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Hintergrund: Der Atomstaat Japan

Berlin (dpa) - Bis zur Katastrophe von Fukushima vor zwei Jahren hat Japan die Nutzung der Atomkraft nie infrage gestellt, sondern immer weiter ausgebaut. Nach dem Unglück wurden zeitweise alle 50 einsatzfähigen Reaktoren im Lande zu Wartungsarbeiten abgeschaltet.

Allein in Namie
Zwei ehemalige Bewohner der Präfektur Fukushima stehen auf der Straße in ihrer alten Heimatstadt Namie. Foto: Franck Robichon Foto: dpa

Bis dahin hatten die Kernkraftwerke 30 Prozent des Strombedarfs Japans gedeckt. Es gab Pläne, ihren Anteil mit dem Bau weiterer AKWs bis 2030 auf mehr als 50 Prozent anzuheben.

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Mit mehr als einer Million Gigawattstunden pro Jahr ist Japan der weltweit drittgrößte Stromverbraucher. Nur die USA und China verbrauchen mehr; Deutschland kommt auf 604 000 Gigawattstunden. Das an Bodenschätzen arme Land importiert bis zu 96 Prozent des Energiebedarfs.

Vor dem Abschalten der Reaktoren hatten führende Vertreter der Wirtschaft gewarnt, Strommangel und steigende Energiepreise könnten zu einer beschleunigten Abwanderung der Produktion aus Japan führen. Als Ersatz für Atomstrom wurden alte Thermalkraftwerke wieder angefahren. Die erhöhte Einfuhr von Erdgas und Rohöl trug dazu bei, dass Japan 2011 erstmals seit mehr als 30 Jahren ein Defizit in der Handelsbilanz auswies.

Im September 2012 verkündete die Regierung von Ministerpräsident Yoshihiko Noda (Demokratische Partei) einen Plan zum Atomausstieg bis 2040. Ende 2012 stellte allerdings der wenige Tage zuvor gewählte neue Regierungschef Shinzo Abe von der Liberaldemokratischen Partei den Ausstiegsplan wieder auf den Prüfstand. Abe schließt nun auch den Bau neuer Atomkraftwerke nicht mehr aus.