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Hunderte Jugendliche und Junggebliebene feierten bei Rock am Rathaus in Berchtesgaden.

Hunderte Fans bei schweißtreibendem Open Air »Rock am Rathaus«

Berchtesgaden – »It’s time to rock ‘n roll«, so kündigte Extrembergsteiger und »Plastic Surgery Disaster«-Frontmann Thomas Huber den Auftritt seiner Band an. Hunderte Musikfreunde jeden Alters feierten bei der inzwischen 13. Auflage von »Rock am Rathaus« mit. Das fünfstündige Minifestival mit fünf Bands sei ein voller Erfolg gewesen, sagt auch Berchtesgadens Jugendreferentin Franziska Böhnlein rückblickend.


»Ich war so unglaublich aufgeregt«, sagt Thomas Huber. Er ist das bekannteste Gesicht der fünf Bands, die bei »Rock am Rathaus« ihren großen Auftritt hatten: »Homeless Kings«, »Kilian«, »In Bloom«, »Stoned Agnes« und eben »Plastic Surgery Disaster«. Vor 23 Jahren hat Huber mit seinen Mitstreitern die Band gegründet. »Es war die Kindsfeier meines Sohnes Elias. Da hatten wir die Idee, dass wir eine Band ins Leben rufen«, erzählt Huber.

Ein knappes Vierteljahrhundert später teilt sich der 55-Jährige die Bühne mit seinen Söhnen Elias und Amadeus, 23 und 19 Jahre alt. Die beiden spielen in einer eigenen Formation, bei »Stoned Agnes«. Der ältere Sohn Elias an der Gitarre, Amadeus sitzt am Schlagzeug. Und Thomas Huber? Der ist stolz, dass er nicht nur Frontmann ist, sondern auch dem eigenen Huber-Nachwuchs beim Musikmachen zuschauen darf.

Vor dem Berchtesgadener Rathaus haben sich vor der Bühne Hunderte Besucher versammelt, es ist Kurze-Hose-Wetter. Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp ist wie jedes Jahr erschienen. Er unterstützt bei der Durchführung. »Rock am Rathaus« ist die einzige von der Marktgemeinde initiierte Musikveranstaltung dieser Größenordnung. Vorne dran Jugendreferentin und Gemeinderätin Franziska Böhnlein, die schon seit Wochen mit Instagram-Stories die Werbetrommel rührt.

Wummernde Bässe und kreischende Gitarren sind die Zutaten des Open-Airs, das Verantwortliche als »kleines und feines Musikfest« beschreiben. Mit den Jahren hat sich die Veranstaltung etabliert.

Für Thomas Huber bedeutet Musik »einfach alles«. Musik sei ein Transportmittel für das, was er sagen möchte. »Musik ist manchmal vergleichbar mit einem Spiegel der Seele«, sagt er. Nur gut, dass die Sprache, die er als Sänger gewählt hat, Englisch ist: »Dann versteht mich nicht jeder beim Schreien.«

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Thomas Huber, Bergsteiger und Frontmann von »Plastic Surgery Disaster«. (Fotos: Kilian Pfeiffer)

Wer ihn auf der Bühne sieht, erlebt einen anderen Thomas Huber. Nicht konzentriert wie am Felsen. Sondern hüpfend und springend, losgelöst vom Umfeld. Das Mikrofon ist das Werkzeug, mithilfe dessen er seine Botschaft in die Welt schreit. »Ich bin jedes Mal furchtbar nervös«, sagt er. »Auf der Musikbühne fühlt man sich nackter, als bei den Vorträgen über die Berge.« Im Mittelpunkt stehen, das will er als Musiker aber nicht. »Eine Band besteht aus mehr Personen als aus einem Thomas Huber«, sagt der Frontmann.

So ist die Band am Ende nur eine von insgesamt fünf Gruppen, die die Leute vor der Bühne teils frenetisch und bis in die späten Abendstunden hinein feiern. Manchmal ging es wild zu dabei: Tosender Applaus, Menschen, die von Händen getragen über die Köpfe der anderen »hinweg schwebten«, in der Fachsprache »crowdsurfing«.

»Wir haben eine echte Punktlandung geschafft«, sagt die Jugendreferentin Böhnlein stolz: Musiker und Zuschauer sind zufrieden, das Wetter hätte nicht besser ausfallen können. Gegen halb elf abends sind dann auch Getränke und Speisen ausverkauft. Das gab es so noch nie. Auch bei der Polizeiinspektion Berchtesgaden gab es keine Vorkommnisse zu vermelden.

Im kommenden Jahr soll die Veranstaltung wieder stattfinden. »Denn Musik verbindet«, sagt Thomas Huber.

Kilian Pfeiffer