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Hitze, Staub und endlose Weiten

4.5
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Franz Fuchs war ein Trucker mit Leib und Seele und stellte sich nach der Vorführung des Films den Fragen des Publikums. (Foto: Heel)

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Gastgarten des Traunsteiner Studios 16, wo im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage der Dokumentarfilm »Die morgenländische Reise des Franz Fuchs« gezeigt wurde. Ein Film, der zugleich eine Zeitreise war, denn gedreht wurde der 45-minütige Streifen bereits 1978. Da begleitete ein Kamerateam des Bayerischen Fernsehens den in Kammer bei Traunstein wohnhaften Fernfahrer Franz Fuchs bei einer seiner Touren nach Saudi-Arabien.


Eine reichlich abenteuerliche Angelegenheit, die Fuchs einiges abverlangte. Schließlich gab es noch kein Navi und kein Handy, und präzise Straßenkarten waren auch Mangelware. Zwar hatte Fuchs bereits Erfahrung mit Touren bis in den Iran, aber die arabische Wüste mit ihren unendlichen Weiten war eine andere, noch härtere Nummer. Hier waren die Fahrer weitgehend auf sich allein gestellt, teils unterwegs auf Pisten, die nur mit Ölfässern markiert waren, und zwar im Abstand von 50 Kilometern (!). Hinzu kamen Temperaturen bis zu 53 Grad, sodass man nicht nur beim Reifenwechseln ins Schwitzen geriet. Dafür gab es abends auch mal Lagerfeuerromantik und ein bierseliger Plausch mit Kollegen entschädigte kurzfristig für die Strapazen.

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Aber das war nur die eine Seite. Bevor es überhaupt losging und Fuchs seine Ladung, in diesem Fall Baumaterialien, mit seinem 36-Tonnen-Lkw nach Riad bringen konnte, waren jede Menge Formalitäten zu erledigen. Er musste sich gegen Malaria und Cholera impfen lassen, musste sich von einem Notar seine Nationalität beglaubigen lassen, musste sich von der Regierung die Ladung genehmigen und bestätigen lassen. Danach kamen der Zoll und weitere wichtige Dokumente, schließlich waren hin und zurück insgesamt 28 Grenzübergänge zu bewältigen, und zuletzt war noch die Deklaration der mitgeführten Lebensmittel (auf keinen Fall Schweinefleisch) fällig. Eine weitere Hürde war die fehlende Drehgenehmigung für Saudi-Arabien, sodass dort mit versteckter Kamera gearbeitet werden musste.

Entstanden ist so ein Roadmovie der besonderen Art, das mit Franz Fuchs einen tollen »Hauptdarsteller« hatte, einen Trucker mit Leib und Seele, souverän am Steuer und gesegnet mit Witz und Humor. Entsprechend positiv fielen auch die Besprechungen in der Presse aus, nachdem der Film am 17. August 1980 ausgestrahlt worden war.

Positiv bzw. mit sehr viel Beifall wurde auch die Vorführung des Films aufgenommen, nach der sich Franz Fuchs den Fragen des Publikums stellte respektive einige besonders interessante Begleitumstände seiner zahlreichen Fahrten in den Orient erläuterte. So kam er gleich anfangs auf sein schlimmstes Erlebnis zu sprechen, nämlich dass er bei seiner ersten Tour nach Saudi-Arabien zwar viele Getränke wie Fanta, Cola usw. bei sich hatte, aber zu wenig Wasser. Was ihm beinahe zum Verhängnis geworden wäre, hätten ihm nicht einige Beduinen geholfen.

Aufgrund der begeisterten Aufnahme soll der Film demnächst noch einmal gezeigt werden. Wolfgang Schweiger

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