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«In the Middle of the River»: Welt der Abgehängten

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"In The Middle Of The River"
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Gabriel (Eric Hunter, l) will den Kindern seiner verstorbenen Schwester Halt geben. Doch Laurence (Max Thayer, r) macht alles immer wieder zunichte. Foto: Farbfilm Verleih Foto: dpa

Gewalt, Waffen, Drogen und Prostitution sind allgegenwärtig. Doch wen interessiert das in einer Welt, die von Gangs beherrscht wird? «In the Middle of the River» erzählt von Menschen, die diesem Alptraum entkommen wollen. Doch ihre Hoffnungen zerbrechen am System.


München (dpa) - Ein junger Mann will den Tod seiner Schwester Naomi rächen. Er verdächtigt seinen gewalttätigen Großvater, den er für diese Schandtat umbringen will. Doch ist das wirklich der richtige Weg und wie weit darf er in seiner Rache gehen?

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Der US-Amerikaner Damian John Harper setzt sich in seinem zweiten Spielfilm mit einem schwierigen Thema auseinander. «In the Middle of the River» taucht in eine Welt ein, die man so im Kino selten sieht. Es ist die Welt der Indianer im ländlichen New Mexico, die von Trunksucht, Gewalt und bitterer Armut geprägt ist. Das Drehbuch entwickelte Harper mit Unterstützung der Cinéfondation der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Herausgekommen ist ein hochspannender und gleichzeitig sehr persönlicher Film mit einer großen, emotionalen Wucht, ein moderner Western, in dem das Recht des Stärkeren gilt, der aber doch auch versöhnliche Momente hat.

Harper studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München. Er stammt aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado, studierte Anthropologie und arbeitete als Ethnologe mit den Zapoteken in Oaxaca im südlichen Mexiko. Dort fand er auch die Geschichten für sein Kinodebüt «Los Ángeles», das 2014 im Forum der Berlinale lief.

Mit «In the Middle of the River» kehrt Harper zurück in die Welt der brutalen Gangs und der Hoffnungslosigkeit, in der schon Kinder ohne Skrupel zuschlagen und gnadenlos nur auf den eigenen Vorteil aus sind. In seinem Drehbuch verarbeitete der Autor und Regisseur eigene Beobachtungen und wahre Geschichten. Dass vieles so authentisch wirkt, liegt nicht zuletzt an den Darstellern, darunter viele Laien, die in ihren Rollen persönliche Erlebnisse einfließen lassen.

Regelrecht klaustrophobisch einengend ist die Zwangsläufigkeit, mit der am Ende doch wieder Gewalt ins Spiel kommt. Gabriel (Eric Hunter) war im Irak-Krieg und will jetzt den geraden Weg gehen: studieren, eine gute Arbeit, Familie, bescheidenen Wohlstand. Doch Verwandte und Freunde stecken tief in einem Sumpf aus Drogen, Kriminalität und Gewalt. Eine Spirale, aus der es kein Entrinnen gibt, auch weil viele die Hoffnung aufgegeben haben. Auf die Polizei ist ohnehin kein Verlass. Sie hält sich raus, wo es nur geht, und misst mit zweierlei Maß. Bei Indianern ist die Sache für die Ordnungshüter ohnehin klar. Gabriel will zumindest den Kindern seiner verstorbenen Schwester Halt geben - ein rührender Versuch. Doch der Großvater (Max Thayer), der im Suff hemmungslos prügelt und sogar um sich schießt, macht alles immer wieder zunichte.

«In the Middle of the River», der mit Beteiligung des ZDF entstand, will nicht nur unterhalten. Der Film ist auch eine Anklage zugunsten von Menschen, die sich vom Rest der USA abgehängt fühlen. Eine Exklave, die keinen interessiert, ein Unrecht, an dem sich wohl so schnell nichts ändern wird. Hoffnungen, Träume und Talente - alle gegen die Wand gefahren. Was tun? Gabriel überlegt, mit seiner Dauerfreundin Dana (Nikki Lowe) und deren Sohn abzuhauen, sich endlich nicht mehr verantwortlich fühlen zu müssen für all das Elend. «Egal, wohin wir gehen, die Probleme lösen sich nicht von allein», stellt Dana ernüchtert fest. «Wir können nicht einfach aufgeben. Wir müssen bleiben. Dein Kampf ist hier, und du musst alles geben, um dir den Sieg zu holen.»

In the Middle of the River