weather-image
12°

Innenminister Herrmann besuchte Labenbachhof bei Ruhpolding

4.8
4.8
Innenminister Herrmann - Labenbachhof Ruhpolding
Bildtext einblenden
In gemütlicher Runde wurde in der Bauernstube bei Kaffee und Kuchen über die Ziele der Stiftung gesprochen.
Bildtext einblenden
Innenminister Joachim Herrmann auf dem Labenbachhof bei Ruhpolding, zusammen mit Thomas Prieto Peral (rechts), dem Vorsitzenden von »Wings of Hope«. (Fotos: Reiter)

Ruhpolding – »Wieso nicht einmal etwas ausprobieren? Ich finde das gut«, betont Innenminister Joachim Herrmann auf dem Labenbachhof bei Ruhpolding. Das alte Bauernhaus gehört der Stiftung »Wings of Hope«, die sich vor allem um Traumaarbeit kümmert. Die Idee: Trauma heilen, Frieden stiften und Versöhnung leben. Nun soll dort ein neues Pilotprojekt starten.


Es war ein ungewohntes Bild: Eine tief verschneite Landschaft, ein altes Bauernhaus zwischen Ruhpolding und Inzell in der Einsamkeit und dann – Polizei und zahlreiche Fahrzeuge aus München. Eine Beamtin stapft am Waldrand durch den Schnee, Personenschützer haben sich auf dem fast leeren Parkplatz und vor dem historischen Bauernhaus positioniert. Erwartet wird Innenminister Joachim Herrmann, der seit vielen Jahren Kuratoriumsmitglied von »Wings of Hope« ist, einer Stiftung der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern.

Anzeige

»Trauma heilen, Frieden stiften und Versöhnung leben – mit diesem Dreiklang beschreiben wir unsere Vision, für die wir arbeiten«, sagt Martina Bock. Sie ist Projektmanagerin und Geschäftsführerin von »Wings of Hope Ausland«. Unverarbeitete Traumata würden oft zur Entstehung von Gewalt und Konflikten beitragen. »Wenn Menschen Krieg und Gewalt erleben, dann hinterlässt das nicht nur körperliche Wunden, sondern auch seelische Verletzungen,« weiß die Sozialpädagogin. Die Menschen würden Einsamkeit, Ohnmacht und Hilflosigkeit erleben. Das Vertrauen in andere Menschen sei erschüttert. »Um diesen Erfahrungen etwas entgegenzusetzen, brauchen Menschen Orte von Sicherheit, das Erleben von Gemeinschaft und die Erfahrung, dass sie etwas bewirken können«, sagt Martina Bock im Gespräch mit dem Minister. Ganz konkret gehe es zum einen um die Betreuung und therapeutische Begleitung von Menschen aus Krisengebieten, zum andern würden aber auch Traumafachleute ausgebildet. Beides findet auf dem Labenbachhof statt.

Bis vergangenes Jahr wohnte dort auch eine Jugendgruppe. Doch es sei nicht möglich gewesen, geeignetes Personal zu finden, um eine 24-Stunden-Betreuung der traumatisierten Jugendlichen zu gewährleisten, schildert Psychologin Lucija Luki Holjan das Problem. Nun wolle man eine Familie mit bis zu vier Kindern aufnehmen. Diese könnte hier unter stationären Fachbetreuung für zwei bis drei Jahre wohnen – eine Familie, deren Kinder unter anderen Umständen aus der Familie genommen werden würde. Auf dem Labenbachhof sollen Kinder und Eltern wieder zusammenfinden.

Das Jugendamt in Rosenheim habe bereits sein Interesse bekundet, so Benno Kneißl, der Geschäftsführer der gemeinnützigen Labebenbachhof GmbH. »Traunstein leider nicht, aber vielleicht steigen sie ja ein, wenn es gut läuft.« KR

Facebook Traunsteiner Tagblatt