Humor als »gute geistige Ressource«

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Über sich selbst lachen zu können, ist eine wichtige Eigenschaft eines gesunden Geistes.

Tipps für ein starkes Immunsystem - Teil 5: Dr. Frank Stepputat, Facharzt für Psychosomatik und Psychotherapie.

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Wie schütze und stärke ich mein Immunsystem in der Erkältungs- und Grippezeit? Und welche Rolle spielt dabei eigentlich die Psyche? Auch angesichts der Corona-Pandemie beschäftigen diese Fragen immer mehr Menschen. Das Traunsteiner Tagblatt hat verschiedene Gesundheitsexperten gebeten, ihre besten Tipps zum Fitbleiben zu verraten.

Wie halten Sie sich persönlich geistig fit?

Grundsätzlich lässt sich festhalten: Alles, was sich positiv auf den Geist auswirkt, wirkt sich auch immer auf den Körper aus und umgekehrt. Ich meditiere regelmäßig und übe Achtsamkeit in meinem Alltag. Einmal die Woche besuche ich einen Yoga-Kurs, der jedoch wegen Corona momentan leider ausfallen muss. Ich versuche, mir deshalb mit Online-Angeboten auszuhelfen.

Manchmal suche ich bewusst die Einsamkeit und Stille, um darin Kraft zu tanken. In Traunstein gibt es viele schöne Orte der Ruhe: Am besten gefällt mir hier die St.-Oswald-Kirche. Darüber hinaus beschäftige ich mich bewusst mit positiven Dingen wie interessanten Büchern und Filmen oder guten Gesprächen. Ich konzentriere mich auf das, was ich habe und nicht auf das, was mir fehlt.

Auch wenn ich mal etwas falsch gemacht habe, versuche ich, gut und wohlwollend mit mir umzugehen. Dabei hilft es mir auch, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen und über mich selbst zu lachen, wenn etwas schiefgelaufen ist. Humor ist immer eine gute geistige Ressource.

Und wie halten Sie sich körperlich fit?

Ich achte auf ausreichend Bewegung, gutes Essen, viel Schlaf. Im Sommer fahre ich viel Rennrad, im Winter gehe ich ins Fitnessstudio. Lange Spaziergänge mit meiner Frau und unserem Hund sind nicht nur während des Lockdowns ein wichtiger Beitrag für geistige und körperliche Fitness.

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Dr. Frank Stepputat sucht bewusst Stille und Einsamkeit, um darin Kraft zu tanken.

Welche Rolle spielt die Psyche bei der Erhaltung eines gesunden Immunsystems?

Seelische Befindlichkeiten und Belastungen haben einen großen Anteil an den Kreisläufen in unserem Immunsystem. Kurze Stressbelastungen sind kein Problem und auf eine Art sogar stimulierend. Emotionaler Dauerstress allerdings kann die Funktionsfähigkeit des Immunsystems negativ beeinflussen und zum Beispiel Entzündungsreaktionen, Allergien und Krankheitsschübe begünstigen. Psychosoziale Belastungen können diesen Dauerstress auslösen. Das sind etwa Konflikte am Arbeitsplatz, ständiger Streit mit dem Partner, ein chronisch krankes Familienmitglied oder andere private Probleme. Nach Phasen von körperlichen oder seelischen Belastungen brauchen wir also eine Erholungsphase, damit die Systeme in unserem Körper wieder ins Gleichgewicht kommen können.

Welche Tipps haben Sie, um sich hier gesund zu halten?

Gute Beziehungen zu Freunden oder der Familie stärken das Immunsystem. Finden wir dadurch keine Entlastung nach seelischen Herausforderungen, kann es auch empfehlenswert sein, sich mit dem Hausarzt auszutauschen. In manchen Fällen hilft auch eine Psychotherapie oder eine professionelle Beratung. Auch Achtsamkeitstrainings und Meditation haben nachweislich einen positiven und stärkenden Einfluss auf unser Immunsystem.

Nicht nur eine zu hohe, sondern auch eine zu niedrige Belastung unserer Psyche, wie etwa Unterforderung im Beruf, kann sich negativ auswirken und zu Dauerstress werden. Wir dürfen also unseren Körper und unsere Psyche ruhig fordern: Auf ein gutes Gleichgewicht kommt es an!

Unser Immunsystem ist wie unsere Muskulatur: Wenn wir es in einer angemessenen Art belasten, wird es gestärkt. In der Regeneration wächst es erst und wir werden stärker. Wenn wir unser Immunsystem jedoch überanstrengen, ist das schädlich und ermüdend. JuC


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