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In Traunstein gibt es eine »Kunstsprechstunde«

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Unser Bild entstand bei der Kunstsprechstunde im Januar in Traunstein.

In der Traunsteiner Kunstszene gibt es etwas Neues, Traunstein hat jetzt eine Kunstsprechstunde. Die nächste findet am morgigen Freitag um 19 Uhr statt.


Was ist Kunst-Sprechstunde? Sprechstunden kennen wir eigentlich nur vom Arzt oder von der Schule. Allgemein dienen Sprechstunden wohl der Problemlösung, ob gesundheitlicher, erzieherischer oder auch psychologischer Art, denn der Psychotherapeut hat auch eine Sprechstunde. Dort, bei den Ärzten oder bei den Lehrern, ist man meistens alleine, eventuell noch mit dem Ehepartner oder Lebenspartner. Eine eher intime Atmosphäre also, man holt sich Rat und Hilfe und geht dann wieder nach Hause und ist entweder von den Sorgen befreit oder sie sind größer geworden.

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Ist das dann dort auch so bei der Kunstsprechstunde? Auf der Einladungskarte zur zweiten Kunstsprechstunde im Januar stand: »ein Gesprächs- und Diskussionsforum für aktuelle Kunst- und Gestaltungsfragen« und »ein Projekt von Cosima Strähhuber und Helmut Mühlbacher«. Die beiden Konzept,- Objekt- und Installationskünstler haben zusammen mit der Malerin und Zeichnerin Claudia Weber ein Häuschen in der unteren Stadt von Traunstein gemietet, Hinter der Veste 11. Über der Tür und einem Schaufenster steht: (dort befanden sich vorher diverse Läden und zuletzt eine Schneiderei) HANDarbeitWERKraum – Kunstraum – Atelier – Gesprächsforum.

Was ist unter der Kunstsprechstunde zu verstehen? Im Abstand von ca. zwei Monaten, an jedem ersten Freitag des betreffenden Monats, findet eine öffentliche Gesprächsrunde in den Räumen des HANDarbeitWERKraum statt. Eine Künstlerin oder ein Künstler präsentiert sich mit einer oder mehreren unvollständigen oder auch fertigen Arbeiten und stellt sich der Öffentlichkeit zur Diskussion. Cosima Strähhuber und Helmut Mühlbacher bieten damit ein Gesprächsforum an, bei dem Kunstinteressierte mit Künstlerinnen und Künstlern konstruktiv, aber auch kritisch über deren Arbeiten sprechen. Möglichst offen sollen die Gespräche ablaufen, was natürlich auch Lernprozesse bei Künstlern und Besuchern erfordert, denn es ergibt sich sehr schnell die Frage, wie weit darf und kann ich in meiner Kritik gehen, ohne den Künstler zu verletzen, der sich in der Sprechstunde sehr persönlich darstellt und öffentlich der Kritik ausliefert.

Für beide Parteien wird es notwendig sein, einerseits Grenzwertiges auszuhalten und andererseits Grenzen zu finden und die Freiheiten der Kritik auszuloten. Dabei sollten, nach Vorstellung der beiden verantwortlichen Veranstalter, nie die Schmerzgrenzen angetastet werden. Ins Leben gerufen ist damit ein ungemein spannendes und unterstützenswertes Projekt, das sich weiter entwickeln kann und wird. Hier können für alle Beteiligten – für die Künstler sowie für die Besucher und Veranstalter – sehr wichtige Prozesse ablaufen: Man kann lernen, Kritik konstruktiv einzusetzen (ohne nur Streicheleinheiten auszuteilen), man kann lernen, Kritik auszuhalten und man kann lernen, die Diskussion auf eine gestalterische und inhaltliche Ebene zu transportieren, ohne subjektiv emotional zu agieren. Letztendlich soll es darum gehen, sich gemeinsam Kriterien und Anhaltspunkte für eine qualitativ hochwertige Kunst und Gestaltung zu erarbeiten.

Ist das Kunst; was ist Kunst; erklär mir doch mal, was Kunst ist; das soll Kunst sein; das kann ich doch auch; mir gefällt das aber nicht, deshalb ist das keine Kunst; Gott sei Dank entscheiden wir aus dem Bauch heraus, was Kunst ist; aber der kann doch nicht, so ein Geschmiere; Kunst kommt von Können … Kunst muss …, Kunst kann …, Kunst darf …, Kunst darf nicht …, ist das gute oder schlechte Kunst? All diese Fragen und Feststellungen werden in den Kunstsprechstunden unweigerlich thematisiert und die Teilnehmer können sich gemeinsam diesen Unsicherheiten annähern.

Die Kunstsprechstunde soll sich zu einem Forum für verschiedenste Kunst- und Gestaltungsfragen entwickeln, in dem neben der Bildenden Kunst auch Musik, Theater, Literatur oder Architektur besprochen werden kann. All diese Themen sollen der Erweiterung des eigenen Horizontes dienen und das Forum soll möglichst offen sein. Interessenten, die eine Arbeit oder ein Projekt vorstellen möchten, können sich bei Cosima Strähhuber oder Helmut Mühlbacher melden. (Kontakt: Cosima Strähhuber: 0173 5963911, straehhuber@t-online.de, Helmut Mühlbacher: 0173-8059951, helmutmuehlbacher@gmx.de)

Die nächste Kunstsprechstunde findet am morgigen Freitag um 19 Uhr statt. Claudia Weber, die dritte im Bunde des HANDarbeitWERKraum‘s, präsentiert sich mit teils großformatigen Zeichnungen. Herbert Stahl