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Hotelprojekt am Königssee bleibt zu groß

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Schönau: Hotelprojekt am Königssee bleibt zu groß – Kritik von Bund Naturschutz
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Circa zwei Meter hinter dem Naturdenkmal Löwenstein mit einer Höhe von 15,90 Metern soll das Hauptgebäude in seiner Längsausdehnung bei einer Höhe von 19,90 Metern enden. (Foto: privat)

Schönau am Königssee – Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz halten das Hotelprojekt am Königssee weiterhin für überdimensioniert. Das betonen die Naturschutzverbände in ihrer Stellungnahme, die sie während der jüngsten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans abgegeben haben.


Als positiv werten die Verbände den Verzicht auf die ursprünglich vorgesehenen Waldzimmer. Der schone Naturräume und das Landschaftsbild. Leider seien jedoch bislang die sonstigen Einwände vom Dezember 2019, die von Verbänden und Bürgern eingereicht worden waren, in der aktualisierten Planung nicht ausreichend berücksichtigt worden, schreiben Toni Wegscheider und Rita Poser in ihrer Stellungnahme.

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Insbesondere lehnen BN und LBV die Größe des Hauptgebäudes ab. Dieses Haupthaus soll laut den Naturschutzverbänden eine Wandhöhe von nahezu 20 Metern haben. Der Vergleich mit Hochhäusern sei durchaus angebracht, denn sie beginnen in Bayern bei einer Höhe von 22 Metern.

Gerade in der sensiblen Lage am Königssee und in unmittelbarer Nähe zu prägenden denkmalgeschützten Gebäuden beziehungsweise Ensembles sei eine angepasste Bebauung von besonderer Bedeutung. Hier wären die Einwände und Vorbehalte der Regierung von Oberbayern, vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sowie der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Seen kaum berücksichtigt worden.

Der Argumentation der Denkmalbehörde, dass das in der bislang unbebauten Gebirgslandschaft eingebettete »Ensemble Schiffslände Königssee« wegen seines städtebaulich weitgehend authentisch überlieferten Erscheinungsbildes über bayernweite Bedeutung verfüge, können sich die Naturschützer anschließen, zumal angrenzend der Nationalpark beginnt.

Die Schaffung von rund 560 Betten belaste vor allem in der Hauptsaison das ohnehin stark überfüllte Königssee-Gebiet stark, kritisieren die Verbände. Die Planungen gingen von rund 40.000 Besuchern pro Jahr aus, die die Hotelanlage zur Übernachtung nutzen. Dies alleine führe zu einer Steigerung der Gästezahlen in Schönau am Königssee um 20 Prozent. Dadurch entstehe ein weiterer Nutzungsdruck am Königssee und in den umliegenden Orten.

Die Anzahl der vorgesehenen Personalwohnungen halten LBV und BN bei weitem nicht für ausreichend. 70 Unterkünfte für das Personal könnten bei der hohen Bettenzahl des Komplexes und der angestrebten höherwertigen Hotelkategorie keinesfalls den Bedarf decken. Ablehnend stehen die Naturschutzverbände auch der Bebauung bisher unbebauter Grünflächen gegenüber, wodurch die Flächenversiegelung weiter zunehme.

Mit der voraussichtlichen Zunahme von jährlich rund 40.000 Gästen durch die geplanten »überdimensionierten Hotel- und Geschäftszeilen« werde die Verkehrssituation im Talkessel weiter verschärft und die Staus von und zum Königssee würden zunehmen, vermuten die Verbände. Es sei deshalb ein Konzept unter Einbeziehung des Öffentlichen Personennahverkehrs zu erarbeiten, wie eine Zunahme der Stausituation und der Feinstaubbelastung im Bereich der Zufahrtsstraßen vermieden werden kann.

Auf dem Grundstück des Seefeldlehens, das unmittelbar an den Geltungsbereich des Bebauungsplans angrenzt, wurde kürzlich ein regional bedeutender jungsteinzeitlicher Feuerstein- Depotfund gemacht. Durch die umfangreichen Bodenbewegungen im derzeit unverbauten Gelände besteht nach Ansicht von BN und LBV die Gefahr, dass weitere Funde übersehen und vernichtet werden und der Bevölkerung eine Dokumentation ihrer Heimatgeschichte vorenthalten wird.

Daher sollte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege – Bodendenkmäler die Grabungen begleiten. Poser und Wegscheider lassen in ihrer Stellungnahme auch erkennen, dass sie einen qualitativ hochwertigen Ersatz der seit langem leer stehenden und baufälligen Gebäude insgesamt begrüßen – allerdings mit dem Ziel »Klasse statt Masse«. fb