weather-image
26°

In Sachen Müllentsorgung: »Fehler haben alle gemacht«

2.0
2.0
Bildtext einblenden
Anfang April haben viele Bürger den Müll noch in den alten Tonne entsorgt. Entleert wurden aber nur noch die des Landkreises (l.).

Berchtesgadener Land – Das Thema »Abfallentsorgung« erhitzt noch immer die Gemüter. Während es nach der Umstellung Anfang April in einigen Gemeinden des Landkreises keinerlei Probleme gab, berichteten andere Bürger von verschobenen Abholtagen, von der Nichterreichbarkeit der zuständigen Stelle im Landratsamt und davon, dass Tonnen über Wochen hinweg gar nicht geleert worden sind. In der jüngsten Sitzung des Kreistages informierten Roman Hausner von der Wurzer Umwelt GmbH und Landrat Georg Grabner gestern über den aktuellen Stand.


Es sei ein riesiges Projekt gewesen, die Abfallentsorgung zurück auf den Landkreis zu übertragen. »Und dazu kam dann ja auch noch die Neueinführung der Biotonne.« Grabner wusste, dass es zu Anlaufschwierigkeiten kommen würde. Er betonte aber, dass beide Seiten Fehler gemacht hätten, auch die Bürger.

Anzeige

Oft bemängelt wurde die Nichterreichbarkeit der zuständigen Personen im Landratsamt. »Das Personal ist deutlich verstärkt worden, dennoch konnte die Flut an Anrufen nicht bewältigt werden«, so Grabner. »Oft kommen auch Fragen oder Beschwerden, die mit dem Landkreis nichts zu tun haben«, so der Landrat weiter. Bei Problemen mit dem »Gelben Sack« zum Beispiel, denn dafür ist das Landratsamt nicht zuständig.

Fehler haben aber auch die Bürger gemacht: Wer im Formular die gewünschte Tonnengröße nicht angegeben hat, hat das Standardtonnenvolumen erhalten. Später sind rund 2 300 Änderungsanträge bei der zuständigen Stelle eingegangen. Eine solche Änderung ist wiederum mit viel Aufwand verbunden: Die falsche Tonne muss abgeholt und die Neue geliefert werden. Außerdem muss der Gebührenbescheid abgeändert werden. »Das geht bei einer solchen Anzahl nicht in 14 Tagen«, so Grabner.

Vertragsstrafen verhängt

Grabner berichtete auch über kuriose Fälle: So hätte ein Bürger einen Fahrer anonym angezeigt. Der Fahrer sei immer betrunken unterwegs. Die Polizei kontrollierte den Mann, ein Alkoholtest ergab einen Wert von 0,0 Promille. Ein anderer Bürger hätte in die 120-Liter-Tonne eben diese Menge Wasser gefüllt, er wollte wohl einen Scherz mit den Fahrern machen.

Ein großer Streitpunkt war seit Anfang April auch die Nichteinhaltung diverser Abfuhrtermine. Drei Vertragsstrafen hat Landrat Grabner der Wurzer Umwelt GmbH deshalb aufgebrummt. Da allerdings ein Subunternehmer für die versäumten Termine verantwortlich war, gab Wurzer die Strafe gleich weiter. Eine Aktion in diesem Zusammenhang ärgerte den Landrat besonders: Der betreffende Subunternehmer hätte seinerseits Zettel in die Mülltonnen der Bürger gesteckt. »Da stand drauf, dass das Landratsamt die Abfalltermine falsch kommuniziert hat.«

Windeln in der Biotonne

Schließlich berichtete Roman Hausner über Schwierigkeiten seitens des Unternehmens. Gerade zu Beginn hätten viele Bürger nach wie vor ihre alten Tonnen befüllt, die von Wurzer allerdings nicht geleert werden konnten. Zudem seien viele Tonnen auch völlig falsch befüllt worden. So zeigten Fotos Restmülltonnen randvoll mit Holzlatten, Metallgittern oder Welldachteilen. »In die Biotonne gehören keine Plastiktüten und auch keine Windeln.« Solche Tonnen werden nicht geleert.

Hausner gab zu, dass Wurzer Probleme mit der Logistik hat. So hätte schon am 15. März dieses Jahres ein Fünftonner geliefert werden sollen, das Fahrzeug ist bis heute nicht eingetroffen. Das Unternehmen hat deshalb zwei Fahrzeuge angemietet, eines davon ist zeitweise ausgefallen – ein Getriebeschaden war die Ursache. »Bei so einem Fahrzeug dauert die Reparatur schon mal zwei Wochen«, gab Hausner zu bedenken. Falsch kommuniziert worden seien auch die Öffnungszeiten der Deponien. Aus der Ausschreibung des Landratsamtes sei hervorgegangen, dass die Stellen freitags bis 15.45 Uhr geöffnet seien, im April standen die Fahrer dann vor verschlossenen Türen. »Inzwischen«, so Hausner, »sind wir auf einem guten Weg. Die Lage normalisiert sich.« Auch die Anzahl der Beschwerden sei gesunken.

Diskussion

In Ainring hätte die Abholung immer gut funktioniert, meldete sich Kreisrat Rudolf Zeif (Freie Wähler) zu Wort. Allerdings würden die Tonnen nach der Leerung oft auf der Straße oder auf dem Gehweg stehen. Hausner versprach, die Fahrer diesbezüglich anzuweisen. Gleichzeitig verwies der Wurzer-Vertreter darauf, dass es schwierig sei, qualifiziertes Personal zu finden, das das ganze Jahr über arbeiten wolle. Eine Aussage, die Landrat Georg Grabner nicht unkommentiert lassen wollte. »Wir haben eine Leistung in Auftrag gegeben, für die wir zahlen, der Rest geht uns nichts an.«

Franz Eder (Grüne) will die Erreichbarkeit der Zuständigen im Landratsamt sichergestellt wissen. Dazu sagte Christian Enninger, Fachbereichsleiter der kommunalen Abfallwirtschaft, dass die Anrufe auf etwa 30 pro Tag gesunken seien und auch die Bearbeitung dank des Personalanstiegs leichter zu bewältigen sei.

Hans Feil (CSU) wünschte sich eine Änderung des Abfuhrkalenders. Denn bei größeren Wohnanlagen würden viele Hausmeister die Tonnen für die Montagsleerung oft schon freitags nach draußen stellen. Dort würden sie dann das ganze Wochenende stehen bleiben. Hans Metzenleitner hat kein Verständnis für diverse Einzelwünsche: »Ich halte das System für richtig, da steckt eine gewaltige Logistik dahinter. Logisch, dass da auch ein paar Geburtswehen dabei sind.« Lena Klein