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Dr. Caren Lagler kennt eine Eselsbrücke: Das kleine altdeutsche »z« symbolisiert den zunehmenden Mond, das kleine »a« den abnehmenden Mond. (Foto: Lisa Schuhegger)

Im Einklang mit dem Mond

Marktschellenberg – Der Mond ist stetiger Begleiter der Erde, er beeinflusst die Gezeiten und nimmt Einfluss auf den menschlichen Körper, ist die Marktschellenberger Ärztin Dr. Caren Lagler überzeugt. Sie erklärt, wie sich die Mondphasen konkret auf den Körper auswirken.


Dazu beschreibt sie zunächst die vier Zustände des Mondes in seinem Zyklus. Diesen Monat war am 1. Februar Neumond. Der Mond befand sich zwischen der Erde und der Sonne und war am Himmel nicht sichtbar. »Neumond eignet sich für einen Neustart«, sagt Dr. Caren Lagler. Es falle den Menschen um Neumond leichter, Altlasten abzulegen. Die Fastenärztin empfiehlt, Neumond zum Entgiften, Entschlacken und Entsäuern zu nutzen.

Innerhalb der zweiwöchigen Phase des zunehmenden Mondes zeigt sich eine Sichel am Himmel, die sich stetig zu einem Halbmond und schließlich zum Vollmond vergrößert. »Bei zunehmendem Mond baut der Körper auf«, erklärt Dr. Caren Lagler. »Er kann Nährstoffe, Mineralien und Vitamine besonders gut aufnehmen und verwerten.« Stärkende Infusionen beispielsweise gebe sie in der Phase des zunehmenden Mondes. Aus Erfahrung weiß die Allgemeinärztin, dass sich viele Menschen bei zunehmendem Mond besonders aktiv fühlen.

Bei Vollmond befindet sich der Himmelskörper direkt gegenüber der Sonne. Er leuchtet in seiner Gänze. »Diesen Monat ist am 16. Februar Vollmond«, sagt der Medizinerin ein Blick in ihren Kalender. »Vollmond ist die Zeit der Fülle«, erklärt sie. Bei Vollmond lagere der Körper oft Wasser ein. Viele Menschen hätten eine erhöhte Körpertemperatur und einen gesteigerten Appetit. »Es wird mehr Magensaft produziert«, erklärt sie den Hunger auf oft gehaltvolle Speisen. Aus Erfahrung weiß die Ärztin, dass bei Vollmond viele Menschen eine innere Unruhe fühlen und schlecht schlafen. »Das muss nicht immer so sein«, räumt die dreifache Mutter ein. »Meine Kinder haben meist kurz vor Vollmond schlecht geschlafen.«

Nach Vollmond nimmt der Mond ab, bis er schließlich als Halbmond, als Sichel erscheint, dann neuerlich nicht mehr sichtbar ist. »Bei abnehmendem Mond leitet der Körper aus«, sagt Dr. Caren Lagler. »Wunden heilen oft besser.« Zudem sehnen sich bei abnehmendem Mond viele Menschen nach Ruhe und Entspannung.

Schlafstörungen an Vollmond, Antriebslosigkeit kurz vor Neumond, Dr. Caren Lagler hat häufig mit Menschen zu tun, die die Einflüsse der beiden starken Mondphasen besonders spüren. Die Marktschellenberger Ärztin sagt: »Das sind meist sehr sensible und feinfühlige Menschen, häufig auch Frauen.«

Sie verweist darauf, dass der weibliche Zyklus nicht selten mit dem Zyklus des Mondes im Einklang stehe. So setze der Eisprung vieler Frauen um Vollmond ein, die Menstruation zu Neumond. »Deswegen heißt es, Frauen sind an Vollmond besonders fruchtbar«, sagt die Medizinerin.

Die Fastenärztin hat erst vor Kurzem bei »Fit durch unser Gmoa« (eine Aktion der Gemeinde Schönau am Königssee, wir berichteten) eine fünftägige Scheinfastenkur angeleitet und den Fastenden empfohlen, sich sieben Kuren im Jahr zu gönnen. Jenen, denen fünf Fastentage zu viel sind, empfiehlt sie, nach dem »Ekadashi-Prinzip« zu fasten. Sie erklärt: »Ekadashi bezeichnet jeweils den elften Tag nach Voll- und nach Neumond.« In Indien gelten die »Ekadashi-Tage« als besondere Feier- und Fastentage, die alle zwei Wochen dazu einladen, den Körper, den Geist und die Seele zu entlasten und zu reinigen.

Dr. Caren Lagler hat sich in die Literatur eingelesen und berichtet, dass nach der ayurvedischen Lehre das Fasten an solch einem »Ekadashi-Tag« vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenaufgang am nächsten Tag dauere. »Das muss nicht sein«, sagt sie. Sie plädiert stets dafür, gesundheitsfördernde Maßnahmen, dazu zählt auch das Fasten, individuell zu gestalten. »Wie es für einen selbst gut ist«, betont sie. »Manche Menschen vertragen es, 24 Stunden lang auf feste Nahrung zu verzichten und nur Wasser und Kräutertee zu trinken, anderen tut es gut, nur basische Nahrungsmittel zu sich zu nehmen«, erklärt die Medizinerin, die nicht müde wird, hervorzuheben, dass alleine durch den Verzicht auf Nahrung noch lange nicht gefastet ist.

Sie nennt eine Fastenkur gerne auch »Auszeitkur«. »Zu einem Fastentag gehört, sich leicht bewegen, sich ausruhen, sich entspannen, vielleicht sogar meditieren«, führt sie auf.

Für die Leser des »Berchtesgadener Anzeigers« hat sich Dr. Caren Lagler etwas Besonderes überlegt: zwei »Familien-Ekadashi-Tage« im Monat. »Jeweils am elften Tag nach Neumond und am elften Tag nach Vollmond gönnt sich die Familie eine Auszeit.« Auch Kinder könnten mitmachen, sagt die Medizinerin und schlägt vor, die »Ekadashi-Tage« als Weißmehl-, Süßigkeiten- und Fernseh-freie Tage zu gestalten. »Wie wäre es mit einem Buchweizenauflauf für die Kinder, Früchten für die Eltern und einem ausgedehnten Spaziergang für die ganze Familie?« Der nächste »Ekadashi-Tag« ist am 12. Februar.

Lisa Schuhegger