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»Ich bin gekommen, um ein neues Leben anzufangen«

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Sie sind froh, dass sie endlich Arbeit gefunden haben: die jungen Spanier Ignacio Sánchez Soria (von links), Inès Álvarez Sampedro und Robin Arnez Barba zusammen mit Bäckermeister Gerhard Kotter. Nach dem Praktikum beginnen die Drei im September eine Ausbildung. (Foto: Artes)

Traunstein. 16 junge Spanier sind derzeit in elf Unternehmen im Landkreis Traunstein, da sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden. Drei von ihnen machen derzeit ein achtwöchiges Praktikum bei der Bäckerei Kotter in Traunstein: Robin Arnez Barba, Ignacio Sánchez Soria und Inès Álvarez Sampedro.


Nach Deutschland gekommen sind die Drei im Rahmen des Modellprojekts »career«, (siehe Kasten), da sie in ihrer Heimat keine beruflichen Perspektiven haben. Seit etwas mehr als einer Woche sind die Spanier jetzt im Chiemgau und haben sich bereits etwas eingelebt.

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Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtet die junge Spanierin Inès Álvarez Sampedro von den wirtschaftlichen Problemen in ihrer Heimat. Die 31-Jährige aus dem Norden Spaniens hat Lebensmitteltechnologie studiert, aber nach dem Studium keine Arbeit gefunden. »Ich habe dann als Kellnerin gearbeitet, aber das war nicht das Richtige für mich«, erzählt die junge Frau – sogar auf Deutsch. In intensiven Sprachkursen noch in Spanien lernte sie sehr schnell unsere Sprache, sodass sie sich fast problemlos verständigen kann. Auch ihr Freund möchte nach Deutschland, erzählt sie weiter, »auch er ist arbeitslos und hofft auf einen Neustart.« Dafür lernt auch er in der Heimat schon fleißig Deutsch.

Gute Sprachkenntnisse haben alle Spanier, die am Projekt teilnehmen. Bereits im März starteten in Spanien die Sprachkurse, »jeden Tag hatten wir sechs Stunden Unterricht«, erzählt Inès. Diese werden auch hier fortgesetzt, damit die bisherigen Kenntnisse weiter intensiviert werden.

Als die junge Frau, wie auch ihre beiden Kollegen, der 18-jährige Ignacio Sánchez Soria und der 33-jährige Robin Arnez Barba, vom Projekt erfuhren, stand für sie schnell fest, »das ist die Chance für einen Neustart.« Robin hat in Spanien schon als Bäcker gearbeitet, dann aber keine neue Anstellung gefunden. Ignacio hat gerade sein Abitur gemacht: Da es in Spanien gerade für junge Menschen kaum eine berufliche Perspektive gibt, wollte er ins Ausland.

Sehr erfreut, dass er jungen Menschen eine Chance auf einen Neustart geben kann, ist Bäckermeister Gerhard Kotter. Als er vom Projekt erfahren hat, war er sofort begeistert. »Jugendarbeitslosigkeit ist das Schlimmste, was es gibt«, berichtet er im Bezug auf die schlechte wirtschaftliche Situation in Spanien. Da es im Landkreis Traunstein aber auch nicht einfach ist, Auszubildende zu finden, freut er sich umso mehr, nun drei »fleißige und motivierte Arbeitskräfte« gefunden zu haben. Auch in zehn weiteren Betrieben in der Region, zum Beispiel in den Bereichen Gesundheitswesen, Hotellerie oder in der Bau-Branche arbeiten weitere Spanier in den nächsten Wochen mit. Dann können sie entscheiden, ob sie bleiben wollen und eine Ausbildung beginnen oder in ihre Heimat zurückkehren werden.

»Ich bin hierher gekommen, um ein neues Leben anzufangen«, erzählt Inès. In Spanien haben sie und ihre Kollegen sich für die Stellen beworben und Gespräche geführt. Die Betriebe in der Region bekamen dann Vorschläge mit den Bewerbern zugeschickt, aus denen sie auswählen konnten. »Mir wurden drei Vorschläge gemacht und diese Drei habe ich auch genommen«, berichtet Gerhard Kotter. Natürlich hofft er, dass sich alle drei nach dem achtwöchigen Praktikum entscheiden, eine Ausbildung in seinem Betrieb zu beginnen. Dann würden sie, wie jeder andere Auszubildende auch, ganz normal die Berufsschule besuchen.

In Traunstein haben sich die drei Spanier trotz der kurzen Zeit schon gut eingelebt. Untergebracht sind sie alle zusammen in einer Wohnung in Büchling, Fahrräder haben sie bekommen, damit sie mobil sind. Auch die Arbeit macht den Spaniern viel Freude, wie Inès erzählt. Und Gerhard Kotter ergänzt: »Inès durfte zuerst bei den süßen Sachen mithelfen, Plunderteile, Nuss-Schnecken und Croissants. Die Männer haben schon Brezen gemacht oder helfen beim Ofen. Die übernehmen die Männerarbeit.«

Zur Seite stehen den jungen Spaniern sogenannte Kümmerer, die sie im Alltag unterstützen, ihnen bei der Wohnungssuche geholfen haben und ihnen am Wochenende die Umgebung zeigen. Inès nennt diese liebevoll »die Engel«. Auch das bayerische Essen haben die Spanier schon kennengelernt. »Brezen mag ich nicht, aber Würstchen sind ganz gut. Und natürlich das Bier«, erzählte Inès mit einem Lachen im Gesicht. jar