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Hintergrund: Die Akteure der Krise

Militär
Das Militär spielt eine wichtige Rolle in Ägypten. Hier sieht man einen Polizisten, der sich den Demonstranten anschließt. Foto: Gorera Hossem Foto: dpa

Istanbul/Kairo (dpa) - Nach dem Machtwechsel in Ägypten ist das Land tief gespalten. Opposition und Militär haben die islamistische Muslimbruderschaft ins Abseits manövriert. Nachfolgend die wichtigsten Akteure der Krise:


- DAS MILITÄR: Nach der Wahl des Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum ägyptischen Präsidenten hat sich das mächtige Militär zunächst aus der Politik herausgehalten. Der neue Präsident wies die Armee in die Schranken und entmachtete die alte Führungsriege. Doch blieb das Militär ein Staat im Staate. Wachsende Konfrontationen zwischen islamistischer Regierung und Opposition brachten die Generäle wieder auf den Plan. Die Armee sieht sich weniger in einer politischen Rolle, sondern als eine Art Schutzmacht, die den Staat vor einem Kollaps bewahrt - notfalls mit radikalen Mitteln. Die Generäle herrschen im Land, ohne zu regieren.

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- PRÄSIDENT MOHAMMED MURSI: Nach seiner Wahl präsentierte er sich als Präsident aller Ägypter. Für seine Gegner war er jedoch nichts weiter als eine Marionette der Muslimbruderschaft. Ohne Rücksicht auf die Opposition boxte er mit Hilfe von Sondervollmachten - die er sich selbst erteilte - eine islamistische Verfassung durch. Zuletzt äußerte er sein Bedauern über seinen autoritären Regierungsstil und rief alle politischen Kräfte des Landes zum Dialog auf. Für seine Kritiker kam diese Einsicht zu spät.

- DIE MUSLIMBRUDERSCHAFT: Die Muslimbruderschaft war vor dem Sturz des alten Regimes von Husni Mubarak offiziell verboten, wurde aber inoffiziell geduldet. Sie ist die am besten organisierte politische Bewegung Ägyptens und arbeitete vornehmlich im Untergrund. Deren Partei «Freiheit und Gerechtigkeit» erhielt bei der ersten Parlamentswahl die meisten Stimmen (37,5 Prozent). Den Kurs der Bruderschaft bestimmt sein Oberhaupt, Mohammed Badia, sowie dessen Stellvertreter Chairat Schater. Beide saßen in der Ära Mubarak wegen ihrer politischen Aktivitäten jahrelang im Gefängnis.

- DIE SALAFISTEN: Radikaler als die Muslimbrüder, trugen die Salafisten den Kurs der Muslimbruderschaft lange Zeit mit. Für sie war deren Regierung aber nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zum Gottesstaat. Präsident Mursi ging ihnen diesen Weg nicht konsequent genug, deshalb stellten sie sich zuletzt gegen ihn. Die Salafisten-Partei des Lichts wurde bei der Parlamentswahl zweitstärkste politische Kraft.

- BÜNDNIS DER OPPOSITIONELLEN: Die Jugendbewegung sowie unterlegene Präsidentschaftskandidaten protestierten schon seit Monaten gegen die Regierung der Islamisten. Die jüngsten Massenproteste wurden angefacht durch die Protestbewegung «Tamarud» (Rebellion). Die Gruppierung hat nach eigenen Angaben mehr als 22 Millionen Unterschriften gegen Mursi gesammelt. Auch mehrere Oppositionsführer riefen zu den Demonstrationen auf. Zu ihnen gehören der frühere Generalsekretär der Arabischen Liga, AMRE MUSSA, der linke Aktivist HAMDIEN SABAHI und Friedensnobelpreisträger MOHAMMED ELBARADEI.

- DAS ALTE SYSTEM: Vertreter des alten Mubarak-Systems werden in Ägypten «Fulul» genannt, Überreste. Ihr wichtigster Vertreter ist der ehemalige Präsidentschaftskandidat AHMED SCHAFIK, der im Juni 2012 die Stichwahl gegen Mursi nur knapp verlor. Der letzte Regierungschef Mubaraks verließ anschließend Ägypten und reiste nach Abu Dhabi, um einer Anklage wegen Korruption zu entgehen. Die islamistische Regierung machte bei Unruhen stets «bezahlte Schläger des alten Regimes» für tödliche Konfrontationen verantwortlich.

- DIE JUSTIZ: Hier gibt es Unterstützer und Gegner der Islamisten. Zuletzt gewannen die Gegner die Oberhand, nachdem das höchste Kassationsgericht den von Mursi ernannten Generalstaatsanwalt schasste und dessen Vorgänger wieder ins Amt einsetzte.

- AL-AZHAR: Die Institution mit Moschee und Universität ist seit Jahrhunderten die wichtigste Stätte für die Gelehrten des sunnitischen Islam. Das Institut bekam zwar dank der Muslimbrüder mehr Einfluss, billigte aber nun deren Entmachtung.