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Hörgenüsse purer Lebenslust

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Der Traunreuter Sängerchor mit Solisten und Chorleiter Richard Kalahur versprühte im Konzert im k1-Saal ansteckende Musizierfreude. (Foto: Benekam)

Traunreut liebt gehobene Unterhaltungsmusik aus Operette, Oper und Evergreens. Und Traunreut liebt seinen im Jahr 1951 gegründeten Sängerchor. Das wird immer wieder bei den großen Konzerten – diesmal wieder im wunderschön dekorierten k1-Saal deutlich. Chorleiter Richard Kalahur, auch das ist deutlich spürbar, ist ebenso beliebt und hat, wie sich auch heuer wieder zeigte, nicht nur das richtige Händchen für den Dirigentenstab, sondern auch für die Programmauswahl.


Zusammen mit dem Ensemble »Taunsalon«, den Solisten Elaine Ortiz Arandes und Anton Klotzner bekam Traunreut weltbekannte Melodien gehobener Unterhaltungsmusik aus Operetten und Evergreens auf erfreulich hohem Niveau zu hören. »Flott und munter« legte das Ensemble »Traunsalon« mit einem Marsch von Charly Gaudriot, der denselben Titel trägt, los. Eine sehr passende Begrüßung, die sogleich für gute Laune im Saal sorgte und an die der Chor im Anschluss mit »Wir grüßen euch mit diesem Lied« nach der »Farandole« von Georges Bizet mit frohen Singstimmen anknüpfte.

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Großartige Musik von Karl Millöcker

Dass »Der Bettelstudent« zu einer der beliebtesten Operetten wurde, ist in erster Linie der großartigen Musik Karl Millöckers zu verdanken: »Ich knüpfte manche zarte Bande«, das Lied des Symon in kraftvoll aber trotzdem angenehm weichem Tenor (Anton Klotzner) und das Duett »Ich setz den Fall« in gefühlvollem Vortrag, kamen bestens an.

Wunderbar melodiös sang der Chor »Ein Traum vom Glück« nach einem Walzer von Johannes Brahms. Der liebevoll-romantischen Linie folgend lobte mit ihrem schönen Sopran Elaine Ortiz Arandes mit dem Lied der Julia aus Eduard Künnekes Operette »Der Vetter Dingsda« den »strahlenden Mond«. Etwas frecher und lustiger kam in gekonnt homogenem Vorspiel »Mädel klein, Mädel fein« (Franz Lehar) vom Ensemble »Traunsalon« daher.

Noch zwei Solo-Arien gab es vor der Pause zu hören: »Ich schenk dir mein Herz« (Lied der Jeanne aus »Die Dubarry« von Karl Millöcker) und »Wenn es Abend wird« (Lied des Tassilo aus »Gräfin Mariza« von Emmerich Kalman). Mit dem Lied »Leben ist Lachen und Singen« meldete sich der Sängerchor zurück: Erhobene Köpfe, beim Singen lächelnde Münder und strahlende Augen verdeutlichten auch rein optisch die große Freude am Singen des gut geführten Chores.

Im zweiten Teil verlagerte sich der musikalische Themenschwerpunkt der gespielten Werke etwas mehr in die komische Richtung. Das wurde schon beim ersten instrumentalen Stück (»Feuerfest«), einer französischen Polka von Josef Strauß, die das Ensemble »Traunsalon« mit musikalischem Feuereifer umsetzte, deutlich: Mit verschmitztem Lächeln griff Chorleiter Kalahur hier nicht zum Dirigentenstab, sondern zum Hammer. Sehr zum Amüsement der Konzertbesucher schwang er als Orchestermitglied nun – akkurat im Takt – den Hammer nicht etwa in der Luft, sondern auf eine kleine Metallplatte.

Damit alles wieder seine rechte Ordnung hatte, tauschte der Chorleiter für das Lied der Mariza (»Höre ich Zigeunergeigen«) aus der Operette Gräfin Mariza von Emmerich Kalman den Hammer wieder gegen den Dirigentenstab ein. Johannes Brahms »Ungarischer Tanz Nr. 5« in der Bearbeitung von Otto Goll war ein Hörgenuss aus purer Lebenslust, wie er mit derartiger Singfreude vom Sängerchor dargeboten wurde.

Mit »Auf dem Berge Ida« aus der Operette »Die schöne Helena« (Jacques Offenbach) gab es dann einen kurzen Abstecher in die griechische Mythologie. Den Apfel des Paris schnappte sich Solist Anton Klotzner in der »Arie des Paris«, sehr zur Verwunderung aller, aus der Hosentasche Kalahurs. Dieser Apfel landete nach dem Gesang nicht etwa, wie in der Operette vorgesehen, in der Hand der schönsten Frau des Olymps, sondern im hohen Bogen in der ersten Reihe des Publikums.

Romantische Momente mit wehmütiger Sehnsucht

Zurück zu zärtlicheren Klängen ging es mit dem Lied der Fiametta »Hab nur deine Liebe« aus der Operette Boccaccio (Franz von Suppé). Romantische Momente wehmütiger Sehnsucht setzte der Sängerchor mit »Wenn der Abendwind leise weht« (Otto Goll), in denen die Chorstimmen in harmonischem Zusammenklang mit der Klarinette, besonders reizvoll zur Wirkung kamen.

Zwei weitere Höhepunkte hielt die abwechslungsreiche Programmauswahl für die Traunreuter Konzertbesucher bereit: »Hab' nur dich allein«, anrührend schön im Duett der beiden Solisten, und »Allein, wieder allein«, das Lied des Zarewitsch oder auch als »Wolgalied« bekannt. Beide Lieder stammen aus Franz Lehars Operette »Der Zarewitsch«.

Richtig komisch wurde es zum Schluss beim »Trinklied« aus »Der Bettelstudent«: Offenbar hatte die Operndiva in der Pause zu tief ins Glas geguckt. Mit zwei unterschiedlichen Schuhen an den Füßen und zwei Sektgläsern in Händen torkelte sie durchs Orchester. Das beliebte Duett, bei dem vor allem Elaine Ortiz Arandes ihr komisches Talent zeigte, war ein krönender Abschluss für das gelungene Konzert. Mit frenetischem Applaus erklatschte sich das Publikum noch zwei Zugaben. Kirsten Benekam