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In Hotels und Gaststätten: Berufe mit Weiterbildungsmöglichkeiten

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Berchtesgaden: In Hotels und Gaststätten – Berufe mit Weiterbildungsmöglichkeiten
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Im Holtel »Grünberger« herrscht kein Mangel an Auszubildenden. Auf dem Foto sind zu sehen (v.l.): Christiane-Maria Schaupp (Arbeitsvermittlerin), Jutta Müller (Vorsitzende der Geschäftsführung Agentur für Arbeit Traunstein), Magdalena Resch, Silke Heckenberger, Lieselotte Grünberger, Amina Ben Mimoun (jr. Chefin), Justin Wagner, Julia Tam (Auszubildende), Eva Kleinhenz, Kilian Putz (Auszubildender). (Foto: privat)

Berchtesgaden – Im Rahmen der Woche der Ausbildung besuchte Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, einen Hotelbetrieb, dem es gelingt, genügend Azubis für sich zu gewinnen. Lieselotte Grünberger vom gleichnamigen Hotel in Berchtesgaden. Sie sprach mit Jutta Müller darüber, warum sich heutzutage immer weniger Menschen für eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe entscheiden.


Der Ausbildungsmarkt hat sich in den letzten Jahren zu Gunsten der Bewerber gedreht. Auch in diesem Jahr gibt es wieder mehr Ausbildungsstellen, als Auszubildende. Im Herbst werden viele Stellen unbesetzt bleiben. Dabei trifft es manche Branchen schlimmer als andere: Besonders für das Hotel- und Gaststättengewerbe sind Auszubildende seltener zu begeistern.

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Bisher (Stand März) haben sich im Landkreis Berchtesgadener Land nur 17 Interessierte auf 64 Stellen beworben. Die Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe bieten in Tourismusregionen allerdings einen Beruf mit Zukunft. In der Küche sieht es ähnlich aus. 47 Ausbildungsstellen, 13 mehr als im letzten Jahr zu dieser Zeit und drei junge Menschen, die sich diesen Beruf ausgesucht haben. Regelmäßige Arbeitszeiten, regelmäßige Pausen und ein gleichmäßiges Arbeitspensum seien die Ansprüche, die heute an das Berufsleben gestellt würden.

Lieselotte Grünberger sagt: »Wenn man sein Image selber kleinredet, darf man sich nicht beschweren und wenn ich jammere, aber nichts tue, wird sich nichts ändern.« Die Ausbildung im Hotel »Grünberger« für die Hotelfachleute und die der Köche ist deshalb anders organisiert. Es gibt eine geregelte 5-Tage-Woche mit festen Arbeits- und Pausenzeiten, die verlässlich eingehalten werden, dazu fünf Ausbilder, die die Qualität der Ausbildung sichern sollen. »Jeder junge Mensch hat seine persönlichen Stärken, aber auch Schwächen, darauf gehen wir ein«, fasst Grünberger ihr Konzept zusammen.

Man müsse die jeweilige Lebenslage der Jugendlichen berücksichtigen. Ist das Elternhaus ebenfalls interessiert am Ausbildungserfolg, gibt es gesundheitliche Einschränkungen oder hat ein Azubi ein ganz besonderes Talent und bringt hohe Wissbegierde mit – solche Aspekte müsse man miteinfließen lassen. »Man muss sich der hohen Verantwortung für die jungen Leute bewusst sein und sie individuell begleiten«, ergänzt Silke Heckenberger, Ausbildungsleiterin im Hotel »Grünberger«.

Deshalb erhält jeder Azubi zum Ausbildungsbeginn einen Ordner mit allen wichtigen Dokumenten, damit jeder Auszubildende überprüfen kann, was Recht und Pflicht und was Dreingabe ist. So werden sämtliche Lehrbücher und auch Tablets mit modernen Lern-Apps vom Arbeitgeber finanziert. Konkurrenzdenken gebe es im Hotel »Grünberger« nicht. Spezielle Erfahrungen in Küche und Hotel, beispielsweise der Ablauf von Banketten, die bei Grünberger nicht angeboten werden können, werden durch eine Kooperation mit einem Banketthotel möglich gemacht.

»Die Ausbildung wird insgesamt schwieriger, weil die Jugendlichen schwieriger werden«, ergänzt Jutta Müller, »der Umstieg von Schule in das Berufsleben gelingt nicht mehr auf die herkömmliche Art und Weise. Kommunikation auf Augenhöhe ist ein gefragtes Kriterium bei der Ausbildungsstellenwahl«. Bei der Suche nach Azubis geht Lieselotte Grünberger auch unkonventionelle Wege. In einem Auslandsurlaub bot sie einem dortigen Hotelangestellten eine Ausbildungsstelle an, der nun im Mai die Ausbildung in Berchtesgaden beginnen wird.

Ob Studienabbrecher oder Bewerber, die mit ihren Noten nicht glänzen können. »Der Wille muss da sein, der Rest ergibt sich meistens mit Geduld«, so das Fazit von Lieselotte Grünberger. Im Landkreis Berchtesgadener Land gibt es derzeit 81 junge Menschen unter 30 Jahren ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung.

»Hotellerie und Gastronomie bieten zukunftsfähige Ausbildungen und die Stellensituation ist derzeit ausgesprochen gut. In den vergangenen zwei Wochen gingen insgesamt 31 Angebote ein. Es lohnt sich immer, eine Ausbildung anzupacken«, ermuntert Müller abschließend. fb