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In Memoriam Dr. Christoph Bauer

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Dr. Christoph Bauer – wie er leibte und lebte.

Dr. Christoph Bauer ist am Dienstag im Alter von 72 Jahren verstorben. Vielen kulturinteressierten Lesern des Traunsteiner Tagblatts wird er noch lange in guter Erinnerung bleiben, wenn er auch in den letzten drei Jahren nach den Folgen eines Schlaganfalls nicht mehr in der Lage war, ihnen das Kulturgeschehen in seiner unnachahmlichen Art und Qualität nahezubringen.


Als ich Christoph im Jahre 1994 kennenlernte, entwickelte sich zwischen uns alsbald eine Freundschaft, wie sie nur zwischen Gleichgesinnten entstehen kann. Er war es, der mich später dazu bewegte, mich ebenfalls als Kulturberichterstatter zu betätigen. Aufgrund meiner musikalischen Kenntnisse und einiger schriftlicher Exempel hielt er mich als hierfür prädestiniert. Seit dieser Zeit haben wir uns oft getroffen, um unsere Berichte gegenseitig zu begutachten, zu fachsimpeln und das kulturelle Geschehen im Landkreis zu besprechen.

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Aber unter Freunden war natürlich die weitgehende weltanschauliche Übereinstimmung und die damit begründete Philosophie unerschöpflicher Gesprächsstoff. Auch der Humor kam nicht zu kurz, meine Untergewichtigkeit und seine zwar nicht übermäßige, jedoch sichtbare Körperfülle gaben vielfach Anlass zu freundschaftlichem Schlagabtausch. Beliebter Treffpunkt hierfür war seinerzeit das Gasthaus »Zum Kupferkessel« in Waging, aus dem auch die beiliegende Aufnahme stammt. Sie zeigt Christoph, wie er geleibt und gelebt hat und wie ich ihn stets in guter Erinnerung behalten werde.

Zweimal waren wir in diesen Jahren für längere Zeit getrennt, als er nämlich an Universitäten zuerst in Ungarn und dann in Polen berufen wurde, um dort den Studenten deutsche Kultur, Literatur und Sprache nahezubringen. In dieser Zeit blieben wir aber in schriftlichem Kontakt.

Seinen beruflichen Werdegang begann er als Volksschullehrer in St. Georgen. Weitere Stationen waren die Sprachheilschule und die Schule für Lernbehinderte in Neuötting und zum Abschluss eine Lehrerstelle in Marktl am Inn. Dazwischen hatten auch noch ein Studium der Pädagogik, Philosophie, Psychologie und katholischen Theologie mit dem Nebenfach bayerische Kirchengeschichte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und die Promotion im Fach Erziehungswissenschaften sowie eine Zeit als wissenschaftlicher Assistent an der Uni Würzburg Platz. Sein besonderes Interesse galt bis zuletzt den Heiligen und Heiligenlegenden, zu denen er sich durch jahrzehntelange Nachforschungen ein umfassendes Wissen aneignete.

Ein Höhepunkt in seinem privaten Leben war sicherlich die Heirat mit seiner dritten Frau Beate Schulz, mit der er bis zu seinem Tode eine glückliche Ehe führte.

Ziel seiner fundierten Zeitungskritiken war es in erster Linie, die heimischen Künstler zu fördern und aufzubauen. In diese Richtung wirkte er auch durch seine tatkräftige Unterstützung der Traunsteiner Kulturfördervereinigung ARTS. Darüber hinaus war er Mitbegründer des Heimatvereins Waging am See, er engagierte sich im Verein der Freunde von Schloss Gessenberg und war Gründungsmitglied des Waginger Vereins für die Straßenkinder in Nepal.

Christophs Berichte zeichneten sich stets durch fundiertes Fachwissen aus und waren in einem anspruchsvollen und ausgefeilten Stil verfasst, leicht akademisch angehaucht zwar, aber verständlich bleibend. Seine Formulierungskunst und absolute Beherrschung der Deutschen Sprache erhoben sie auf ein nicht leicht erreichbares Niveau. Dabei umfasste sein Fachwissen alle Metiers der Kunst, klassische Konzerte und Oper ebenso wie bildende Kunst und Theater. An der Universität in Polen hatte er sogar selbst ein Theaterstück geschrieben, das mit schönem Erfolg aufgeführt wurde.

Nur mit der modernen Technik stand Christoph auf dem Kriegsfuß. Während ich schon 1996 den Computer-Einstieg vollzog und wenig später meine Berichte per E-Mail-Anhang bei der Redaktion ablieferte, reichte er seine Berichte noch lange handschriftlich ein. Später war dann, angeregt durch seine Frau Beate, ein Faxgerät sein einziges Zugeständnis an die Neuzeit. Er erklärte mir einmal, die handschriftliche Abfassung eines Berichts erfordere äußerste Konzentration und sei daher als Kunst an sich anzusehen, man könne dabei schließlich nicht ständig korrigieren und verbessern. Was dasteht, das steht eben da.

Vor drei Jahren hat mich die Nachricht von seinem schweren Schlaganfall tief betroffen. Er hatte sein Sprachzentrum zerstört und seine Bewegungsmöglichkeit stark eingeschränkt. Seither wurde er von seiner Frau Beate liebevoll betreut, sodass er seine letzten Jahre in den vertrauten vier Wänden verbringen konnte. Seine einzige Beschäftigung in dieser Zeit war das Lesen. Er besaß immerhin an die zehntausend Bücher.

Wenn man über siebzig ist, weiß man um viele Leute, Bekannte und Freunde, denen man nie wieder begegnen wird. Mein Freund Christoph gehört nun auch dazu.