In acht Jahren eine halbe Million Euro Spenden gesammelt

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Was Zukunftsprojekte betrifft, sind die Frauen in Basid zumeist kreativer als die Männer.
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Auf ihren neuen Kindergarten sind die Arbeiter zurecht stolz. Die Einweihung ist für September geplant. (Fotos: Bondes)

Berchtesgaden/Basid – Seit achteinhalb Jahren gibt es nun den von sieben Berchtesgadenern gegründeten Verein Pamir-Hilfe. In dieser Zeit haben die mittlerweile 25 Mitglieder um ihre treibenden Kräfte Peter Bondes (1. Vorsitzender) und Gisela Bondes (Kassierin) eine halbe Million Euro an Spenden gesammelt. Die kamen den Bewohnern der im tadschikischen Bartang-Tal gelegenen Ortschaft Basid zugute. Nach dem Bau einer Krankenstation ist nun auch der neue Kindergarten bald fertiggestellt.


Sehr zufrieden ist die Kassierin mit den in den ersten achteinhalb Jahren gesammelten Spendengeldern. Allerdings bremst Corona auch den Verein Pamir-Hilfe aktuell enorm ein. »Weil es derzeit keine Vorträge gibt, bekommen wir auch weniger Spenden«, erklärte Gisela Bondes, die zusammen mit ihrem Ehemann Peter Bondes nach wie vor die treibende Kraft im Verein ist. Die Ärztin erzählt aber auch von vielen, nicht immer wohlhabenden Einheimischen, die dem Verein hohe Summen von bis zu 2000 Euro zukommen lassen.

Einen Teil der Gelder wollte Gisela Bondes im Oktober letzten Jahres persönlich nach Basid bringen, weil dringend Finanzmittel für die Fertigstellung des vom Verein finanzierten Kindergartens benötigt wurden. Wegen Covid gab es allerdings keine Einreisevisa. Nur weil Gisela Bondes und Kassenprüferin Dorothee Schiegnitz schließlich ein wichtiges Medikament für ein Regierungsmitglied im Gepäck hatten, durften sie doch noch einreisen und konnten so im Rahmen eines Blitzbesuchs die dringend erwarteten Gelder überbringen. Damit konnten die Bauarbeiten fortgesetzt werden.

Ebenfalls über Beziehungen bekamen Gisela und Peter Bondes sowie Franz Grois schließlich in diesem Mai Einreisevisa. Bei ihrem jüngsten Besuch überzeugten sie sich vom Baufortschritt beim Kindergarten, den insgesamt 24 Kinder besuchen werden. »Der Bau wird wunderschön, er ist fast fertig«, freut sich die Ärztin. Unter anderem die Böden müssen noch verlegt werden, »allerdings haben sich auch in Tadschikistan die Holzpreise fast verdoppelt«. Am 9. September, dem 30. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Tadschikistans, soll die Einweihung erfolgen.

Bei ihrem jüngsten Besuch trafen sich die Vereinsmitglieder auch mit den Frauen des Dorfes, um ihre Wunschprojekte zu hören, für die der Verein Anschubhilfe leisten könnte. Die Frauen wünschen sich beispielsweise Materialausstattung für die Zubereitung von Marmelade aus eigenem Obst, Hilfe bei der Errichtung einer Hühnerfarm und für die Verarbeitung von Schafwolle, den Ankauf von Spinn- und Nähmaschinen sowie die Errichtung eines Gewächshauses. All das sollen Projekte für mehrere Familien sein.

Die Schule ist laut Gisela Bondes noch in einigermaßen gutem Zustand, allerdings sollen neue Fenster eingebaut werden. »Und vor allem will ich, dass die Kinder morgens regelmäßig gemeinsam die Zähne putzen«, betont Gisela Bondes. Denn sie hat mehrfach selbst erfahren, wie es um die Zahngesundheit der Bevölkerung in Basid und Umgebung bestellt ist. »Beim letzten Termin haben unsere Zahnärzte 400 Zähne in einer Woche gezogen.«

Sorgen bereitet den Helfern aus Berchtesgaden immer noch die schlechte Wasserqualität im Tal. Die sogenannte Gletschermilch, extrem trübes, sandiges Wasser aus dem Bartang-Fluss, lässt sich auch mit Filtern nicht reinigen. So denkt man nun an eine 30 Meter tiefe Bohrung, um sauberes Grundwasser zu gewinnen. Und dann gibt es da noch das Brillenprojekt eines Optikers aus Prien. Michael Staudt hat unter anderem in Bolivien und Kenia bereits Brillenwerkstätten eingerichtet. Dort können sich die Einheimischen mit etwas Know-how die Brillen zum geringen Preis selbst herstellen. Das schafft mehr Lebensqualität und auch neue Arbeitsplätze. Michael Staudt will demnächst einmal mit nach Basid reisen, um die Voraussetzungen für so ein Projekt zu prüfen.

Noch etwas warten müssen wird das Turnhallenprojekt. Die aktuelle Halle ist zwar äußerst desolat und einsturzgefährdet, doch dafür müssen zunächst noch Spendengelder gesammelt werden.

Laut Gisela Bondes konnte im Jahr 2020 wieder eine stattliche Summe in die Verbesserung der Infrastruktur in Basid investiert werden. Das meiste Geld gibt man für die einheimischen Arbeiter aus, die monatlich 200 US-Dollar pro Mann erhalten. Damit haben mehrere Familien ein gutes Einkommen. Die Voraussetzungen für weitere Infrastrukturverbesserungen im Bartang-Tal sind mit den Plänen des Vereins Pamir-Hilfe geschaffen. Ein wenig Sorge aber bleibt, dass durch den Rückzug der NATO-Truppen aus Afghanistan auch in Tadschikistan die Taliban aktiv werden könnten.

Ulli Kastner