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Hintergrund: Standpunkte des neuen Papstes

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Papst Franziskus betet
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Papst Franziskus betet in der Kirche Santa Maria Maggiore. Foto: Osservatore Romano Foto: dpa

Buenos Aires (dpa) - Der neue Papst Franziskus hat sich in seiner Heimat Argentinien immer wieder zu politischen und gesellschaftlichen Themen geäußert. Eine Auswahl:


ARMUT UND MENSCHENRECHTE: »Die Menschenrechte werden auch mit der Armut verletzt. Nicht nur mit Terrorismus, Unterdrückung und Ermordungen, sondern auch mit der Existenz extremer Armut«, sagte er 2009. Und im selben Jahr: »Die soziale Lage verschlechtert sich und man sieht keine öffentliche Politik, um sie zu verbessern.«

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ABTREIBUNG UND HOMO-EHE: Franziskus ist ein entschiedener Gegner der Abtreibung und der gleichgeschlechtlichen Ehe. Die in Argentinien legalisierte Homo-Ehe sei ein »Teufelsmanöver«, sagte er 2010. Abtreibung sei »nie eine Lösung«, sagte er 2012 anlässlich einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, Abtreibungen bei Vergewaltigungen zu erlauben.

ROLLE DER KIRCHE: Bergoglio klagte, es gebe Priester, die nicht die Kinder von ledigen Frauen taufen wollten. »Das sind die heutigen Scheinheiligen«, die das Volk Gottes beiseitelassen.

POLITIK UND REGIERUNG: Seit 2004 vermieden es der Präsident Néstor Kirchner und seine Nachfolgerin Cristina Kirchner, an nationalen Feiertagen an der traditionellen Messe in der Kathedrale von Buenos Aires teilzunehmen, um nicht Bergoglios Kritik anhören zu müssen. Der Erzbischof prangerte »den Exhibitionismus und die schillernden Ankündigungen« der Politiker an. Dennoch wird ihm eine enge Beziehung zur Politik nachgesagt. Er soll dem Peronismus konservativer Prägung zugeneigt sein. Gleichzeitig hat er aber stets darauf geachtet, in der Öffentlichkeit Distanz zu den Regierenden zu wahren.

WIRTSCHAFTSKRISE in ARGENTINIEN: Bergoglio, der 2001 erst seit wenigen Monaten die Kardinalswürde trug, sah auf der Plaza de Mayo mit Entsetzen den Polizeieinsatz gegen Demonstranten. Als er sah, wie eine Frau geschlagen wurde, rief er den Sicherheitssekretär der Regierung an, man solle doch zwischen Aktivisten und einfachen Sparern unterscheiden. »Das Töpfeschlagen (der Demonstranten) war ein spontaner Selbstverteidigungsfunke der Bevölkerung, es reicht aber damit nicht, das dringendste ist, die Kochtöpfe zu füllen.«

MILITÄRDIKTATUR: Als Provinzial des Jesuiten-Ordens hat er seine Glaubensbrüder in den ersten Jahren der Militärdiktatur (1976-83) dazu angehalten, sich auf rein kirchliche Aufgaben zu konzentrieren. Er wurde beschuldigt, zwei Jesuiten nicht vor der Verschleppung durch das Militär geschützt zu haben. Er selbst sagte, er habe sie vor den Gefahren gewarnt und bei der Militär-Junta für sie vorgesprochen, aber wenig Einfluss gehabt. Die zwei Jesuiten wurden nach fünf Monaten Haft und Folter freigelassen.