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Hoeneß schimpft: Ribéry muss Weltfußballer werden

Bremen (dpa) - Uli Hoeneß war wieder einmal in Höchstform. Der euphorisierte Bayern-Präsident redete sich in Bremen kurz in Rage und hielt nach dem 7:0 (3:0) ein flammendes Plädoyer für Franck Ribéry.

Ribéry-Show
Franck Ribéry zeigte lieferte gegen Bremen erneut Gala-Vorstellung ab. Foto: Carmen Jaspersen Foto: dpa

«Es gibt keinen einzigen Spieler auf der Welt, der das mehr verdient hätte als Franck», sagte Hoeneß über die Wahl zum Weltfußballer. Und in seiner unnachahmlichen Art fügte der Bayern-Patron an: «Und wenn er es nicht wird, dann ist das eine Riesensauerei.»

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Besinnlicher ging es da bei der Weihnachtsfeier am Sonntagnachmittag zu. Die Bayern-Familie blickte auf ein «Jahr der Superlative», wie es Karl-Heinz Rummenigge nannte, zurück. «Wir haben alles erlebt, was es im Positiven zu erleben gibt. Es ist von Januar bis Dezember wunderbar gelaufen», betonte der Vorstandsvorsitzende in seiner knapp zehnminütigen Rede am Tag nach dem beeindruckenden 7:0.

Fehlen zur Krönung eigentlich nur der Sieg bei der Club-WM und die Ehrung eines Bayern-Spielers zum Weltfußballer. Nicht nur Hoeneß würde Ribéry gerne an der Spitze dieser Wahl sehen. Wenn es um seinen Verein und um seine Spieler geht, gibt es bei dem 61-jährigen Hoeneß kein Halten und kein Pardon. «Ich habe absolut kein Verständnis, wenn damit Spielereien gemacht werden», schimpfte Hoeneß beim Pay-TV-Sender Sky: «Und es werden damit gerade Spielereien gemacht.»

Die Verschwörungstheorie von Hoeneß und seine Wortwahl müssen einem nicht gefallen. Unzweifelhaft aber war Ribérys Auftritt beim höchsten Saisonsieg der Bayern auf jeden Fall eine große Show. Seine Gala wirkte wie ein bewegtes Bewerbungsschreiben: Ribéry schoss bei Werder Bremen zwei der sieben Tore selbst und bereitete auch noch zwei weitere vor. Dumm nur, dass die Stimmen für die Wahl schon lange abgegeben sind.

Nichtsdestotrotz hatte Hoeneß recht, als er schwärmte: «Franck ist ein unglaublicher Spieler.» Er stehe «für die neue Stärke von Bayern. Er ist ein Synonym für das, was wir im Moment darstellen.» In Bremen narrte der französische Nationalspieler die überforderten Werder-Profis immer wieder, leitete den höchsten Saisonsieg mit einen scharfen Pass ein, der zum Eigentor von Assani Lukimya (21.) führte. Neben Ribéry (38./82.) selber trafen im Weserstadion auch noch Daniel van Buyten (27.), Mario Mandzukic (60.), Thomas Müller (68.) und Mario Götze (90.).

Begeistert von Ribéry war auch Pep Guardiola, der jedoch zunächst ein putziges Lob für seine ganze Mannschaft parat hatte. «Das war das erste Spiel in dieser Saison, in dem wir ein gutes Positionsspiel hatten», sagte der Coach, ehe er für den flotten Franzosen passendere Worte fand: «Franck hat unglaublich gespielt in der vergangenen Saison, er hat diesen Titel verdient.»

Der Trainer misst der Wahl zum Weltfußballer freilich nicht ganz so viel Bedeutung bei wie etwa Hoeneß: Das verändere «nicht sein Leben, nicht seine Karriere und nicht unsere Meinung über ihn». Außerdem: Es gebe neben Ribéry weitere gute Kandidaten wie «Lionel Messi, Cristiano Ronaldo oder andere Spieler».

Messi und Ronaldo hätten allerdings auch nicht mehr Unruhe in der Werder-Abwehr stiften können als Ribéry an diesem denkwürdigen Samstag, an dem Werder die höchste Heimniederlage der Geschichte kassierte. Die fast schon Mitleid erregenden Bremer konnten dem flinken Franzosen und seinen Kollegen nicht folgen.

Abgesehen von Eljero Elia, der es nach der Rekord-Niederlage besonders eilig hatte. Kaum war abgepfiffen, ging der Bremer Profi flugs auf Ribéry zu und bat um den Tausch des Trikots. «Für mich ist diese Mannschaft die beste der Welt», schwärmte der ehrfürchtige Elia über die Bayern, die in Bremen weiter auf Tore- und auf Rekord-Jagd waren.

Durch den Sieg beim früheren Erzrivalen sind die Münchener seit nunmehr 40 Spielen in der Fußball-Bundesliga ohne Niederlage und stellten quasi nebenbei noch mit nunmehr 90 Zählern einen Punkterekord für ein Kalenderjahr auf. Dass der Bundesliga-Neuling Guardiola mit 15 ungeschlagenen Spielen noch einen ganz eigenen Rekord erreicht hat, interessierte den spanischen Coach indes weniger: «Das ist für mich nicht speziell.»

Dabei fehlten in Bremen Spieler wie Arjen Robben, Bastian Schweinsteiger und Kapitän Philipp Lahm. Welche Qualität der Kader der Bayern besitzt, zeigte auch der wieder gesunde Neuzugang Thiago, der bei seinem fünften Ligaeinsatz als Sechser glänzte und das Spiel von hinten antrieb.

«Alle Spieler haben eine gute Mentalität, deshalb funktioniert die Gruppe», kommentierte Ribéry, der nach seiner Rippenverletzung erstmals wieder von Beginn an spielte: «Ich bin wieder zurück. Ich freue mich, dass mir so ein Spiel gelungen ist. Die Schmerzen sind weg.»

Ribéry sagte auch: «Wir sind alle glücklich.» Europas Fußballer des Jahres hatte offensichtlich seinen Vereinspräsidenten nicht erlebt, als der seine Meinung über eine aus Bayern-Sicht möglicherweise unangemessene Wahl zum Weltfußballer kundtat.