»In Staulagen der Alpen zum Glück noch viel Niederschlag«

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Der Chiemsee hat einen Wasserstand unterhalb des langjährigen Mittels. Doch dieser ist weit entfernt von einem historischen Tiefststand, wie WWA-Leiter Walter Raith betont.

»In den Staulagen der Alpen haben wir zum Glück noch viel Niederschlag, auch wenn die Mengen in den letzten Jahren oft geringer als gewohnt ausfielen«, sagt Walter Raith vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts. Deshalb herrsche in den Landkreisen Traunstein und dem Berchtesgadener Land insgesamt auch noch kein Wassermangel – weder bei Oberflächengewässern, noch beim Grundwasser. Doch auch der Leiter des Wasserwirtschaftsamts stellt fest: Das Wetter verändert sich.


Infolge des Klimawandels gerät der bayerische Wasserhaushalt immer mehr aus dem Gleichgewicht. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Niedrigwasserbericht des Landesamts für Umwelt, der am Montag veröffentlicht wurde (wir berichteten). Die von den Experten zusammengetragenen Daten zu den Jahren 2018 und 2019 sprechen eine eindeutige Sprache: Die stetig steigenden Temperaturen und die stärkere Sonneneinstrahlung verursachen in vielen Regionen zusammen mit sinkenden Niederschlagsmengen Probleme.

In der Region ist diese Auswirkung laut Wasserwirtschaftsamt weniger spürbar als in anderen Teilen Bayerns. Doch es gibt durchaus Veränderungen zu beobachten, wie Walter Raith sagt. »Was wir feststellen, ist neben dem Rückgang der Niederschlagsmengen eine höhere Variabilität der Niederschläge, also zum Beispiel längere Trockenperioden, die dann in den Seen und Flüssen sichtbar sind.«

Außerdem seien die letzten drei Monate von Mitte Oktober bis jetzt trockener gewesen als im langjährigen Mittel.

Aufgrund dessen seien auch in beiden Landkreisen die Grundwasserstände gesunken. Einzelne Messstellen würden hier auch – im Vergleich zum langjährigen Mittel – niedrige und zum Teil auch sehr niedrige Wasserstände aufweisen. Ganz konkret nennt er die Messstellen Winkl 1758A bei Grabenstätt und Grafing/Grassau 981 in der gleichnamigen Marktgemeinde. »Die Mehrzahl der Grundwassermessstellen in den Landkreisen Traunstein und dem Berchtesgadener Land befindet sich aber noch in einem für die Jahreszeit normalen Bereich«, betont Walter Raith.

Auf die Frage nach dem Wasserstand der Seen, sagt der Behördenleiter, dass die großen Seen wie Chiemsee, Königssee und Waginger See allesamt Wasserstände unterhalb des langjährigen Mittels aufweisen würden. »Sie sind aber von historischen Tiefstständen weit entfernt.«

Aufgrund des vergleichsweise hohen Niederschlags durch die Staulage am Fuße der Alpen hätten sich die Trockenperioden der letzten Jahre in den beiden Landkreisen weniger stark ausgewirkt, als in anderen Teilen Bayerns oder Deutschlands. »Dennoch wäre es in der aktuellen Situation für die heimischen Wasservorräte günstig, wenn sich innerhalb der nächsten drei Monaten eine niederschlagsreiche Wetterphase einstellen würde«, betont Walter Raith. Denn bayernweit seien die vergangenen Jahre durchgängig zu trocken gewesen. »Seit 2011 trat kein einziges deutlich zu feuchtes Jahr auf, das wesentlich Niederschläge über dem langjährigen Mittel gebracht hätte. Dafür waren vermehrt Trockenjahre zu verzeichnen«, weiß der Experte.

Auf die Frage, welche Konsequenzen daraus gezogen werden müssten, sagt Walter Raith: »Das Niederschlagsgeschehen können wir nicht beeinflussen. Aber wir haben Handlungsoptionen im Umgang mit dem Wasser.« Heißt konkret für uns alle: Sparsamer mit dem Umgang von Trinkwasser sein. Denn die Wasserversorgung sicherzustellen, ist eine der größten und aktuellsten Herausforderungen des Klimawandels.

KR