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Im Durchschnitt rund 380 Besucher täglich

Berchtesgaden – Mit der Entwicklung beim »Haus der Berge« kann Dr. Michael Vogel, Leiter der Nationalparkverwaltung, durchaus zufrieden sein. Knapp 38 000 Ausstellungsbesucher mit Tickets kamen in den ersten 100 Tagen seit Beginn des Probebetriebs am 10. Mai in das Berchtesgadener Informationsgebäude. Doch gleichzeitig plagt den Parkchef die Sorge, dass sein Personal den Betrieb auf Dauer nicht stemmen kann. Mindestens zwei weitere Stellen hält Dr. Vogel für erforderlich.

Es läuft im »Haus der Berge«. Fast 38 000 Ausstellungstickets wurden in den ersten 100 Tagen seit Beginn des Probebetriebs verkauft. Foto: Anzeiger/Kastner

Dass laut Dr. Vogel besonders bei schlechtem Wetter »die Bude voll ist«, verwundert nicht unbedingt. Doch Gäste und Einheimische ließen sich in beachtlicher Zahl auch während der Hitzeperiode sehen. »Unser Kühlsystem funktioniert hervorragend. Viele Leute kommen gerade deshalb, weil es bei uns so schön kühl ist«, sagt der Parkchef. Schließlich hätte man im alten Nationalparkhaus bei schönem Wetter eigentlich zusperren können, so wenige Gäste kamen dann. So ist Dr. Michael Vogel mit den ersten 100 Tagen »Haus der Berge« durchaus zufrieden.

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Erfreut zur Kenntnis nahm der Nationalpark-Leiter, dass die anfängliche Kritik der Einheimischen vor allem an der Außenansicht des Gebäudes mittlerweile deutlich abgenommen hat. Vogel bewertet die Aussage eines ursprünglich sehr kritischen Berchtesgadeners sogar als Lob: »Des hätt's zwar ned unbedingt braucht, aber eigentlich is' ned schiach.« Und weil die Einheimischen sich bereits mit dem »Haus der Berge« identifizieren, schicken sie auch fleißig ihre Gäste, was der Nationalpark-Chef erfreut zur Kenntnis nimmt.

Bei den meisten Besuchern ist die Zufriedenheit deutlich zu erkennen. »Viele loben die Atmosphäre im Haus und auch das Äußere stößt auf Gefallen«, sagt Dr. Vogel. Um den Besuchern ein positives Gefühl zu vermitteln, bedarf es aber einer guten Betreuung. Sechs Vollzeitkräfte kümmern sich derzeit um den laufenden Betrieb und stehen für Auskünfte zur Verfügung. »Zu wenig«, sagt Dr. Michael Vogel deutlich und fügt an: »Wenn ich die Überstunden des Personals zusammenzähle, dann kann ich das Haus im November für heuer schließen.« Zwei weitere Stellen sind laut Dr. Vogel notwendig, um das »Haus der Berge« auf Dauer betreiben zu können. Derzeit springen bei Urlaub und Krankheitsfällen teilweise die Ranger ein. Und die Ausstellung kann gar nicht mit einer Kraft besetzt werden. »Dabei wäre es so wichtig, dass hier jemand für die Fragen der Besucher zur Verfügung steht«, erklärt Vogel. Der zeigt sich aber optimistisch: »Wir werden die Stellen schon kriegen. Ich muss halt den Leidensdruck erhöhen und erst einmal ein paar weitere Watschen einstecken.«

Neben den Touristen konnten Dr. Vogel und seine Mitarbeiter in den letzten Wochen auch zahlreiche Fachleute durch das »Haus der Berge« führen. Es kamen Kollegen von anderen Nationalparks, Architekturinteressierte oder Techniker. Auch internationale Delegationen aus aller Welt informieren sich hier regelmäßig über den Nationalpark Berchtesgaden.

Gut angenommen wird genauso der Bereich Umweltbildung. Hier hat man bereits 820 Kinder beim Besuch von Schulklassen und Kindergärten betreut. Im Rahmen von Sonderveranstaltungen kamen noch einmal 200 Kinder. Außerdem bildeten sich hier schon über 200 Lehrer und Erzieher fort. »Wir sind immer ausgebucht«, sagt Vogel.

Der Nationalparkchef hat den Eindruck, dass die meisten Besucher im »Haus der Berge« einen realen Besuch im Nationalpark vor- oder nachbereiten. »Sie holen sich hier Informationen über Wanderungen, über das Wetter oder besorgen sich Karten.« Für Gruppen, die von auswärts anreisen, ist das Haus aber auch oft alleiniges Ziel. Sie erfreuen sich an den zahlreichen Angeboten im Haus, von denen der Almkaser ein Hauptanziehungspunkt ist. Hier erfährt man anhand eines Films, der im Kaser läuft, vieles über das Leben und die Arbeit auf der Alm. Auch das offene Kino neben der Eingangshalle hat sich zu einem Renner entwickelt. »Das ist eine Einladung an die Leute, die Ausstellung zu besuchen«, sagt Dr. Michael Vogel.

Freilich ist nicht alles von Anfang an rund gelaufen. Es waren die Besucher selbst, die zur Freude von Michael Vogel auf Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen haben. So kam man schnell darauf, dass die Audioguides starke Schwächen haben, weil sie den Standort des Besuchers nicht richtig erkannten. So hat man das Audioguide-System erst einmal auf Eis gelegt und überarbeitet. Jetzt soll es verbessert wieder anrollen. Mittlerweile gibt es auf Anregung der Besucher auch Sitzgelegenheiten in der Ausstellung und einen Wickeltisch in der Damentoilette.

Auch selbst hat Dr. Michael Vogel noch einen Wunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat. Er hofft, dass es bald ein Leitsystem gibt, das potenzielle Besucher von der Autobahn direkt zum »Haus der Berge« leitet. Hier sieht Vogel nicht den Nationalpark, sondern vielmehr die Kommunen beziehungsweise den Tourismus in der Pflicht. Ulli Kastner