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Hochmusikantisches Trio in der Wallfahrtskirche Ising

Deutschlandweit und in der weiten Welt bekannt und angefragt ist die Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn bei Konzerten, Kammermusikveranstaltungen und Soloauftritten. Gern spielt sie mit einem zweiten Instrument und entwickelt dabei erstaunliche Findigkeit in der Auswahl. Ihre jüngste CD mit dem Trompeter Georg Holzner ist ein gutes Beispiel dafür. Seit 2002 spielen der Flötist Dejan Gavric und Silke Aichhorn im Duo.

Dejan Gavric, Silke Aichhorn und Philip Nickel (v. l.) in der Isinger Wallfahrtskirche. (Foto: Kaiser)

Für das diesjährige Musiksommer-Konzert in der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ising haben die beiden den Bratschisten Philip Nickel in ein Trio integriert, das mit reichen Klangfarben aufwartete und den Erwartungshorizont der Musikliebhaber und Aichhorn-Fans beträchtlich erweiterte: Die drei so grundverschiedenen Instrumente vermischten sich zu geradezu orchestralem Klang oder horchten ganz konzentriert und sensibel aufeinander.

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Zu Beginn lauschte das Publikum einer viersätzigen Sonate von Antonio Vivaldi in a-Moll, die melodiösen Einfallsreichtum, Exaktheit in den schnellen Teilen und gefühlvolles Musizieren zum Beispiel im Largo cantabile aufs Angenehmste miteinander verband. Aus der »Suite altfranzösischer Tänze des Lautenisten Marin Marais gaben Bratsche und harfe eine Bearbeitung von »L' Agréable« mit volltönendem Bratschenklang, von »La Musette« mit einer fast ständig mitklingenden tiefen Bordunsaite und den ganz fröhlichen »Le Basque« als Hörgenuss hoher Klasse.

Von Francois Devienne hörten wir das originale Duo Flöte-Bratsche Nr. 3 mit einem verspielten, musizierfreudigen Allegro con espressione und einem mitteilungsfreudigen Rondo.

Dann war es Zeit für Mozart. Der besuchte seinen Freund Michael Haydn 1783 in Salzburg und warf für ihn, der krank war und einen Honorarverlust befürchtete, mal eben schnell zwei Duos für Violine und Bratsche aufs Notenpapier, die der Auftraggeber Erzbischof Hieronymus als Haydns Arbeiten übernahm (und wohl auch entlohnte). Später kamen sie dann doch in Mozarts Verzeichnis unter KV 423 und 424. Für die G-Dur-Sonate KV 423 hat der Organist D'Antalffy ganz schön was für die Harfe angefügt und aus dem bezaubernden Kleinwerk ein Kunststück gemacht.

Nach einer für die Harfe nötigen Stimmpause wurde das Programm ganz französisch-impressionistisch. Die durch unzählige Bearbeitungen bekannte Melodie der Klavier-Pavane op. 50 von Gabriel Fauré klang im Trio als sehr dicht ausmusizierte, elegische Prozessionsmusik. Auch eine Klavier-Valse von Auguste Durand, ein anspruchsvoller, schneller Walzer, ließ sich umsetzen, und zwar auf die Solo-Harfe und ihre Spielerin, als sei er genau auf sie zugeschnitten. Zwei Stücke von Claude Debussy trafen das Zentrum des Impressionismus, zum einen »Bruyères« (»Heidekraut«), schlicht und duftig für Flöte und Harfe, dann eine dreisätzige Sonate mit einer stimmungsvollen »Pastorale« und einem spielerischen »Interlude«, die farbig und meditativ-träumerisch viele Spieltechniken der Instrumente auskosteten, und einem sehr rhythmischen, zerklüfteten »Final« mit hohen spieltechnischen Anforderungen, das ein melodisches »Trio« einschloss. Als Zugabe erklatschten sich die Zuhörer, von den Musikern gern bewilligt, das expressive »Interlude 2« von Jacques Ibert, einem Fauré-Schüler, für Flöte, Violine und Harfe, komponiert 1946. Philip Nickel war da auf der Bratsche schon gefordert – er genoss es. Engelbert Kaiser