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Im Namen Gottes das Beste gegeben

Bischofswiesen - »Zwinge niemandem deinen Glauben auf, sondern lebe so, dass du selbst danach gefragt wirst« - das ist das Motto von Pfarrer Bernhard Bielasik. Seit 25 Jahren ist er im Namen des Herrn unterwegs und seit fast einem Jahr im Pfarrverband Bischofswiesen-Strub-Winkl tätig. Anlässlich seines morgigen Priesterjubiläums hat die Heimatzeitung mit dem 66-Jährigen über eine positive Lebenseinstellung, über die Umstrukturierung der Kirche und die Weisheit des Alters gesprochen.

Dass er einmal Pfarrer werden wollte, wusste Bernhard Bielasik schon mit neun Jahren. Er kann sich noch erinnern: »Damals durfte ich meinen Vater auf Montage begleiten und in der Pension, in der wir übernachtet haben, hat mich die Wirtin auf den Schoß genommen und gefragt, was ich mal werden will, und ich habe gesagt ›Pfarrer ‹«. Die 68er hätten ihn allerdings kurzfristig von seinem Berufswunsch abgelenkt. Politik sei zu der Zeit spannender gewesen als Kirche, Jura schien das bessere Studium zu sein. »Ich dachte mir, vielleicht kann ich ja dann Bundeskanzler oder Abgeordneter werden.«

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Mit 33 Jahren trat er dann aber doch ins Priesterseminar ein. »Warum der liebe Gott mir das ins Herz gelegt hat, weiß ich nicht, es war Berufung«, ist er überzeugt. Keinen Tag der letzten 25 Jahre, die viel zu schnell vergangen sind, möchte er missen. »Jetzt bin ich schon ein Jahr hier in Bischofswiesen und jeder Tag ist voll und ganz ausgefüllt.« Mittlerweile sei er so richtig angekommen in seiner neuen Heimat. »Anfangs war es ein bisschen schwer, ich musste mich erst wieder neu eingewöhnen und mit 66 Jahren bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste. Aber die Leute haben mich sehr nett aufgenommen.«

Wie lange er bleibe, werde er oft gefragt. »Gesagt haben sie, ich soll bis 75 arbeiten, müssen würde ich nur bis 70. Aber es gibt zu wenig Pfarrer, deswegen wird es immer gerne gesehen, wenn nach dem Ruhestand noch ein bis zwei Jahre drangehängt werden. Und wir verpflichten uns ja auch, ein Leben lang für die Kirche zu arbeiten.«

Offen sein und locker, dass will Bernhard Bielasik und wie er das so sagt, in seiner heiteren Art, mit einem Lächeln im Gesicht, glaubt man ihm das auch sofort. »Was hilft es mir, wenn ich mit Würde und Ernst unterwegs bin, aber die Menschen nicht erreiche. Mit Fröhlichkeit geht das am besten.« Seine positive Einstellung gibt ihm recht. Es kämen viele Leute zu ihm und in der Notfallseelsorge sei er noch niemals von jemandem weggeschickt worden. »Vielleicht spüren die Menschen, dass ich als Mensch zu ihnen komme und helfen will.« Nahe am Menschen zu sein, das ist Pfarrer Bielasik sehr wichtig. Wobei Glaube und Worte alleine nicht helfen, sagt er, »es braucht auch gute Taten«.

Von Kritik, der Kirche allgemein ausgesetzt ist, spürt Bernhard Bielasik in Bischofswiesen wenig. »Hier im Berchtesgadener Land ist man sehr traditionsbewusst, da ist höchstens Kritik zu erwarten, wenn man etwas radikal verändern will.« Auch Kirchenaustritte verzeichne er kaum in seiner Pfarrei, dafür umso mehr Taufen. Fast 50 waren es alleine im letzten Jahr. Davon abgesehen, hält Bernhard Bielasik Kritik für nichts Schlechtes, im Gegenteil, manchmal sei sie notwendig, um Dinge wieder zusammenzuführen oder etwas gemeinsam besser zu gestalten. In seinen Predigten legt er Wert darauf, Worte zu erklären, damit die Menschen ihn auch verstehen, damit die Botschaft ankommt. Aber er erwartet von seinen Schäfchen auch, dass sie bereit sind, sich mit Glaube und Bibel auseinanderzusetzen. »Wenn einer verstehen will, dann versteht er. Und wenn er dafür nachfragen muss.« Das Interesse zu wecken, das sei allerdings die Aufgabe der Kirche, sagt Pfarrer Bielasik. »Und da bin ich drum bemüht: den Glauben und das Wort Gottes bei den Menschen zu verankern.« Mit Verständigungsproblemen hätte im Übrigen schon Jesus zu kämpfen gehabt, sogar aus seiner eigenen Heimat sei er vertrieben worden, weil er dort nicht verstanden wurde.

Der Priestermangel und die Zusammenlegung von Pfarreien stelle Pfarrer heute vor Herausforderungen, das weiß der 66-Jährige. »Früher habe ich zwei Pfarreien betreut, jetzt sind es schon drei. Das macht mehr Arbeit, auch wenn es nicht recht viel mehr Katholiken sind.« Ihm stünden zwar noch zwei Gemeindereferentinnen zu Seite, aber wenn eine ausfällt, gerate der Rest schnell an Belastungsgrenzen. Den Pfarrermangel sieht er mit Besorgnis, »aber nicht nur, weil man die Pfarreien nicht mehr abdecken kann, sondern weil die Kirche als Institution der Glaubensvermittlung leidet. Sie tun sich heute schon schwer, jemanden zu finden, der noch alle sieben Sakramente oder die sieben Werke der Barmherzigkeit aufzählen kann. Früher war das total selbstverständlich.« Irgendwann werde man die Kompetenzen auf Laien, das heißt auf Personen, die nicht geweiht und nicht mit der Seelsorge beauftragt sind, ausweiten müssen, glaubt Bielasik. In Lateinamerika, wo mancher Pfarrer 60 000 oder 70 000 Katholiken zu betreuen hat, sei das gang und gäbe. Auch sakramental könnte man die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen, aber das müssten die Bischöfe entscheiden, sagt er und fügt in seiner positiven Art hinzu: »Und der Heilige Geist wird es lenken, letztlich wurde die Kirche so immer durch die Zeit geführt.«

Auf die Frage, ob es eigentlich auch eine Privatperson Bernhard Bielasik gibt, schüttelt er den Kopf. »Nein, eigentlich nicht, es ist untrennbar miteinander verbunden, man sieht alles immer mit den Augen einer Person, die von Gott eine besondere Aufgabe bekommen hat.« Wenn ihn Menschen brauchen, hört er zu und ist da, freier Tag hin oder her. Wenn er dann aber doch mal ein paar Stunden für sich hat, geht er gerne auf den Berg. Auf die Kührointalm hat er es im vergangenen Jahr immerhin schon einmal geschafft. Mit seinen 24 Stunden ist Bernhard Bielasik ein Tag einfach zu kurz.

Wenn er zurückblicke auf die letzten 25 Jahre, könne er eins gewiss sagen: »Ich habe im Namen Gottes für die Menschen mein Bestes getan.« Überhaupt sei Menschenfreundlichkeit eines seiner liebsten Worte. »Auch wenn es nicht leicht ist, alle gern zu haben. Aber je älter ich werde, desto mehr gelingt es mir. Man wird einfach gelassener und ruhiger. Ich bin an meiner Aufgabe gereift und das selbst zu merken, ist ein schönes Gefühl.« kb