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HSV-Vorbereitung: Sommertheater und Investoren-Angriff

Hamburg (dpa) - Der HSV ist mit Recht neidisch auf den FC Bayern München. Dessen Trophäensammlung würde sich in der Club-Vitrine der Hanseaten hervorragend ausnehmen. Nun aber darf das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga zumindest Teilrechte am inoffiziellen Marken-Label FC Hollywood anmelden.

Lichtblick?
Torwart Rene Adler (r) und Trainer Thorsten Fink sprechen beim Training in Hamburg miteinander. Foto: Angelika Warmuth Foto: dpa

Nach der Prügelei am Freitag und dem Van-der-Vaart-Theater durch Sponsor Klaus-Michael Kühne sind die Norddeutschen mit Anlauf in die Schlagzeilen gerasselt. Der Schreck muss dem Team wohl noch am Folgetag in den Knochen gesteckt haben: Beim Viertligisten Holstein Kiel gab es am Samstag nur ein dürftiges 1:1. «So kann man nicht auftreten», zürnte Torwart René Adler. «Darüber wird zu reden sein.»

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Mag sein, dass die Schützlinge von Trainer Thorsten Fink die neue Vereinsphilosophie fehlinterpretiert haben. «Die Spieler waren mir zu zu ruhig, zu brav. Sie haben sich nicht getraut, sich ehrlich die Meinung zu sagen», hatte Sportchef Frank Arnesen die Truppe für ihr mildes Betriebsklima in der vergangenen Saison kritisiert. Auch Fink hatte zu viel Harmonie ausgemacht: «Es bringt dich nicht voran, immer nur lieb zu sein.»

Innenverteidiger Slobodan Rajkovic und Offensivspieler Son Heung-Min waren nun nicht mehr lieb. Sie prügelten sich im Training. Son hatte eine Torchance vergeben, Rajkovic fand das mies und brüllte den Koreaner an. Der keifte zurück. Das Ganze endete im Handgemenge mit Fußeinsatz, bei dem der unbeteiligte Mittelfeldmann Tolgay Arslan eine Platzwunde am Kopf erlitt. Die wurde mit vier Stichen genäht. «Positiv gesehen kann man sagen, es ist Leben in der Mannschaft», befand Fink. «Aber so etwas geht gar nicht. Das dürfen wir uns nicht bieten lassen.» Rajkovic wurde ins Regionalliga-Team strafversetzt, steht zum Verkauf, Son erhielt eine Geldstrafe. Da kommt der «Friedens-Cup», zu dem der HSV an diesem Montag nach Südkorea reist, gerade recht.

Zeitgleich wurde an einer anderen Front eine Verbalschlacht geschlagen. Sponsor Klaus-Michael Kühne will Millionen Euro locker machen, aber nur dann, wenn seine Intentionen umgesetzt werden. Der 75 Jahre Hamburger Milliardär hat an Rafael van der Vaart einen Narren gefressen und will den Niederländer - «das Herzstück des HSV», wie er meint - partout zurück. Also übte der medienscheue Logistik-Unternehmer mit einer Telefon-Pressekonferenz Druck auf den Vorstand aus und warf ihm mangelndes Engagement vor.

Falls die HSV-Führung seinen Wünschen nicht folgt, will er seinen Anteil am Erlös aus dem Verkauf von Stürmer Paolo Guerrero von rund 1,5 Millionen Euro sofort zurück. Schließlich hatte er vor zwei Jahren 12,5 Millionen Euro in den HSV investiert und dafür anteilige Transferrechte an sechs Spielern erhalten. Für van der Vaart würde er das Guerrero-Geld jedoch reinvestieren und sich am Mammutgehalt des Holländers beteiligen. Das sollen übrigens auch die Fans mit Beiträgen zwischen 50 und 200 Euro, schlägt Kühne vor.

Investoren, gar Besitzer von Vereinen, sind im Profi-Fußball an der Tagesordnung. Wer das Geld gibt, will häufig auch die Richtung vorgeben. Kühne-Kritiker reiben sich die Hände. HSV-Chef Carl-Edgar Jarchow schaut zwar in leere Vereinskassen, Kühnes Wünschen will er sich aber nicht beugen. «Ich weiß sein Engagement zu schätzen und genauso seine Fantreue. Aber wir lassen uns von niemandem zu etwas drängen und legen Wert auf unsere Eigenständigkeit.»