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Gemeinde und Bürger ziehen an einem Strang für die zehn Asylbewerber – Jeder hat ein nummeriertes Fahrrad

In Siegsdorf funktioniert die Betreuung

Siegsdorf. Auf positive Resonanz stieß eine Veranstaltung des SPD-Ortsvereins Siegsdorf zum Thema Asylbewerber in Siegsdorf. Denn seit kurzem sind auch in Siegsdorf einige Asylbewerber zu Gast.

Jeden Tag gibt es Deutsch-Unterricht für die Asylbewerber in Siegsdorf, damit sie sich möglichst schnell integrieren können.

Orientalistikstudentin Sophia Weinmann, die etwas Afghanisch spricht und sich in der Betreuung der Asylbewerber engagiert, stellte zunächst ihre Schützlinge vor: neun junge Männer und eine junge Frau, bei 14 Plätzen im Gasthof Neue Post, vier Afghanen, zwei Syrer, zwei türkische Kurden, ein Pakistani und ein Palästinenser aus Gaza sind seit Pfingsten in Siegsdorf; drei haben Familie in Deutschland, ein Asylantrag wurde schon angenommen, für den Betreffenden wird eine Wohnung in Traunstein gesucht.

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Ortsvorsitzender Bernhard Kübler verwies darauf, dass sich die Gemeinde schon sehr früh um eine positive Stimmung im Ort und eine zentrale Unterbringung mit Verkehrsanbindung bemüht habe. Auch habe sie frühzeitig ehrenamtliche Helfer gesucht.

Herbergsvater Herbert Eder berichtete über die Ankunft. Gemeindeamtsleiter Hermann Haslinger kümmert sich um Freikarten für das Siegsdorfer Schwimmbad, der Verein Siegsdorfer helfen Siegsdorfern spendierte Badehosen. Jeder erhielt ein nummeriertes Fahrrad, für das er verantwortlich ist. Auch gab es einen Fahrradkurs, da viele nicht Radfahren können. Mit der Verpflegung hat Wirtin Christa keine Probleme. Sie kocht für die Asylbewerber alles außer Schweinefleisch, da sie ja Muslime sind. Auch der Fastenmonat Ramadan habe gut geklappt.

Sophia Weinmann berichtete über die traumatischen Erlebnisse auf der Flucht, auch von schweren Misshandlungen in Griechenland. Die pensionierte Siegsdorfer Lehrerin Gabriele Jacob hat – wie bereits in Inzell – die täglichen Sprachkurse der Asylbewerber organisiert. Die Bücher werden von der Gemeinde gestellt. Auch der Fahrradkurs wurde zum Spracherwerb genutzt. Ein Asylbewerber sei allerdings Analphabet und bräuchte extra Betreuung und Unterricht.

Ein großes Problem sei die Langeweile, so Weinmann. Die Asylbewerber würden sich gerne handwerklich betätigen und etwas lernen. Für Ausflüge in die Umgebung würde die Gemeinde unter Umständen einen Bus zur Verfügung stellen. Für die sportliche Betätigung wolle Harry German als stellvertretender TSV-Vorstand sehen, ob ein Fußballtraining möglich ist, ebenso ein Besuch der Kegelbahn. Es freue ihn unwahrscheinlich, dass hier in Siegsdorf alles so reibungslos funktioniere und es keine großen Probleme gebe wie anderswo. Schließlich könne man nachvollziehen, warum sie geflohen sind, wenn man schaut, wo sie herkommen.

Die einzige Frau in der Gruppe hat daheim als Schneiderin gearbeitet und wäre gern in dieser Richtung tätig. Birgit Dunst wolle versuchen, sie hier zu unterstützen. Gemeinderat Rainer Klapfenberger erklärte, die Asylverfahren dauerten ein halbes bis zu zwei Jahre. Er wolle noch klären, inwieweit ehrenamtliche Betreuer versichert sind. Alle waren sich abschließend einig, dass eine derartige Veranstaltung vor einem größeren Rahmen wiederholt werden sollte.