Bewusstsein der Bevölkerung verankert ist und ökonomisches Potenzial hat, ist die Revitalisierung des Gebiets dringend notwendig.« Das von ihm vorgestellte Konzept sieht vor, die alten Gebäude komplett zu entfernen und »ein neues starkes Zentrum zu schaffen«. Um einen zentralen Platz sollen verschiedene Nutzungen angesiedelt werden, darunter ein in Bumerangform gebautes Hotel der 4-Sterne-Superior-Klasse als Stammhaus mit 250 Betten. Geplant ist auch ein »junges Hotel« mit 170 Betten für ein urbanes Publikum. Darüber hinaus soll es ein Restaurant geben, ein Gasthaus, eine Markthalle, ein Sportgeschäft sowie eine Erweiterung des bestehenden Hotels »Königssee« mit weiteren 100 Betten. Alle Gebäude haben gemein, dass sie Bezug nehmen sollen auf die umgebende Natur sowie die lokale Baukultur, »indem Sattel- und Walmdächer zeitgenössisch interpretiert werden«, sagte Lüth. Neben Holz möchte man vor allem auf Naturstein setzen, auf Putz und strukturierten Beton. »Exotische Materialien wollen wir keine, ebenso verzichten wir auf große Glasfronten«, so Lüth. Beinahe das gesamte Areal soll zweigeschossig unterkellert werden. Im Untergrund werden bis zu 250 Fahrzeuge einen Stellplatz haben. Alle Gebäude sollen mit der Tiefgarage verbunden sein.

Weil das gesamte bebaute Areal von Hotelgästen, Tagestouristen und Einheimischen genutzt werden kann, kommt der Gestaltung des öffentlichen Raumes und der Freiflächen eine besonders wichtige Rolle zu. Unterschiedliche Zonen werden durch öffentlich zugängliche Gärten, einen Park, einen Biergarten, einen Spielplatz und einen zentralen Platz gebildet. Dieser, so lautet der Plan der Verantwortlichen, könnte künftig für Märkte, Konzerte und andere Veranstaltungen genutzt werden und ein sozialer Treffpunkt werden.

Der sogenannte Löwenstein, ein erratischer Block und gleichsam Naturdenkmal, soll mit einem angrenzenden Wasserbecken zum »zentralen Teil des gemeinschaftlichen Platzes und so zum Symbol für einen Bezug zur umliegenden Berglandschaft« werden.

Architekt Lüth informierte darüber, dass das städtebauliche Konzept auf verschiedenen Weg- und Blickachsen durch das Areal basiere. Erreicht werden soll das durch mehrere Durchgänge zwischen den Gebäuden sowie Blickbeziehungen zum Königssee. Ebenso soll unter anderem die bereits bestehende Seestraße in ihrer Funktion als Handelsstraße gestärkt werden und den Charakter einer Gasse erhalten. Geplant ist ebenfalls, bereits bestehende Gebäude, wie etwa den denkmalgeschützten »Alten Bahnhof« sowie die Zentrale der Bayerischen Seenschifffahrt, in das Konzept zu integrieren.

Das gesamte Areal soll über die Jennerbahnstraße erreichbar sein. Von der Seelände des Königssees wird man maximal den First des Stammhauses erkennen können. Patrik Lüth sagte, dass es ausgewiesenes Ziel sei, mit dem Projekt die »Verankerung mit der Bevölkerung« zu schaffen, es dürfe nicht immer nur um Zahlen gehen. Am Ende gab es lauten Beifall im Publikum.

»Bürgermeister ist zufrieden«

Bürgermeister Hannes Rasp zeigte sich vom Konzept überzeugt. Auch Zuhörer Werner Bauer war von der Präsentation begeistert: »Im nördlichen Landkreis und darüber hinaus würde man sich über solche Planungen freuen.« Thomas Janzen ist der Ansicht, »dass wir keinen Grund für Zweifel haben müssen«. Dennoch gab der Technische Leiter der Schifffahrt am Königssee, Michael Brandner, zu bedenken, »dass das hier unsere Heimat ist und das soll sie auch bleiben«. So wäre mancher Ort in Österreich froh, noch einmal die Zeit zurückdrehen zu können. »Über diese Verantwortung, hier zu bauen, müssen Sie sich im Klaren sein«, sagte er in Richtung des Architekten. Über die Kosten schwieg sich dieser zwar aus, Investor Martin Harlander entgegnete auf »Anzeiger«-Nachfrage, dass man »mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag« rechnen müsse. Auch ein zeitlicher Rahmen wurde noch nicht offiziell genannt. »Wir hoffen, dass wir in zwei, drei Jahren hier im neuen Gasthaus sitzen und gemeinsam ein Steak essen können«, sagte Lüth mit einem Augenzwinkern. Kilian Pfeiffer

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