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Hoeneß ledert gegen Bauermann - Nowitzki: »Hammer«

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Uli Hoeneß musste zuschauen, wie seine Bayern mit 61:80 gegen Oldenburg verloren. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa

München (dpa) - Durch eine seiner bislang nur vom Fußball bekannten Abrechnungen mit Ex-Coach Dirk Bauermann hat Präsident Uli Hoeneß die Diskussionen um das Basketball-Projekt beim Fußball-Rekordmeister weiter befeuert.


Hoeneß warf dem ehemaligen Bundestrainer nach dem 61:80-Debakel der Münchner zum Saisonauftakt gegen Oldenburg in einem Interview mit dem TV-Sender Sport1 falsche Trainingsdosierung, »Realitätsverlust« und ein katastrophales Verhältnis zu Sportdirektor Marko Pesic vor. Der Rauswurf Bauermanns sei daher unausweichlich gewesen.

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Der Bayern-Präsident kritisierte Bauermann zudem als selbstherrlich und zog den Vergleich zum Niederländer Louis van Gaal, der im Frühjahr 2011 bei den Fußballern gefeuert worden war. Mit Blick auf den mit neun deutschen Meisterschaften dekorierten Bauermann sagte Hoeneß: »Er hat sich überhaupt nicht vorstellen können, dass der FC Bayern den Schritt wagen würde, weil er geglaubt hat, dass er eine so starke Position im deutschen Basketball hat. Da hat er sich getäuscht.« Dass Hoeneß dabei genüsslich lächelte, zeigte, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen ihm und dem Coach war.

Bauermann wollte sich nicht zur schonungslosen Kritik des Bayern-Präsidenten äußern. »Ich werde das bewusst und ausdrücklich nicht kommentieren«, sagte der 54-Jährige der Nachrichtenagentur dpa. Unmittelbar nach seiner überraschenden Entlassung am vergangenen Donnerstag hatte sich Bauermann »bestürzt« über die Entscheidung des Clubs gezeigt. Nun will der Coach, der noch einen Vertrag bis 2014 besaß, eine Schlammschlacht zwischen ihm und den Bayern verhindern.

Die Beurlaubung seines früheren Bundestrainers hat Dirk Nowitzki in den USA überrascht. »Dass Coach Bauermann entlassen worden ist, ist ein Schock für die ganze Basketball-Welt hier in Deutschland. Eine Woche vor dem Saisonauftakt ist das schon ein absoluter Hammer«, sagte Nowitzki in einer Gesprächsrunde nach seiner Ankunft in Berlin vor dem Testspiel seiner Dallas Mavericks gegen ALBA.

Unter dem Coach hatte Nowitzki unter anderem bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking für Deutschland gespielt und 2005 EM-Silber gewonnen. »Das ist eine Entscheidung, da müssen die Bayern dahinterstehen«, sagte der 34-Jährige. »Ich glaube, dass es gut war für den deutschen Basketball, dass die Bayern eingestiegen sind. Wenn die Bayern was machen, dann machen sie es hundertprozentig.«

Dabei waren Hoeneß und Bauermann einst ein Herz und eine Seele. Der Bayern-Boss zeigte sich so fasziniert von der Person Bauermanns, dass er sich vor rund zwei Jahren dazu überreden ließ, den Basketball in München zu etablieren.

Doch im Laufe der Zeit kühlte das Verhältnis zwischen den beiden Protagonisten immer mehr ab. Während sich Bauermann trotz einiger sportlicher Misserfolge gemäß seines Führungsstils stets vor seine Spieler stellte, wartete Hoeneß offenbar vergebens auf das eine oder andere Machtwort des Trainers. Als Bauermann sich auch nach mehreren Gesprächen nicht beeinflussen ließ, zeigte Hoeneß, wer im Verein das Sagen hat. »Das ist nicht eine Spontanentscheidung gewesen, sondern hat sich über drei, vier, fünf Monate aufgestaut«, sagte Hoeneß.

Bis auf weiteres setzen die Bayern jetzt auf Bauermanns bisherigen Co-Trainer Yannis Christopoulos. Doch ob der Grieche das nach den jüngsten Chaos-Tagen völlig verunsicherte Team wieder auf Kurs bringen kann, ist nach der schwachen Leistung vom Mittwochabend mehr als fraglich. Vollste Rückendeckung gab Hoeneß dem Sportdirektor. »Maro Pesic macht einen super Job.« Auch Zweifel an einer Fortführung des Basketball-Projektes wischte Hoeneß sofort vom Tisch. »Jetzt fängt es gerade an Spaß zu machen.«

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