Hotelangestellter bedient sich erneut

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Bereits im März 2019 stand der Angeklagte in Laufen vor Gericht, weil er 390 Euro Bargeld aus einem Schönauer Hotel gestohlen hatte. (Archivfoto: Hannes Höfer)

Berchtesgaden/Laufen – »Frauen und Geld.« So beschrieb der 42-jährige gebürtige Berchtesgadener seine »Schwächen«. Von Frauen wurde im Laufener Gerichtssaal nichts bekannt, von Geld schon. Als Angestellter eines Berchtesgadener Hotels hatte der momentan arbeitslose Angeklagte 150 Euro mitgehen lassen und nebenbei drei Schlüssel eingesteckt. Richter Martin Forster verurteilte den Vorbestraften wegen veruntreuender Unterschlagung sowie wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von fünf Monaten – ohne Bewährung.


Am 18. Dezember 2019, kurz vor seinem Wechsel in ein anderes Berchtesgadener Hotel, hatte sich der als Hausmeister und Rezeptionist tätige Mann bedient. Verbucht hatte er die 150 Euro als »Baumarkt-Einkauf.« Die drei Schlüssel des Hauses will er in seinem Rucksack vergessen haben. Die fand die Polizei bei der Festnahme nahe Brannenburg, wo der Angeklagte ohne Meldung ein Jahr lang gelebt hatte, ehe ihm der Haftbefehl vom März 2020 am 1. April 2021 eröffnet worden war. Seither sitzt er in der Justizvollzugsanstalt in Bad Reichenhall in Untersuchungshaft.

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»Ich gebe alles zu«, gestand der 42-Jährige gleich zu Beginn der Verhandlung. »Sie waren nicht in Geldnot«, äußerte Richter Martin Forster Unverständnis, was der Angeklagte so erklärte: »Wahrscheinlich, weil es so leicht ging.« Im März 2019 stand der Mann schon einmal in Laufen vor Gericht, weil er 390 Euro Bargeld aus einem Schönauer Hotel hatte mitgehen lassen. Damit nicht genug, hatte er zweimal die Sparbüchse eines Zwölfjährigen ausgeräumt. Damals hatte Richter Thomas Hippler auf fünf Monate und eine dreijährige Bewährungsfrist entschieden (wir berichteten). Bereits 2017 hatte es eine Bewährungsstrafe in Wels wegen Einbruchsdiebstahls gegeben, 2018 eine Geldstrafe wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und unerlaubten Entfernens vom Unfallort.

Doch die 4 500 Euro saß der Mann hinter Gittern ab. »Man könnte auf die Idee kommen, dass sie die drei Schlüssel des Hotels nicht grundlos mitgenommen haben«, sagte Martin Forster zu dem aktuellen Fall. Eine Mitarbeiterin des Hotels berichtete, dass in dem Haus einige Schlösser ausgetauscht worden waren, dennoch hatte die Polizei die drei gefundenen und eingezogenen Schlüssel erfolgreich im Haus getestet.

»Mehrfach und einschlägig vorbestraft«, merkte Staatsanwalt Malte Jungkunz dazu an, weshalb eine Geldstrafe nicht mehr ausreichend sei. Darüber hinaus war ein weiterer Diebstahl im März 2020 eingestellt worden. »Eine günstige Sozialprognose sehe ich nicht«, erklärte Jungkunz und beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von sieben Monaten, auch zur »Verteidigung der Rechtsordnung.«

Von »Verlockung« sprach Rechtsanwalt Sven Ryfisch, der eine »Veruntreuung« verneinte, weshalb allein das Diebstahlsvergehen zu ahnden sei. »Der Schaden ist nicht sonderlich hoch«, bilanzierte der Verteidiger. Er beantragte fünf Monate, die man »mit zugedrückten Augen« nochmals zur Bewährung aussetzen könne. Selbst wenn dem Angeklagten die Nutzung der Schlüssel nicht nachzuweisen sei, so sah Martin Forster den Tatbestand der veruntreuenden Unterschlagung doch erfüllt, den Diebstahl des Bargeldes sowieso.

»Ein Geständnis zahlt sich immer aus«, so der Strafrichter, der auf fünf Monate entschied. Allerdings: »Eine positive Sozialprognose sehe ich nicht.« Sehr wahrscheinlich wird auch die zuletzt gewährte Bewährung widerrufen, so dass der Mann zehn Monate abzusitzen hat. Die 150 Euro werden als sogenannter Wertersatz eingezogen.

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